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Luftfahrt Wie die DDR half, die Concorde zu klonen

Von Kai Posmik | 27.12.2013, 12:00 Uhr

Vor 45 Jahren hatte das sowjetische Überschallpassagierflugzeug Tu-144 seinen Jungfernflug. Der Westen warf den Sowjets und Ostdeutschland den Diebstahl der Concorde-Baupläne vor

1973 stürzt zudem eine Tupolew bei einer Flugschau in der Nähe von Paris ab. Neben den sechs Personen der Besatzung werden acht Franzosen am Boden von Trümmern getötet. Dennoch startet zwei Jahre später der Linienbetrieb zwischen Moskau und Alma-Ata. Doch 1978 wird er wieder eingestellt, weil er sich nie gerechnet hat.

Neben diesen Unterschieden verweisen Historiker darauf, dass Ähnlichkeiten zwischen beiden Flugzeugen auch mit einer normalen technologischen Evolution erklärbar sind. Gleiche Probleme führen oft zu ähnlichen Lösungen, ganz unabhängig vom politischen System. Dass die Sowjets die Tu-144 auch ganz ohne Spionage hätten bauen können, bezweifelt heute niemand. Ob sie es bereits bis zum 31.12.1968 geschafft hätten, ist eine andere Frage.

Heute ist unumstritten: Die Sowjets haben mit Unterstützung der DDR den Bau der Concorde ausspioniert. Unklar ist jedoch, inwieweit die erhaltenen Informationen den Bau der Tu-144 wirklich vorangebracht haben. Denn bei aller Ähnlichkeit, gibt es auch große Unterschiede. So sind die Triebwerke der Tupolew viel näher am Rumpf angebracht. Und der hervorstechendste Unterschied sind die sogenannten Canards, französisch für Entenflügel, der Tu-144. Diese liegen über dem Cockpit und werden beim Landeanflug zur zusätzlichen Stabilisierung ausgefahren.

Doch auch die DDR spielt nach heute vorliegenden Erkenntnissen eine entscheidende Rolle. Das Ministerium für Staatssicherheit installiert einen regelrechten Spionagering, die Aktion wird „Operation Brünnhilde“ genannt.

Wesentliche Informationen über die Versuche Moskaus, an Pläne des Überschallfliegers zu kommen, stammen von Peter Wright, einem Agenten des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5. Nach seiner Pensionierung veröffentlichte er Ende der 1980er-Jahre unter dem Titel „Spycatcher“ seine Erinnerungen. Darunter auch den Spionagekrimi um die Baupläne der Concorde.

Doch der Fachwelt ist das schon seit Jahren bekannt. Denn erste Modelle der Tu-144 und der Concorde sind schon vier Jahre zuvor der Öffentlichkeit gezeigt worden. Seitdem stehen auch die Spionagevorwürfe im Raum.
Völlig substanzlos sind die nicht. Das Interesse an Technologien des Westens ist in Moskau groß, das betrifft nicht nur die Luftfahrt. Doch die Concorde eben besonders.

In Paris und London ist man sauer und erhebt schwere Vorwürfe: Das Büro Tupolew habe Baupläne der Concorde geklaut und sich so einen entscheidenden Vorteil im Kampf um den prestigeträchtigen Erstflug verschafft.


Wettbewerb um Jungfernflug

Die Tu-144 rollt auf die Startbahn, der weltweit erste Flug eines Passagierflugzeuges mit Überschallfähigkeit steht bevor. Der schlanke Vogel beschleunigt laut und hebt schließlich elegant ab. Es sind eindrucksvolle Bilder, die das sowjetische Staatsfernsehen sendet. Nach 38 Minuten landet die Tupolew wieder, der Coup ist geglückt. Die Sowjets freuen sich, denn sie haben einen Wettbewerb für sich entschieden.