Ein Angebot des medienhaus nord

Bundeshaushalt 2018 „Land ist in guter Verfassung“

Von Rasmus Buchsteiner | 28.06.2017, 20:45 Uhr

Milliarden-Polster für Steuerentlastungen und Investitionen? – Hintergründe zum Entwurf des Bundeshaushaltes 2018

Grünes Licht für den Bundeshaushalt wird es erst im Herbst geben – nach der Bundestagswahl. „Unser Land ist in guter Verfassung. Es gibt ausreichend Vorsorge für neue Gestaltungsmöglichkeiten“, erklärte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gestern. Hintergründe zum Entwurf des Bundeshaushaltes 2018 und zum Finanzplan bis 2021.

Wie sieht der Haushaltsentwurf für 2018 aus?
Es sind abermals keine neuen Schulden vorgesehen. Die voraussichtlichen Einnahmen steigen von 329,1 Milliarden in diesem Jahr auf 337,5 Milliarden Euro im Jahr 2018. Schäuble plant fürs kommende Jahr mit Ausgaben von 337,5 Milliarden Euro. Laut Finanzplan sollen Einnahmen und Ausgaben bis 2021 auf 356,8 Milliarden Euro ansteigen.

Welche Ministerien sind die Gewinner?
In absoluten Zahlen erhält das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die größten Mehrausgaben – knapp 3,5 Milliarden Euro. Der Verteidigungshaushalt soll im kommenden Jahr um fast 1,5 Milliarden Euro steigen, ein Plus von vier Prozent. Bis 2021 kämen noch einmal knapp vier Milliarden hinzu. Die Ausgaben des Bundesinnenministeriums – insbesondere für Bundespolizei und Verfassungsschutz – steigen um rund 250 Millionen Euro.
Ist sich die Bundesregierung bei der Haushaltsplanung einig?
In einem Punkt hat die SPD Vorbehalte angemeldet. „Unser Ziel ist es, für jeden Euro, der zusätzlich für Verteidigung ausgegeben wird, 1,50 Euro mehr für Krisenprävention, Humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit im kommenden Finanzplanungszeitraum zur Verfügung zu stellen“, heißt es in einer Erklärung, die gestern von den SPD-Bundesministern zu Protokoll gegeben wurde.

Das Finanzministerium verwies darauf, dass Deutschland bereits jetzt in der Entwicklungshilfe der zweitgrößte Zahler sei. Unmittelbare Auswirkungen hat die Protokollerklärung allerdings nicht.

Gibt es Spielräume für Steuerentlastungen?
Für die nächsten Jahre sieht das Finanzministerium Spielraum von insgesamt knapp 15 Milliarden Euro beim Bund: 2 Milliarden Euro 2019, 3,1 Milliarden Euro für 2020 und 9,7 Milliarden Euro im letzten Jahr der kommenden Legislatur – und das bei steigenden Ausgaben insbesondere für Soziales und Verteidigung.
Die Steuerpläne von Union und SPD sind finanzierbar?
Ja, aber es lohnt sich, genau hinzuschauen: Von den 15 Milliarden Euro, die von der Union als mögliche Entlastung bei der Einkommensteuer genannt werden, hätte der Bund lediglich 6,3 Milliarden Euro zu schultern – der Rest käme als Mindereinnahmen auf Länder und Kommunen zu. Die 15-Milliarden-Euro-Entlastung, die von der SPD versprochen wird, soll unter anderem durch Abschaffung des Soli für kleine und mittlere Einkommen erreicht werden. Die Mindereinnahmen in diesem Bereich müssten allein vom Bund gestemmt werden.

Reißen Flüchtlingskosten und die Rückerstattung der Brennelemente-Steuer nicht neue Löcher in den Etat?
Die flüchtlingsbedingten Kosten werden 2018 noch einmal geringfügig auf 21 Milliarden Euro ansteigen. Die Rücklage wird bis 2019 vollständig aufgebraucht, neue Risiken für die nahe Zukunft werden aber nicht gesehen. Die von Karlsruhe verordnete Rückzahlung der Brennelemente-Steuer an die Atomkonzerne hat das Finanzministerium zwar kalt erwischt. Doch dank der unerwartet hohen Steuereinnahmen kann das Geld plus sechs Prozent Zinsen – der Gesamtbetrag liegt zwischen 7 und 7,5 Milliarden Euro – ohne Schwierigkeiten zurückgezahlt werden.

Kommentar von Rasmus Buchsteiner: Vorsicht bei Versprechen
Besser könnten die Aussichten für einen Bundesfinanzminister kaum sein. Bei brummender Konjunktur, kräftig steigenden Steuereinnahmen und vollen Sozialkassen ist Wolfgang Schäuble die Aufstellung des Haushaltsentwurfs 2018 sicherlich nicht schwer gefallen. Der Streit über Punkt und Komma dieses Etatplans ist müßig. Diese Koalition wird ihn ohnehin nicht mehr verabschieden. Doch weist das Zahlenwerk aus dem Hause Schäuble den Weg in die nächste Wahlperiode. Es macht klar, dass die neue Bundesregierung erst einmal knapp 3,5 Milliarden Euro wird einsparen müssen. Über die gesamte Wahlperiode gerechnet bleibt jedoch ein Spielraum von 15 Milliarden Euro – für Steuersenkungen, Investitionen und andere Mehrausgaben. Doch wer sich angesichts der guten Finanzsituation im Wahlkampf zu überzogenen Ankündigungen hinreißen lässt, wird ein böses Erwachen erleben und Vertrauen bei den Wählern verspielen.