Prozess in Stuttgart : Anton Schlecker drohen drei Jahre Haft

Anton Schlecker und seine Tochter Meike auf dem Weg ins Gericht
Anton Schlecker und seine Tochter Meike auf dem Weg ins Gericht

Anklage fordert Gefängnisstrafen für Ex-Drogeriemarktkönig und seine Kinder. Richter urteilen nächste Woche

von
20. November 2017, 20:45 Uhr

Die Staatsanwaltschaft will Ex-Drogeriemarktkönig Anton Schlecker ins Gefängnis bringen. Im Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht forderten die Vertreter der Anklage am Montag drei Jahre Haft für den 73-Jährigen. Sie halten es für erwiesen, dass Schlecker Millionen beiseite geschafft hat, obwohl er die Insolvenz seines Imperiums schon kommen sah – oder sie zumindest hätte kommen sehen müssen. In zwei der zahlreichen Anklagepunkte sehen die Ankläger sogar einen besonders schweren Fall des Bankrotts.

Die Verteidigung hält sowohl das als auch die Forderung nach einer Haftstrafe für überzogen, nannte aber selbst kein Strafmaß, das sie für angemessen hält. Schlecker selbst hat im Prozess die Vorwürfe immer zurückgewiesen und stets betont, nie am Fortbestand seines Lebenswerks gezweifelt zu haben.

Auch für seine beiden mitangeklagten Kinder, Lars und Meike, forderte die Staatsanwaltschaft Haftstrafen. Sie sollen für zwei Jahre und zehn Monate beziehungsweise zwei Jahre und acht Monate hinter Gitter.

Ihnen wirft die Anklage ebenfalls Bankrott und außerdem Beihilfe zum Bankrott, Untreue und Insolvenzverschleppung vor. Lars und Meike Schlecker gehörte die Logistik-Tochterfirma LDG, die zum Imperium ihres Vaters zählte. Dort sollen sie sich selbst Gewinne in Höhe von sieben Millionen Euro ausgezahlt haben, die es laut Anklage gar nicht mehr gab – und damit eine Überschuldung herbeigeführt haben. Am kommenden Montag will das Landgericht Stuttgart sein Urteil sprechen.

Der Prozess drehte sich vor allem um die Frage, wann genau Schlecker klar gewesen sein muss, dass seiner Firma die Zahlungsunfähigkeit drohte – denn von da an hätte er kein Geld mehr daraus abziehen dürfen. Als sogenannter Einzelkaufmann haftete Anton Schlecker mit seinem privaten Vermögen für die Firma.

In der Anklage war noch von Ende 2009 die Rede, davon rückte die Staatsanwaltschaft später ab und hält nun Ende 2010 für den fraglichen Zeitpunkt. Angemeldet hat Schlecker die Insolvenz im Januar 2012. Für die Drogeriekette bedeutete das damals den Untergang, Zehntausende verloren in den folgenden Monaten ihre Jobs, die Forderungen der Gläubiger summieren sich auf über eine Milliarde Euro.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hatte ein jahrelanger Umsatzrückgang schon 2009 zu „massiven Liquiditätslücken“ bei Schlecker geführt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen