Allzuoft auf dem Abstellgleis

Deutsche Bahn 2013 mit Rekordzahl von Entschädigungsanträgen wegen verspäteter oder ausgefallener Züge konfrontiert

svz.de von
31. Dezember 2013, 00:34 Uhr

Erst hatte sie kein Glück, dann kam auch noch Pech hinzu. Die Bahn hat im abgelaufenen Jahr unter äußeren Negativeinflüssen gelitten – und die Kunden mit ihr. Eine Rekordzahl von Entschädigungsanträgen wegen verspäteter oder ausgefallener Züge war die Quittung für alles, was schief gelaufen ist. Wenn die Folgen des Elbhochwassers monatelang eine wichtige Fernverbindung unterbrechen oder Orkane wüten, ist man geneigt, ein Auge zuzudrücken. Gegen höhere Gewalt sind schließlich auch Autofahrer und Flugzeugpassagiere nicht gefeit.

Wirklich ärgerlich wird es jedoch, wenn die Bahn selbst an den Missgeschicken schuld ist. Das war 2013 bei den Personalproblemen im Mainzer Stellwerk der Fall. Hier hat sich gezeigt, dass die Bahn beim Personal offenbar ebenso auf Verschleiß fuhr, wie bei manchem Zug. Lange Jahre wurde dem Ideal der Kosteneffizienz zum Zwecke eines möglichst profitablen Börsengangs zuviel geopfert. Das rächte sich, beim Material und beim Personal. Die Pläne für Neueinstellungen in Stellwerken und in der Instandhaltung sind unabdingbare Konsequenz. Wenn dann noch die neuen ICE endlich vollständig geliefert sind, an deren Verspätung Hersteller Siemens schuld trägt, wären Weichen gestellt, hin zu einer neuen Zufriedenheit beim Bahnfahren in Deutschland.

Ärgerlich aber ist eines: Angesichts der in diesem Jahr besonders spürbaren Mängel wäre es angebracht gewesen, auf die jüngste Fahrpreiserhöhung zu verzichten. Die Bahn hätte stattdessen auf mehr Kundenbetreuung, Qualität und Pünktlichkeit setzen sollen, um so mehr Zugreisende für sich zu gewinnen.

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