Hacker-Angriff am Wochenende : Kryptowährung im Sturzflug: Wie es zur Bitcoin-Krise kam

Ein ständiges Auf und Ab: Der Bitcoin ist auf dem Finanzmarkt großen Schwankungen ausgesetzt. Foto: Ina Fassbender/dpa
Ein ständiges Auf und Ab: Der Bitcoin ist auf dem Finanzmarkt großen Schwankungen ausgesetzt. Foto: Ina Fassbender/dpa

Nach einem Allzeithoch im Dezember hat die Kryptowährung Bitcoin fast die Hälfte seines Wertes verloren. Warum?

svz.de von
11. Juni 2018, 16:53 Uhr

Hamburg/Seoul | "Rattengift zum Quadrat" ist der Bitcoin für US-Investorenlegende Warren Buffet. Der 86-Jährige hält den Hype um die Kryptowährung für eine Spekulationsblase, die zu einem "bösen Ende" führen könnte. Und Buffet könnte Recht behalten.

Das zeigt der Wochenstart. Nach Verlusten bereits in den Wochen zuvor sackte der Bitcoin als weltweit bekanntester Vertreter der Digitalwährungen weiter ab. Nach einem Hackerangriff verlor die Kryptwoährung mehr als zehn Prozent und fiel deutlich unter die Marke von 7000 Dollar. Die südkoreanische Krypto-Börse Coinrail hatte am Sonntag eingeräumt, Hacker hätten am Wochenende rund 30 Prozent der gehandelten digitalen Münzen gestohlen. Laut Medienberichten belief sich der Wert der verlorenen Coins auf rund 31 Millionen Euro.

Durch den aktuellen Kursrutsch ist der Bitcoin-Kurs seit Jahresbeginn schon um mehr als 50 Prozent abgestürzt.

 

Es herrschte Goldgräberstimmung. Im Dezember 2017 erreichte der Bitcoin-Kurs bei knapp 20.000 US-Dollar seinen vorläufigen Höhepunkt. Dann aber kannten die Kurse der Kryptowährung nur noch eine Richtung: nach unten. Bis Anfang Juni ist der Kurs um mehr als 12.000 US-Dollar gefallen.

Historie der Bitcoin-Krise

28.12.2017

Der Kurs der Kryptowährung rutsche auf der Handelsplattform Bitstamp zeitweise unter die Marke von 14.000 US-Dollar. Die Talfahrt beschleunigt sich, nachdem die südkoreanische Regierung über Maßnahmen zur Eindämmung der Spekulation mit dem Bitcoin nachgedacht hatte. Das Land wollte bei Geschäften mit Digitalwährungen auf eine Bekanntgabe der Namen der Transaktionspartner setzen. Zudem wurde über die Schließung von Kryptowährungsbörsen nachgedacht. Die Regierung begründete das mit irrationalen Auswüchsen bei der Spekulation.

11.1.2018

Strenge Regulierungsbemühungen in den Krypto-Hochburgen China und Südkorea haben den Bitcoin deutlich belastet. Auch andere Digitalwährungen wie Ether, Ripple und Litecoin gerieten nach den Berichten über ein Schürf-Verbot in China und ein mögliches Handelsverbot in Südkorea unter Druck.

Auf der Handelsplattform Bitstamp kostete ein Bitcoin rund 13.800 US-Dollar, kurz zuvor wurde die Kryptowährung dort noch mit knapp 15.000 Dollar gehandelt. In kürzester Zeit hatte die Kryptowährung um bis zu 11 Prozent nachgegeben, zuletzt waren es minus 4,5 Prozent. Die derzeit zweitwichtigste Kryptowährung Ether verlor in der Spitze 9 Prozent. Ripple und Litecoin sackten um bis zu 19 beziehungsweise bis zu 10 Prozent ab.

16.1.2018

Der nächste schwere Kurseinbruch: Zeitweise bricht der Kurs des Bitcoin um bis zu 20 Prozent ein und wurde auf wichtigen Handelsplattformen deutlich unter 12.000 US-Dollar gehandelt. In der Nacht zuvor wurde der Bitcoin noch bei etwa 14.000 Dollar gehandelt. Starke Verluste gab es auch bei anderen Kryptowährungen wie Ether oder Ripple.

Seit dem Rekordhoch von Mitte Dezember, als der Bitcoin nach einem rasanten Höhenflug zeitweise bis an die Marke von 20.000 Dollar gestiegen war, hatte die Digitalwährung bereits Mitte Januar etwa 40 Prozent an Wert verloren. Nach Einschätzung von Experten waren die Bitcoin-Investoren "spürbar verunsichert". Zu sehr hätten eine Reihe von Negativschlagzeilen auf den Kryptowährungen gelastet.

17.1.2018

Die Talfahrt gehtweiter. Der Bitcoin-Kurs fällt auf wichtigen Handelsplattformen wie Bitfinex unter 10.000 US-Dollar. Innerhalb einer Woche verliert der Bitcoin mehr als ein Viertel seines Wertes.

Gegenüber dem Rekordhoch von Mitte Dezember bei knapp 20.000 Dollar hat sich der Wert sogar halbiert. Auch die Kurse vieler anderer Kryptowährungen stürzen ab, darunter die Bitcoin-Alternativen Ether und Ripple. Experten rätseln, ob sich die Digitalwährungen von ihrem Absturz noch einmal erholen oder ob die von vielen diagnostizierte Blase nun endgültig platzt.

Trotz des rasanten Kurssturzes war der Wert des Bitcoins im längerfristigen Vergleich noch immer recht hoch. Denn bislang wurden lediglich ebenso rasant entstandene Gewinne seit Anfang Dezember abgegeben, als die Bitcoin-Rally bislang unbekannte Ausmaße annahm. Noch vor einem Jahr hatte der Kurs unter 1000 Dollar gelegen – also bei ein einem Zehntel des jetzigen Werts.

26.1.2018

Die Kurse zahlreicher Kryptowährungen sind unter Druck geraten. Zuvor hatte eine der größten Handelsplattformen in Japan Abhebungen von Kundengeldern gestoppt. Die Krypto-Börse Coincheck gab über Twitter bekannt, alle Abhebungen von Kundengeldern sowie den Handel mit allen Kryptowährungen außer Bitcoins gestoppt zu haben.

Zudem würden keine Investitionen in die Kryptowährung NEM mehr angenommen, hieß es weiter. NEM ist laut der Internetseite Coinmarketcap gemessen am Marktwert die zehntgrößte Kryptowährung der Welt. Ihr Kurs gab am Freitag um über 15 Prozent nach. Auch andere "digitale Münzen" wurden mit nach unten gerissen.

Die älteste und bekannteste Digitalwährung Bitcoin verlor auf der Handelsplattform Bitstamp über sieben Prozent an Wert und lag bei 10.263 Dollar.

2.2.2018

Die Verluste werden immer immer größer. Der Kurs des Bitcoin auf führenden Handelsplattformen brach um etwa 15 Prozent ein und rutschte zeitweise deutlich unter die Marke von 8000 US-Dollar. Allerdings gab es weiter extreme Kursausschläge. Im weiteren Tagesverlauf stieg der Bitcoin zuletzt wieder über die Marke von 8000 Dollar.

Auf der Handelsplattform Bitstamp erreichte der Kurs zwischenzeitlich bei 7625 Dollar den tiefsten Stand seit dem vergangenen November. Seit Wochenbeginn war der Wert des Bitcoin in der Spitze um etwa ein Drittel eingebrochen.

Zuletzt war der Kurs auch an die sogenannte 200-Tage-Linie gefallen. Diese Marke spielt in der Charttechnik eine wichtige Rolle und zeigt den langfristigen Trend eines Kurses. Sollte die Digitalwährung die Marke nicht halten können, rechnen Experten mit weiteren Kursverlusten.

5.2.2018

Die umstrittene Kryptowährung Bitcoin hat weiter nachgegeben und ist unter die Marke von 7000 US-Dollar gerutscht. Im Nachmittagshandel fiel der Kurs der ältesten Digitalwährung auf der großen Handelsplattform Bitstamp bis auf 6979 US-Dollar. Das waren etwa 15 Prozent weniger als am Tag zuvor. Andere virtuelle Währungen, von denen es mittlerweile rund 1500 gibt, gerieten teilweise noch stärker unter Druck.

Schlechte Nachrichten für den Bitcoin-Handel kamen auch aus Thailand. Dort wurde es Banken und sonstigen Finanzinstitutionen verboten, Geschäfte mit Digitalwährungen abzuwicklen.

Den Banken soll es auch verboten sein, Digitalwährungen in herkömmliche Währungen zu tauschen oder Handelsplattformen anzubieten. Darüber hinaus dürfen keine Kreditkarten mehr für den Kauf von Digitalwährungen verwendet werden oder Kunden beim Kauf von und Handel mit Digitaldevisen beraten werden.

Als Grund für das umfangreiche Verbot gibt die Zentralbank an, sie sei besorgt wegen möglicher Probleme und möglichen Betrugs mit Kryptowährungen. So könnten die neuartigen virtuellen Währungen zur Geldwäsche oder zur Unterstützung von Terrorismus verwendet werden.

15.2.2018

Guter Tag für Kryptowährungen: Der Bitcoin ist erstmals seit zwei Wochen wieder über 10.000 US-Dollar gestiegen. Der Kurs der wichtigsten Digitalwährung kletterte auf der Handelsplattform Bitstamp um 8,7 Prozent auf 10.097 US-Dollar. Er setzte damit seine jüngste Erholung fort. Am 6. Februar war er noch zeitweise unter 6000 Dollar gefallen. Seither hat der Bitcoin um fast 70 Prozent zugelegt.

Ein Regierungsvertreter Südkoreas hatte trotz eines harten Vorgehens des Landes gegen Cyber-Devisen ein grundsätzliches Verbot ausgeschlossen. Man werde sich darauf konzentrieren, den Handel mit Kryptowährungen transparenter zu machen, anstatt ihn gänzlich zu ächten, sagte der für die Koordination der Regierungspolitik zuständige Minister Hong Nam-Ki. Außer dem Bitcoin legten auch andere Digitalwährungen zu.

9.3.2018

Der Bitcoin fiel auf führenden Handelsplattformen wie Bitstamp unter 9000 US-Dollar. Allein in dieser Woche hatte die Kryptowährung damit gut ein Viertel seines Werts verloren.

Ein hartes Vorgehen von Behörden in Japan und den USA gegen Kryptobörsen sorgten für einen Abwärtssog. Japanische Finanzaufseher wiesen zwei Handelsplätze an, für einen Monat den Betrieb einzustellen. Weitere Börsen belegten sie mit Strafen. Zudem forderten sie die große Kryptobörse Coincheck auf, ihr Vorgehen gegen Geldwäsche zu verschärfen. Ferner musste die Handelsplattform Binance wegen eines Hackerangriffs zeitweise den Handel einstellen.

Außerdem nahm die US-Börsenaufsicht SEC Kryptobörsen an die kurze Leine. Um Investoren zu schützen und Betrug sowie Manipulationen zu vermeiden, müssten Kryptobörsen künftig unter bestimmten Umständen eine Registrierung bei der SEC oder eine genehmigte Ausnahme einholen, hieß es. Vor allem "Initial Coin Offerings" dürften darunter fallen. Bei diesen "digitalen Börsengängen" sammeln Firmen Geld bei Investoren ein, die meist in Kryptowährungen zahlen.

15.3.2018

Der Bitcoin verliert stark an Wert. Im frühen Handel notierte die Digitalwährung auf wichtigen Handelsplattformen deutlich unter der Marke von 8000 US-Dollar. Auf der Handelsplattform Bitstamp rutschte der Kurs zeitweise bis auf 7682 Dollar ab.

21.3.2018

Der Bitcoin-Kurs zieht wieder an und steigt über die Marke von 9000 US-Dollar. Marktbeobachter erklärten die jüngste Kurserholung mit dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs führender Industrie- und Schwellenländer (G20). Diese hatten in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires zwar erklärt, dass sie Kryptowährungen wie den Bitcoin aufmerksam beobachten werden. Konkrete Maßnahmen zur Regulierung wurden auf dem Treffen aber nicht beschlossen.

Gründe für die Bitcoin-Krise

Die Historie zeigt: Sicherheitsprobleme und zunehmede Regulierung gefährden den Handel mit Bitcoins und lassen den Kurs regelmäßig einbrechen. Möglicherweise hat die Bitcoin-Krise auch noch einen weiteren Grund. So seien Bitcoin, die als erstes in den Markt einstiegen, schon nicht mehr aktiv und überließen das Feld den Spekulanten. Das könnte für stärkere Schwankungen sorgen, weil Spekulanten meist auf eines aus sind: schnelle Gewinne.

Notenbanker warnen bereits seit längerem vor der Unberechenbarkeit der Geldanlage. "Der Bitcoin ist mangels Kontrolle kein seriöses Anlageinstrument", sagt etwa Commerzbank-Privatkundenvorstand Michael Mandel.

Und auch Warren Buffet sieht das so: Kryptowährungen seien ein "unproduktives" Vermögen, das keine Werte schaffe und "Scharlatane" anziehe. Der Bitcoin-Kauf folge der Theorie des größeren Dummkopfs – es gehe allein darum, jemanden zu finden, der noch mehr dafür zahle. "Die Leute mögen es, zu zocken."

(Mit dpa)

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