500 Flugausfälle am Sonntag : Warnstreiks bei Lufthansa-Töchtern: 300 Abflüge gefährdet

Der Ufo-Warnstreik betrifft vier Tochtergesellschaften des Lufthansa-Konzerns.
Der Ufo-Warnstreik betrifft vier Tochtergesellschaften des Lufthansa-Konzerns.

Die Kabinengewerkschaft Ufo kündigt für Sonntag einen Warnstreik bei vier Fluggesellschaften des Lufthansa-Konzerns an.

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18. Oktober 2019, 16:20 Uhr

Frankfurt/Main | Die Kabinengewerkschaft Ufo hat ihren für Sonntagmorgen angekündigten Warnstreik bei der Lufthansa-Kerngesellschaft kurzfristig abgesagt. Das hat die Tarifkommission entschieden, nachdem die Lufthansa freiwillige Gehaltserhöhungen von zwei Prozent für diese Berufsgruppe angekündigt hat. Der Konzern hatte außerdem angekündigt, mit Ersatzcrews Flugausfälle bei der Lufthansa zu verhindern.

Streiks bei Lufthansa-Töchtern

Der erst am Freitagnachmittag nachgeschobene Streikaufruf für vier weitere deutsche Flugbetriebe des Konzerns bleibt nach den Worten des Ufo-Sprechers Nicoley Baublies aber bestehen. Nun sollen am Sonntag zwischen 5 und 11 Uhr bundesweit sämtliche Starts der Töchter Eurowings, Germanwings, Lufthansa Cityline und SunExpress bestreikt werden, wie die Gewerkschaft mitteilte.

Mit dieser Drohung sind immer noch mehr als 300 Abflüge im Streikzeitraum gefährdet. Zehntausende Passagiere müssen weiterhin um ihre Verbindungen bangen. Betroffen sind nun Eurowings-Basen wie Düsseldorf, Stuttgart oder Berlin. An den Lufthansa-Drehkreuzen München und Frankfurt sind nun keine Streiks mehr geplant.

Mögliche Flugausfälle in Hamburg

Auch der Hamburger Flughafen wird möglicherweise betroffen sein. Während der Streikzeit würden laut Flugplan 19 Maschinen der betroffenen Gesellschaften Eurowings und SunExpress starten, teilte eine Sprecherin mit. Im gleichen Zeitraum stehen acht Ankünfte auf dem Flugplan.

Wie viele Flüge tatsächlich ausfallen werden, ist jedoch nicht absehbar. Das hängt davon ab, wie stark die Gewerkschaft Ufo ihre Mitglieder mobilisieren kann und wie gut es den Fluggesellschaften gelingt, Ersatz für streikendes Personal zu organisieren. Intern hatte die Lufthansa nach Flugbegleitern gesucht, die am Sonntag freiwillig arbeiten. Zu Einzelheiten wollte sich das Unternehmen aber nicht äußern. Die Fluggäste sind aufgefordert, sich über den Status ihrer Flüge zu informieren. Sofern sie ihre Kontaktdaten hinterlegt haben, werden sie direkt informiert.

Vorgehen bei der Streikdrohungen

Die Ufo warnte das Unternehmen davor, für die Streikzeit Listen über Krankmeldungen zu führen, weil dies gegen den Datenschutz verstoße und strafbar sei. Ihren Mitgliedern rät die Gewerkschaft, bereits ab dem ersten Tag der Erkrankung ein ärztliches Attest bereitzuhalten.

In der Vergangenheit hatte Lufthansa bei Streikdrohungen der Piloten oder Flugbegleiter von sich aus viele Flüge abgesagt und einen Not-Flugplan erstellt. Zum eigentlich angekündigten Streik musste es dann wegen der Flugstreichungen gar nicht mehr kommen. Die Lufthansa-Flugbegleiter hatten zuletzt im November 2015 gestreikt.

Wegen des Warnstreik-Aufrufs müssen Passagiere am Sonntag mit Einschränkungen rechnen.

Welche Flüge sind genau betroffen?

Aktuelle Informationen zum Streik bietet die Lufthansa auf ihrer Webseite.

Müssen Reisen umgebucht werden?

Auf eine Umbuchung haben Passagiere laut der Fluggastrechte-Verordnung der EU einen Anspruch. Möglich ist auch, dass Passagiere auf andere Transportmittel gebucht werden, wenn das Ziel per Bus oder Bahn erreichbar ist.

Steht Betroffenen bei Flugausfällen eine Entschädigung zu?

Ob Fluggästen bei einem Streik eine Entschädigung für Flugausfälle zusteht, ist juristisch umstritten. Der Bundesgerichtshof (BGH) befand 2012, dass ein Pilotenstreik ein außergewöhnlicher Umstand war. Die Folge: Die von Verspätungen und Annullierungen betroffenen Passagiere bekamen keine Entschädigung (Az.: X ZR 138/11; X ZR 146/11). Allerdings muss die Airline alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um die Folgen des Ausstands zu minimieren.

Zudem hat der Europäische Gerichtshof inzwischen entschieden, dass sich eine Fluggesellschaft bei einem wilden Streik nicht ohne weiteres auf außergewöhnliche Umstände berufen kann (Az.: X ZR 111/17). Ob das übertragbar auf reguläre Streiks ist, muss juristisch noch geklärt werden.

Die Verbraucherzentralen raten daher: Wer vorsorglich Entschädigung beantragt, hat im Fall einer für Verbraucher positiven Entscheidung dieser Frage eine gute Ausgangslage, Geld zu bekommen.

Welche Regeln gelten für Pauschalurlauber?

Bei Pauschalreisen gilt: Der Reiseveranstalter muss sich um eine alternative Beförderung kümmern. Ab einer Verspätung von mehr als vier Stunden am Ankunftsort können Urlauber den Reisepreis nachträglich anteilig mindern. Verkürzt sich ein Kurzurlaub durch den Streik erheblich, kann der Gast die Reise auch stornieren. Er bekommt dann den Reisepreis zurück.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 65.000 Schüler und Lehrer allein in unserem Verbreitungsgebiet erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
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