Tesla und die Lügenpresse : Elon Musks Mama nimmt US-Medien ins Visier und verbreitet Verschwörungstheorien

Maye Musk wünscht sich mehr positive Schlagzeilen über Tesla.
Maye Musk wünscht sich mehr positive Schlagzeilen über Tesla.

Maye Musk ärgert sich über schlechte Presse für das Unternehmen ihres Sohnes und schaltet auf Gegenwehr.

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16. Oktober 2018, 12:55 Uhr

New York | Sie ist die Mutter von Erfinder und Tesla-Gründer Elon Musk – auf Twitter ähnlich aktiv und voll und ganz überzeugt von den Visionen ihres Sohnes. Anfang Oktober platzte Maye Musk auf Twitter der Kragen.

Anlass war ein Artikel, der rund 850 Schlagzeilen zum Elektroautobauer Tesla ausgewertet hatte. Demnach waren mehr als 560 Artikeltitel negativ formuliert, rund 120 positiv und der Rest neutral. "Seit zehn Jahren wird mir geraten, negative Schlagzeilen zu ignorieren. Das war hart, aber jetzt habe ich genug! Die Medien können nun anfangen mich zu hassen. Die saubere Energiegewinnung wird siegen. #TeiltdenHass #Wahrheit #Tesla"

Seitdem beschwert sich Maye auf Twitter regelmäßig über negative Berichte über Tesla und stellt die positiven lobend heraus. Zudem spart sie nicht mit Unterstellungen: "Werden die anderen Medien bezahlt, gute Nachrichten zu ignorieren, oder sind sie einfach nur langsam?" Einzelne Journalisten, die ihrer Ansicht nach durchweg negative Schlagzeilen zu Tesla schreiben, nennt sie namentlich.

Als ihr ein Journalist auf Twitter antwortet, er würde nicht "positiv" oder "negativ" titeln, sondern die Nachrichten akkurat wiedergeben, wirft Musk ihm vor, teils falsch zu berichten.

Was bedeutet #Pravduh?

Pravda ist russisch für "Wahrheit". Elon Musk selbst brachte den Begriff ins Spiel. Im Mai schrieb er auf Twitter, er überlege, eine Website zu erstellen, auf der die Öffentlichkeit über den Wahrheitsgehalt von Artikeln abstimmen und auf einer Skala die Glaubwürdigkeit der Autoren und Publikationen bewerten kann. "Ich denke, ich nenne sie Pravda...", schrieb Musk und schob eine Twitter-Umfrage hinterher. 88 Prozent von rund 680.000 Teilnehmern befürworteten demnach seine Idee (zwölf Prozent meinten "Nein, die Medien sind großartig").

Als Sammelbegriff verwenden Tesla-Fans "#Pravda" beziehungsweise "Pravduh about Tesla" nun immer wieder, wenn sie Bezug auf die Berichterstattung über Tesla nehmen.

Was ist Clean Technica?

Auffällig oft bezieht sich Maye Musk bei ihren Beschwerden über negative Berichterstattung auf Daten von "CleanTechnica". Das Portal beschreibt sich selbst als "Nummer eins der auf saubere Energiegewinnung ausgelegten Website der USA und der Welt". Man wolle Leser inspirieren und "furchtbare Berichte in den Massenmedien" korrigieren.

Die Objektivität der Autoren ist dabei jedoch aus mehreren Gründen fraglich: Der Betreiber von "CleanTechnica" gilt als Bewunderer von Elon Musk und hat nach eigenen Angaben langfristig in das Unternehmen Tesla investiert. Weitere Autoren der Seite geben in ihren Profilen an, regelrecht "Tesla-besessen" zu sein. Die Themen der Artikel auf cleantechnica.com reichen von Autorezensionen bis zu Neuheiten aus den Branchen der erneuerbaren Energie. Neuigkeiten zu Tesla gibt es in einem gesonderten Ressort.

Gibt es nur schlechte Presse über Tesla?

Tatsächlich war Tesla monatelang in den Schlagzeilen, weil die Produktion des neuen Model 3 Probleme machte. Es kam zu Verzögerungen und fatalen Personalabgängen. Dazu kommen Skandal-Auftritte von Elon Musk persönlich, etwa als er vor laufender Kamera einen Joint rauchte, oder als er einen Rettungstaucher im Höhlendrama von Thailand als pädophil bezeichnete. Diese vermeintlichen Banalitäten sorgten für Kursrutsche an der Börse.

Anfang Oktober dann die erfreuliche Nachricht: Tesla hat im vergangenen Quartal 53.239 Model-3-Fahrzeuge gebaut, etwa doppelt so viele wie im Quartal zuvor. Zusammen mit den anderen Modellen S und X lieferte Tesla demnach von Juli bis September rund 80.000 Wagen an Kunden aus – mehr Autos als die deutschen Traditionsmarken BMW, Mercedes und Audi in den USA in dem Zeitraum verkauften.

In der Folge entstanden mehrere Berichte mit positiven Schlagzeilen, die Maye Musk – dankend – verbreitete.

Wer ist die Mutter von Elon Musk?

Maye Musk ist 70 Jahre alt, Model und Ernährungsberaterin, Mutter von drei Kindern, Großmutter von zehn Enkelkindern . Sie stammt aus Kanada und ist in Südafrika aufgewachsen.

Auf Twitter ist sie oft unterwegs als #ProudMum (stolze Mutter): Sie retweetet Posts ihrer Kinder – Unternehmer Elon und Kimbal sowie Filmemacherin Tosca – oder von glücklichen Tesla-Autokäufern, propagiert für mehr Waffenkontrolle, Umweltschutz und gesunde Ernährung. Oft betont sie, als Großmutter wolle sie eigentlich nur, dass ihre Kinder und Enkel frische Luft atmen können. Tesla leistet dazu ihrer Ansicht nach einen entscheidenden Beitrag. Ihr Lieblingshashtag: #CleanEnergyWillWin.

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