Traditionssegler der Marine : Bremer Lürssen-Werft übernimmt schwierige "Gorch Fock"-Sanierung

Marinesoldaten schauen sich auf dem Gelände der Fassmer-Werft das teilsanierte Marineschulschiff 'Gorch Fock' an.
Marinesoldaten schauen sich auf dem Gelände der Fassmer-Werft das teilsanierte Marineschulschiff "Gorch Fock" an.

Die Sanierung der "Gorch Fock" kann fortgesetzt werden.

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29. Oktober 2019, 13:48 Uhr

Kiel/Bremen/Berne | Für eine halbe Seemeile hat das Marineschulschiff "Gorch Fock" am Mittwoch wieder Wasser unter dem Kiel gehabt. Der Rumpf des Traditionsseglers wurde in Berne an der Unterweser von der Fassmer-Werft zu einem Gelände der Lürssen-Werft geschleppt. Der erfahrene Marineschiffbauer Lürssen übernahm damit die Verpflichtung, die teure Sanierung der "Gorch Fock" bis Herbst 2020 zu einem guten Ende zu bringen. "Das ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung", sagte Kapitän Nils Brandt, bevor er für die etwa 900 Meter lange Fahrt weserabwärts an Bord ging


Sanierung der "Gorch Fock" kann fortgesetzt werden

Mit der kurzen Schleppfahrt übernahm Lürssen endgültig die insolvente Elsflether Werft, die den Generalauftrag zur Sanierung der "Gorch Fock" hatte. Am Mittwoch habe auch der Gläubigerausschuss der Elsflether Werft die Übertragung des Betriebs gebilligt, sagte der Generalbevollmächtigte Tobias Brinkmann: "Wir freuen uns, dass wir einen ganz starken Gesellschafter bekommen haben." Zustimmung zu dem Geschäft kam auch aus dem Verteidigungsministerium, für das Lürssen derzeit federführend fünf neue Korvetten baut.

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Kostenexplosion von 10 auf 135 Millionen Euro

Seit Ende 2015 hat die "Gorch Fock" die meiste Zeit auf dem Trockenen verbracht. In der Zeit hat sich die Generalüberholung des Dreimasters zu einem Debakel für die Marine und die Elsflether Werft entwickelt. Weil das Schiff maroder war als gedacht, liefen die Kosten von geplant 10 Millionen Euro auf 135 Millionen Euro davon. Zeitweise stand sogar ein Abwracken der "Gorch Fock" im Raum.

Außerdem steckte die frühere Führung der Elsflether Werft Millionen Euro in dubiose Nebengeschäfte. Erst als eine neue Leitung kam und die Insolvenz einleitete, fasste die frühere Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wieder so viel Vertrauen, den Bau fortzusetzen. Die Deutsche Marine will von der 61 Jahre alten Bark nicht lassen, auf der sie ihre Offiziersanwärter ausbildet.

Ersatz für die "Gorch Fock"

Die "Alexander von Humboldt II"

Der Offiziersnachwuchs der Marine soll 2020 seine seemännische Ausbildung auf der "Alexander von Humboldt II" erhalten. Es seien fünf zweiwöchige Ausbildungsfahrten geplant, sagte Kapitän zur See Johannes Dumrese kürzlich. Insgesamt werden rund 200 Kadetten auf dem Schiff ausgebildet. Geplant sind drei Törns in der Nähe der Kanarischen Inseln und zwei weitere auf der Rückfahrt des Schiffs nach Bremerhaven.
Bereits Ende November soll auf den Kanaren die aus etwa 35 Personen bestehende Stammbesatzung der Gorch Fock an Bord der 66 Meter langen "Alexander von Humboldt II" gehen.


Die Lürssen-Gruppe nannte den Kauf der Elsflether Werft eine "Ergänzung zu unserem Reparatur-Portfolio kleinerer Marineeinheiten". Für einen offiziell nicht bestätigten Preis von 3,57 Millionen Euro wurden 130 Mitarbeiter und das Anlagevermögen in Elsfleth übernommen.

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Das Werftgelände verbleibt dagegen bei der Elsflether Werft AG – ebenso wie der Schuldenberg und die Aufgabe, Geld für die Gläubiger aufzutreiben. Derzeit seien Ansprüche von mehr als 50 Millionen Euro angemeldet, sagte Brinkmann. Diese müssten aber noch geprüft werden. Werftvorstand Axel Birk rechnete damit, dass die Suche nach dem verschwundenen Geld noch bis Frühsommer 2020 dauern werde.

Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt

Nach den Millionen sucht auch die Staatsanwaltschaft Osnabrück. Sie ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen die zwei Ex-Vorstände der Elsflether Werft. Außerdem läuft ein Verfahren gegen einen zivilen Mitarbeiter der Marine wegen Korruption. Es gebe weitere Beschuldigte, zu denen aber aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben gemacht würden, sagte Staatsanwalt Christian Bagung.

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