Insolventer Touristik-Konzern : Thomas-Cook-Pleite: Was Reisende jetzt wissen sollten

Thomas-Cook-Passagiere an einem Flughafenschalter.
Thomas-Cook-Passagiere an einem Flughafenschalter.

Kunden, die ihre nicht Reise antreten können, haben Anspruch auf Schadenersatz. Das sollten Reisende jetzt tun.

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25. September 2019, 16:22 Uhr

Berlin | Jetzt ist es klar: Nach der Pleite des britischen Reiseunternehmens Thomas Cook haben auch die deutschen Töchter Insolvenz angemeldet. Damit endet für Betroffene eine Hängepartie. "Die rechtliche Situation ist damit eigentlich klar", sagt Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Krise.

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An wen sollten sich Reisende wenden?

An den Versicherer Zurich. Der kümmert sich laut dem Reiseverband DRV um betroffene Pauschalurlauber. "Jetzt, wo Thomas Cook Deutschland Insolvenz angemeldet hat, springt der Insolvenzversicherer Zurich ein", sagte DRV-Präsident Jörg Fiebig. Das Unternehmen habe angekündigt, die Kosten sowohl für die Hotels auch für die Rückflüge zu übernehmen. Hotels hätten daher keinen Grund, Pauschalreisende aus Angst vor Zahlungsschwierigkeiten des Reiseveranstalters zur Kasse zu bitten.

Der Reiseverband DRV betonte, betroffene Pauschalreisende könnten "ihren Urlaub regulär zu Ende bringen und plangemäß nach Hause fliegen". Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte, die deutschen Auslandsvertretungen stünden "Gewehr bei Fuß", um möglicherweise gestrandeten Urlaubern zu helfen.

Zurich sichert nach eigenen Angaben "im Rahmen der gesetzlichen und vertraglichen Verpflichtungen die Übernahme der Kosten für die Beherbergung der Reisenden im Zielgebiet. Entsprechendes gilt auch für die Rückreise."

Für die Abwicklung von Ansprüchen hat die Versicherung die Kaera AG beauftragt. (Telefonnummer: 06172 99761123, Website: www.kaera-ag.de) Über die Webseite kann direkt eine Schadensmeldung abgegeben werden.

Gibt es einen Haken?

Ja, leider. Die Insolvenzversicherung springt nur für Kunden ein, die Pauschalreisen gebucht haben. Eine Pauschalreise besteht aus mindestens zwei Reisearten, also zum Beispiel Flug und Unterkunft. Einzelleistungen wie nur ein Flug oder nur die Übernachtungen in einem Hotel sind nicht versichert. "Hier gehen Reisende leer aus", so Degott.

Bekommen Kunden ihr Geld zurück?

Eigentlich ja. Wichtigste Aufgabe: Suchen Sie den Sicherungsschein! Darin stehen alle Einzelheiten zu dem nun eingetroffenen Sonderfall. Verbraucherschützer zweifeln aber daran, dass alle Urlauber nach der Pleite komplett abgesichert sind. Ob die verpflichtende Versicherung von 110 Millionen Euro pro Jahr bei der Insolvenz eines Branchenschwergewichts ausreiche, sei nicht klar, teilte der Verbraucherzentrale Bundesverband am Montag mit.

Ein Sprecher des Justizministeriums sagte: "Wenn ein Schadensfall eintritt, der größer ist, ist er zumindest nicht pflichtabgesichert." Unter Umständen seien daher nicht alle Urlauber geschützt. Ob Thomas Cook über die Pflichtsumme hinaus versichert ist, ist allerdings nicht bekannt. Auch über die Höhe des Schadens wird derzeit nur spekuliert.

Bleibe ich auf dem Verlust eines abgebrochenen Urlaubs sitzen?

Auch hier tritt ein Versicherungsfall ein. Wer zehn Tage Pauschalurlaub gebucht hat, aber nun bereits nach fünf Tagen wieder nach Hause zurückkehrt, bekommt die Hälfte der Kosten erstattet. Maßstab ist immer der gesamte Reisepreis, sagt Felix Methmann vom Bundesverband der Verbraucherzentrale (vzbv). Urlauber sollten sich nicht damit vertrösten lassen, dass ja die Hin- und Rückflüge übernommen worden seien und deshalb nur die Hälfte der Hoteltage erstattet wird. Das ist nicht zutreffend.

Was ist, wenn mein Urlaub erst in ein paar Tagen startet?

"Wer jetzt kurz vor der Abreise steht, kann seine Koffer eigentlich wieder auspacken", erklärt Degott. Denn die Reise werde nicht wie geplant stattfinden können. Stattdessen sollten Betroffene ihre Ansprüche jetzt bei dem Abwickler – der Kaera AG – anmelden.

Gibt es Anspruch auf Schadenersatz?

Das ist unter Experten umstritten. Urlaubern, die ihre Reise am Montag oder am Dienstag nicht antreten konnten, steht Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden zu, erklärte Reiserechtlerin Sabine Fischer-Volk aus Berlin.

Nach Ansicht von Paul Degott gibt es aber nicht automatisch Schadenersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit. "Ich glaube, das ist an dieser Stelle nicht vorgesehen." Entstandene Zusatzkosten könnten allerdings seiner Ansicht nach möglicherweise bei der zuständigen Insolvenzversicherung geltend gemacht werden.

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