Umweltfreundliche Verpackungen : Supermärkte machen weiter auf öko: Rewe will Plastikgeschirr verbannen

Aus den Regalen verbannt wird in Zukunft Plastikgeschirr. Foto: imago/Jochen Tack
Aus den Regalen verbannt wird in Zukunft Plastikgeschirr. Foto: imago/Jochen Tack

Der Handel kämpft weiter gegen Verpackungsmüll. Als nächstes geht es Plastikgeschirr an den Kragen.

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11. September 2018, 10:44 Uhr

Hamburg | Der Einzelhandelskonzern Rewe will Einweggeschirr aus Kunststoff ganz aus einen Regalen verbannen. Bis zum Jahr 2020 solle der Verkauf von Besteck, Tellern und Bechern aus Einwegplastik in allen etwa 6000 Rewe-, Penny- und Toom-Märkten gestoppt werden, sagte der Vorstandsvorsitzende der Rewe-Gruppe, Lionel Souque, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstag). Im Juli hatte Rewe bereits ankündigt, auf den Verkauf von Einweg-Trinkhalmen aus Plastik verzichten.

Alternativen aus Graspapier oder Palmblatt

Souque begründete den Schritt mit der Kurzlebigkeit von Einwegartikeln: "Sie werden nur einmal für etwa 20 Minuten verwendet und landen dann im Müll oder schlimmstenfalls in der Natur." Rewe forsche derzeit nach Alternativen, zum Beispiel aus Graspapier oder Palmblatt. Auch der Discounter Lidl hatte im Juli angekündigt, bis Ende 2019 Einweg-Plastikartikel wie Besteck und Trinkhalme aus dem Sortiment zu nehmen.

"Plastik derzeit in aller Munde"

Bis 2030 will Rewe sämtliche Eigenmarkenprodukte in umweltfreundlichen Verpackungen anbieten, fügt Souque an und kommt zu folgendem Schluss: "Das Thema Plastik ist derzeit in aller Munde und das zu Recht." Damit hat er recht, denn die Menschheit produziert riesige Mengen an Plastik. Einmal gebraucht, landen die meisten Verpackungen im Müll – und gelangen viel zu oft in die Weltmeere. Doch wie Forscher zeigen, gibt es einen beunruhigenden Kreislauf: Mikroplastik schafft es von dort zurück in die Haushalte – und sogar auf den Speiseplan. Das sogenannte Mikroplastik lässt sich weltweit in Meersalzen finden, wie verschiedene Studien zeigen.

Wie Mikroplastik ins Meer gelangt. Grafik: dpa
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Wie Mikroplastik ins Meer gelangt. Grafik: dpa

Souque meinte mit dem Satz aber offenkundig, dass den Händlern mittlerweile bewusst sei, dass ein Teil der Verantwortung für eine saubere Umwelt bei ihnen liege.

Supermärkte und Discounter im Gleichschritt

Ganz uneigennützig sind Rewe, Lidl und Co. jedoch nicht: Rewe folgt damit dem Vorbild anderer Märkte. Die Gruppe hatte Anfang Juli außerdem bereits angekündigt, bald keine Plastikhalme mehr zu verkaufen. Der Wegwerfartikel soll bis Ende des Jahres ausgelistet werden. Lidl und Kaufland wollen bis Ende 2019 nicht nur Plastikhalme, sondern alle Einwegplastikartikel wie Becher, Teller, Besteck und Wattestäbchen aus den Regalen verbannen.

Der Verbleib allen hergestellten Plastiks zwischen 1950 und 2015. Grafik: dpa
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Der Verbleib allen hergestellten Plastiks zwischen 1950 und 2015. Grafik: dpa

Die Märkte kommen mit ihren Initiativen gesetzlichen Regelungen zuvor. Die EU-Kommission hatte Ende Mai ihre Strategie gegen Plastikmüll in den Meeren vorgestellt und ein Verbot von Trinkhalmen und Einweggeschirr angekündigt. Die entsprechende EU-Richtlinie muss vom EU-Parlament und vom Europäischen Rat noch angenommen werden. Die Kommission möchte noch vor der Europawahl im Mai 2019 greifbare Ergebnisse präsentieren.

Tierwohl-Label bei Discountern

Beim Tierwohl-Label mischt Rewe noch nicht mit. Vorreiter ist hier der Discounter Lidl. Bereits Anfang April hatte Lidl die Einführung einer Fleisch-Ampel angekündigt. Das neue Label mache den Kunden deutlich, dass sie "Geflügelfleisch von Betrieben kaufen, die mehr für ihre Tiere tun als vom Gesetzgeber vorgeschrieben“, teilte Initiative-Geschäftsführer Alexander Hinrichs unserer Redaktion damals mit. Die teilnehmenden 2200 Betriebe lassen den Tieren mehr Platz oder bieten Beschäftigungsmöglichkeiten. Aldi, Netto, Penny und Kaufland zogen schnell nach. Nur die großen Supermarktketten Edeka und Rewe machen bisher bei der Kennzeichnung nicht mit.

Doch dabei soll es nicht bleiben. Nach den Discountern will auch die Supermarktkette Rewe noch in diesem Jahr bei sämtlichen Eigenmarken aus den Selbstbedienungsbereichen Frischfleisch und Geflügel eine Haltungskennzeichnung einführen, wie ein Firmensprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. Sogar an den Frischfleischtheken soll über die Umstände der Aufzucht informiert werden. Allerdings könne dies wegen der damit verbundenen Schwierigkeiten noch ein Weilchen dauern.

Laser-Gravur bei Edeka

Ein weiterer Schritt in der Offensive des Handels gegen Abfall: Wurden Bioprodukte früher oft in Plastik verpackt, um sie besser von den preisgünstigeren "normalen" Produkten unterscheiden zu können, so werden heute Avocados, Kiwis, Süßkartoffeln oder Gurken aus Bio-Produktion bei Edeka und Rewe immer öfter mit einer Laser-Gravur gekennzeichnet. Dieses Laser-Tattoo habe keinerlei Auswirkungen auf Geschmack und Haltbarkeit, betonen die Unternehmen. Bananen werden inzwischen bei Rewe und Penny nur noch unverpackt verkauft. Die Produktinformationen stehen auf Klebebanderolen oder -etiketten. Edeka gibt in einem Pilotmarkt im schleswig-holsteinischen Büsum Kunden die Möglichkeit, frische Lebensmittel an der Fleisch- und Wursttheke mit einer Mehrwegdose einzukaufen.

Verpackungsgesetz tritt 2019 in Kraft

Auch des neue Verpackungsgesetz, das Anfang 2019 in Kraft tritt, dürfte den Kurswechsel der Händler beschleunigt haben. Es schreibt steigende Recyclingquoten vor und soll dafür sorgen, dass schlecht wiederverwertbare Verpackungen für die Hersteller teuer werden als recyclingfreundliche Designs.

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