Fahrverbote in deutschen Großstädten : Von Stuttgart bis Berlin: Wo Diesel-Autos nicht mehr fahren dürfen

Die Stresemannstraße in Hamburg ist ausschließlich für Lkw gesperrt, die nicht der Abgasnorm Euro 4 entsprechen.
Die Stresemannstraße in Hamburg ist ausschließlich für Lkw gesperrt, die nicht der Abgasnorm Euro 4 entsprechen.

Berlin ist die vierte Großstadt mit Fahrverboten für Dieselautos. Wo es solche bereits gibt, zeigen unsere Karten.

svz.de von
09. Oktober 2018, 13:14 Uhr

Hamburg/Berlin | Die Luft in Deutschlands Großstädten wird durch eine zu hohe Belastung an Stickstoffdioxid verseucht. Deshalb drohen Fahrverbote für Diesel-Autos, die nicht der Euronorm 5 entsprechen. In den drei Großstädten Hamburg, Stuttgart und Frankfurt am Main gab es zuerst Diesel-Fahrverbot und seit Dienstag auch in Berlin. Die Umwelthilfe rechnet in den kommenden Monaten auch für Bonn, Darmstadt, Köln, Dortmund, Gelsenkirchen, Essen, Mainz und Wiesbaden mit ähnlichen Gerichtsentscheidungen.

Berlin

Laut Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) waren in Berlin Anfang 2018 mehr als 200.000 Diesel-Pkw zugelassen, die unter Euro 1 bis Euro 5 fielen. Das entspricht etwa jedem sechsten Auto. Hinzu kommen größere Fahrzeuge wie Lkw und Busse, Autos von Besuchern oder Pendlern. Aus Brandenburg kommen täglich Tausende – längst nicht nur per Bahn. Denkbar wären Ausnahmeregeln, etwa für Handwerker.

Fahrverbote könnten in Berlin dort kommen, wo zu viele Schadstoffe in der Luft sind. Nach einer internen Modellrechnung der Senatsverwaltung wird im Jahr 2020 an mindestens 20 Straßen ein wichtiger Grenzwert noch überschritten – trotz Gegenmaßnahmen. Dazu gehören wichtige Achsen wie die Leipziger Straße, die Hermannstraße, der Spandauer Damm, der Mariendorfer Damm und die Sonnenallee. Laut Senatsverkehrsverwaltung geht es um insgesamt 5 bis 10 Kilometer. Die Umwelthilfe warnt, Leute würden dann einfach Slalom um die gesperrten Strecken herum fahren.

Hamburg

Hamburg war die erste Stadt in Deutschland, die ein Fahrverbot für Diesel-Autos verhängte. Seit dem 1. Juni diesen Jahres gibt es Durchfahrtssperren an der Max-Brauer-Allee und der Stresemannstraße. Eine Straßenbeschilderung weist auf die Fahrverbote hin.

Insgesamt sind rund 600 Meter der Max-Brauer-Allee zwischen Chemnitzstraße/Gerichtstraße/Julius-Leber-Straße und Holstenstraße, sowie ein 1,6 Kilometer langer Abschnitt auf der Stresemannstraße zwischen Kaltenkircher Platz und Neuer Kamp betroffen. An der Max-Brauer-Allee sollen laut Luftreinhalteplan keine Dieselfahrzeuge (Lkw und Pkw) mehr fahren dürfen, die nicht die Abgasnorm 6 erfüllen. Die Stresemannstraße soll ausschließlich für Lkw gesperrt werden, die nicht der Abgasnorm Euro 4 entsprechen.

Von den Durchfahrtsverboten betroffen sind rund 168.000 ältere Dieselfahrzeuge. Für Anwohner, Rettungsdienste oder Gewerbetreibende gibt es Ausnahmen. Wer die Einfahrtsbeschränkung ignoriert, muss mit einem Verwarn- bzw. Bußgeld in Höhe von 25 (Pkw) bis 75 Euro (Lkw) rechnen.

Frankfurt am Main

In der Main-Metropole sollen ab Februar 2019 Fahrverbote für Diesel der Euronorm 4 und älter sowie für Benziner der Euronorm 1 und 2 gelten. Für Euro-5-Diesel kommt das Fahrverbot ab September 2019.

  

Die genauen Zonen des Fahrverbotes müssen noch bestimmt werden. Denkbar ist, dass sich diese an der derzeitigen Umweltzone orientieren. Diese umfasst die Fläche innerhalb des Autobahnrings rund um die Stadt. Im Westen wird sie begrenzt durch die A5, im Süden durch die A3 und im Osten und Norden durch die A661. Damit schließt sie fast das gesamte Frankfurter Stadtgebiet ein.

Stuttgart

In der baden-württembergischen Landeshauptstadt gilt ab dem 1. Januar 2019 ein ganzjähriges Fahrverbot für Diesel der Euronorm 4 und schlechter. Allerdings gibt es eine Reihe von Außnahmen für bestimmte Berufsgruppen, etwa für Handwerker, Ärzte, Hebammen, Sozialdienste, bestimmte Lieferanten (Lebensmittel, Apotheken) sowie Schichtdienstler, die den ÖPNV nicht nutzen können.

  

Anwohner sind von den Fahrverboten erst ab dem 1. April betroffen. Laut einem Bericht der "Stuttgarter Nachrichten", der sich auf Zahlen des Verkehrsministeriums bezieht sind in Stuttgart 30.000 Diesel der Euronorm 4 und schlechter zugelassen, in der gesamten Region sind es mehr als 100.000.

Weiterlesen: Experte zu Diesel-Nachrüstungen: "Funktioniert bei Lkw seit Jahren"

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