Forschungsprojekt in Hannover : Setzen Bauern bald Laser statt Glyphosat gegen Unkräuter ein?

Ein Landwirt sprüht am 30.05.2016 mit einem Traktor und Ausleger Herbizide zur Vernichtung von Unkraut auf ein Feld mit Zuckerrüben bei Münstedt im Landkreis Peine. Foto: dpa/Stratenschulte
Ein Landwirt sprüht am 30.05.2016 mit einem Traktor und Ausleger Herbizide zur Vernichtung von Unkraut auf ein Feld mit Zuckerrüben bei Münstedt im Landkreis Peine. Foto: dpa/Stratenschulte

Der Unkrautvernichter Glyphosat soll runter von deutschen Äckern. So steht es im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Was kommt danach? Wie zu Opas Zeiten mit dem Pflug über den Acker?

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11. März 2019, 20:00 Uhr

Osnabrück | Viel Grün gibt es nicht im Laserzentrum Hannover: Weiße Kittel, viele Warnschilder und große Geräte – so etwa sieht es im Laborbereich aus. Und in den Büros wie in allen anderen Büros dieser Republik auch. Doch genau hier forschen Merve Wollweber und Malte Worzischek. Die Physikerin und der Nanotechnologe bauen an einer Maschine, die moderne Landwirtschaft und ihre Kritiker zumindest in Teilen wieder befrieden könnte.

Sie wollen einen Prototyp auf den Acker bringen, der selbstständig Unkräuter erkennt und ihnen dann mit einem gezielten Laserschuss den Gar ausmacht. „Wir zielen auf das Wachstumszentrum der Pflanze, sie wird nicht gänzlich verschmort“, erklärt Merve Wollweber. Sitzt der Treffer, stoppt das Wachstum des Unkrauts, während Mais, Weizen oder Kartoffeln ungestört weiterwachsen können.

Im Labor klappt's

„Im Labor funktioniert das bereits. Jetzt geht es darum, wie wir die Technologie aufs Feld bekommen“, sagt Projektleiterin Wollweber. „So ein Gerät muss ziemlich robust sein, mit Erschütterungen und viel Staub klar kommen“, umreißt Worzischek Teile der Schwierigkeiten.

Foto: Dirk Fisser
Foto: Dirk Fisser

Gefördert wird das Ganze von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) aus Osnabrück mit 315.000 Euro. Generalsekretär Alexander Bonde beschreibt die Ausgangslage so: „Die Landwirtschaft steht vor Veränderungen, die sich aus ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Herausforderungen ergeben. Mit dem Fortschreiben des aktuellen technischen Entwicklungspfades werden die künftig nicht zu meistern sein.“ Oder anders formuliert: Die Landwirtschaft steuert aus verschiedenen Gründen auf eine Sackgasse zu.

Nebenwirkungen von Glyphosat

Das chemische Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist dafür gerade zu sinnbildlich. Der Wirkstoff gilt durch gezielte Kampagnen von Agrarkritikern mittlerweile als Sinnbild für eine Lebensmittelproduktion, die Mensch und Natur schädigt.

Zumindest in Bezug auf den Menschen ist das bei ordnungsgemäßer Anwendung aber mehr als fraglich. Die allermeisten Zulassungsbehörden haben keine Bedenken gegen den Wirkstoff. Darunter auch das deutsche Bundesamt für Risikobewertung. Dessen Chef Andreas Hensel sagt: „Der Wirkstoff ist als nicht krebserregend einzustufen.“ Allein eine Unterbehörde der Weltgesundheitsorganisation stufte ihn als potenziell krebserregend ein. Wie übrigens auch Wurst. (Weiterlesen: Risikoforscher: Darum haben Deutsche so viel Angst vor Glyphosat)

Indirekt soll Glyphosat auch auf die Insektenwelt wirken, weil der Unkrautvernichter Pflanzen abtötet, die Insekten zum Leben benötigen. Andere Wirkstoffe sollen indes gar in Biene und Co übergehen und das Nervensystem der Tiere angreifen.

Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Frank Rumpenhorst
Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Auch Landwirte haben ihre Probleme: Unkräuter bilden Resistenzen gegen Glyphosat aus. Der Wirkstoff versagt.

Doch wie weiter? Das Unkraut einfach wachsen lassen ist angesichts einer zunehmenden Weltbevölkerung keine Alternative. Und wie zu Großvaters Zeiten mit dem Pflug über den Acker auch nicht. „Eine Wendung mit dem Pflug überlebt der Laufkäfer nicht“, umschrieb Hubertus Paetow, Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, kürzlich das Problem: Auch mechanische Unkrautbekämpfung - wie in der biologischen Landwirtschaft üblich - hat Nebenwirkungen.

Foto: Jens Büttner/dpa
Jens Büttner
Foto: Jens Büttner/dpa

Nicht so der Laser. „Mit dieser Technik könnte man sogar die Biodiversität auf dem Acker erhöhen, indem wir gezielt Pflanzen wie Klatschmohn zwischen dem Weizen stehen lassen“, sagt Wollweber. Worzischek ergänzt: „Wir müssen ja nicht jedes vermeintliche Unkräuter treffen, sondern können das Gerät entsprechend programmieren.“

Bis es so weit ist, ist der Weg aber noch weit. Das Projekt ist zunächst angelegt auf drei Jahre. Ziel ist die Entwicklung eines Demonstrators, der Unternehmen aus der Landtechnik überzeugen soll. Denn die müssten die Maschinen im größeren Maßstab und möglichst kostengünstig produzieren, damit bald tatsächlich Laserkanonen auf dem Acker fahren.

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