Unfall mit vier Toten in Berlin : SUV-Verbot? Das sagt der Porsche-Chef zur Debatte

'Für mich ist jetzt ein falscher Zeitpunkt, eine solche Diskussion zu führen': Porsche-Chef Oliver Blume.
"Für mich ist jetzt ein falscher Zeitpunkt, eine solche Diskussion zu führen": Porsche-Chef Oliver Blume.

Nach dem tödlichen Unfall in Berlin hat sich eine Diskussion über den Einsatz von sportlichen Geländewagen entwickelt.

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11. September 2019, 11:29 Uhr

Frankfurt/Main | Porsche-Chef Oliver Blume will die Entscheidung über den Einsatz von sportlichen Geländewagen (SUV) in Innenstädten den Autofahrern überlassen. "Ich halte relativ wenig von Regulierung", sagte er am Dienstag in einem Interview mit n-tv/RTL auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt. "Nichtsdestotrotz kann man sich auch in den deutschen Städten Gedanken machen, ob SUV da die richtigen Fahrzeuge sind." Diese Frage liege aber bei den Autofahrern selbst. "Das muss am Ende auch der Kunde entscheiden", sagte Blume. Er betonte ebenfalls:

Man muss einmal anschauen, wo SUV sehr beliebt sind - das ist beispielsweise in den USA oder in China. Wenn man die deutschen SUV sieht, sind die deutlich kleiner als das, was sonst auf dem Markt rumfährt. Porsche-Chef Oliver Blume


Nach einem Unfall mit vier Toten in Berlin-Mitte war eine Debatte über den Einsatz von sportlichen Geländewagen ((SUV, englisch: Sport Utility Vehicle) ausgebrochen. Grünen-Politiker, die Deutsche Umwelthilfe und alternative Verkehrs- und Fußgänger-Verbände forderten Einschränkungen. Nach Einschätzung von Experten aus der Unfallforschung und der Polizei gab es aber keine Hinweise dafür, dass der Unfall mit einem anderen Auto anders verlaufen wäre. Hersteller wie auch der Autobauer Daimler lehnen Einschränkungen wie Obergrenzen oder Einfahrverbote ab.


Blume sagte zu der Debatte über SUV in Innenstädten: "Ich persönlich habe überhaupt nichts gegen Diskussionen, wenn man da Argumente sachlich miteinander austauscht." Allerdings hält er den tragischen Unfall in Berlin nicht für den richtigen Anlass: "Für mich ist jetzt ein falscher Zeitpunkt, eine solche Diskussion zu führen", sagte er.

Polizei nach SUV-Unfall: Genauer Ablauf unklar

Am Freitagabend war ein Porsche Macan auf die Gegenfahrbahn geraten und dann von der Straße abgekommen. Der SUV rammte eine Ampel, überfuhr die vier Menschen auf dem Gehweg und durchbrach einen Bauzaun. Unter den Opfern befand sich ein dreijähriger Junge. Nach dem Unfall gab es einen Hinweis eines Zeugen, dass der 42-jährige Fahrer am Steuer einen epileptischen Anfall erlitten haben soll - und dass er an dem Tag entsprechende Medikamente eingenommen habe.

Der zerstörte Porsche Macan nach dem Unfall. Foto: dpa/Paul Zinken
dpa/Paul Zinken
Der zerstörte Porsche Macan nach dem Unfall. Foto: dpa/Paul Zinken


Ob das tatsächlich so war, ist weiter unklar. Die Polizei wollte die Krankenakte des Mannes beschlagnahmen. Die für Auskünfte zuständige Pressestelle der Generalstaatsanwaltschaft war am Dienstag nicht zu erreichen. In der Regel dürfen Epileptiker nicht Autofahren. Ausnahmen gibt es unter Umständen, wenn sie mindestens ein Jahr ohne Anfall waren. Bisher ist ein Video bekannt, dass das Unfallauto zeigen soll. Zu sehen ist, wie der Wagen auf der Gegenfahrbahn fährt, vorbei an den auf der rechten Spur wartenden Autos. Anschließend fährt er geradeaus auf den Gehweg an der Kreuzung zu, wo Menschen stehen.

Mercedes stoppt Werbekampagne

Eine Werbeanzeige für einen Mercedes-Sportgeländewagen wurde inzwischen von Daimler gestoppt, wie ein Sprecher bestätigte. Mit dem Slogan "Sie jagen gern Abenteuer in der Großstadt?", hatte der Autokonzern geworben. Der frühere Tech-Blogger Sascha Pallenberg, der inzwischen für Daimler arbeitet, schrieb auf Twitter, der Slogan sei bereits vor Monaten entworfen worden:


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