Drogerie-Pleite : BGH lehnt Revision ab: Schlecker-Kinder müssen Haftstrafe antreten

Die Kinder des Drogerie Gründers Anton Schlecker, Lars und Meike, müssen ins Gefängnis.
Die Kinder des Drogerie Gründers Anton Schlecker, Lars und Meike, müssen ins Gefängnis.

Den beiden werden Untreue, Insolvenzverschleppung, Bankrott und Beihilfe zum Bankrott ihres Vaters vorgeworfen.

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25. April 2019, 15:24 Uhr

Stuttgart | Die Kinder des Drogeriemarktunternehmers Anton Schlecker müssen ihre Gefängnisstrafen antreten. Lars und Meike Schlecker hatten gegen die Urteile des Landgerichts Stuttgart Revision eingelegt. Der Bundesgerichtshof wies diese zurück, setzte allerdings die Freiheitsstrafe um einen beziehungsweise zwei Monate herunter. Damit sind Lars und Meike Schlecker rechtskräftig zu Haftstrafen von jeweils zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt worden. Zur Begründung für die Änderung hieß es in der Mitteilung am Donnerstag, das Landgericht habe die den Angeklagten fehlende Schuldnereigenschaft nicht zu ihren Gunsten bedacht. Die Wochenzeitung "Kontext" hatte zuvor darüber berichtet.

Insolvenzverschleppung und Beihilfe zum Bankrott

Den beiden Kindern von Anton Schlecker werden Untreue, Insolvenzverschleppung, Bankrott und Beihilfe zum Bankrott ihres Vaters vorgeworfen. Anders als die zweijährige Haftstrafe für ihren Vater Anton Schlecker können die Strafen der Kinder nicht zur Bewährung ausgesetzt werden. Schlecker selbst hatte keine Revision gegen das Urteil eingelegt. Auch die Staatsanwaltschaft hatte den Spruch des Landgerichts akzeptiert.

Die Schlecker-Kinder hatten sich nach Überzeugung des Landgerichts unrechtmäßig Gewinne in Millionenhöhe aus der zum Schlecker-Imperium gehörenden Logistik-Firma LDG ausgezahlt – nur Tage bevor der Konzern in die Insolvenz ging. Hierin habe das Landgericht die schwerwiegendste Tat – nämlich Untreue in Tateinheit mit vorsätzlichem Bankrott – gesehen, hieß es in der Mitteilung des BGH. Deshalb fiel das Urteil gegen Anton Schlecker auch milder aus, die er neben einer Geldstrafe bekommen hatte. Schleckers Frau Christa war anfangs auch im Stuttgarter Strafprozess angeklagt, das Verfahren wurde aber eingestellt.

Schlecker, einst die größte Drogeriemarktkette Europas, hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. Eine Rettung schlug fehl, Tausende Mitarbeiter verloren ihre Jobs. In dem Verfahren im Jahr 2017 ging es um die Frage, wann Schlecker die drohende Zahlungsunfähigkeit erkannt hat oder hätte erkennen müssen. Von dem Zeitpunkt an hätten er und seine Kinder kein Geld mehr aus dem Unternehmen abziehen dürfen.

"Papa, die lassen uns fallen"

Anton Schlecker beteuerte vor Gericht: "Die Insolvenz für mein Unternehmen war für mich unvollstellbar." Noch Ende 2011 bestand er darauf, den Mitarbeitern nicht nur pünktlich das Gehalt, sondern auch Weihnachtsgeld zu zahlen. Kurz vor der Insolvenz hatte Schlecker seinen vier Enkeln aber auch sechsstellige Summen überwiesen und war mit seinen Kindern in die Karibik gereist.

Seine Familie wiegte sich offenbar in dem Glauben, das alles gut gehen würde, bis Handelspartner und Versicherer Anfang 2012 die Reißleine zogen. Im Gerichtssaal berichtete Schlecker von einem Anruf seiner Tochter kurz vor der Pleite im Januar 2012: Fassungslos sei sie gewesen. "Papa, die lassen uns fallen."

Die Richter am Landgericht nahmen der Familie die Unwissenheit nicht ab. Nach Überzeugung der Kammer drohte die Zahlungsunfähigkeit schon ab dem 1. Februar 2011. Von da an hätte Schlecker demnach kein Geld mehr aus der Firma ziehen und auch nichts mehr aus seinem privaten Vermögen an andere übertragen dürfen. Denn als sogenannter Einzelkaufmann haftete er mit allem, was er besaß.

Weiterhin hohe Forderungen offen

Insgesamt gut 14 Millionen Euro haben die Schleckers mittlerweile an den Insolvenzverwalter zurückgezahlt, der immer noch versucht, in mühsamen Prozessen - etwa gegen Kartelle bei Lieferanten - Geld einzutreiben. Denn insgesamt haben die Gläubiger früheren Angaben zufolge mehr als eine Milliarde Euro an Forderungen angemeldet.

Ein zivilrechtliches Nachspiel in Österreich war 2018 mit einem Vergleich zu Ende gegangen. Schleckers Frau und Kinder hatten sich vor dem Landgericht Linz mit der ebenfalls insolventen österreichischen Schlecker-Nachfolgerkette Dayli geeinigt. Über den Betrag wurde Stillschweigen vereinbart. Dayli-Insolvenzverwalter Rudolf Mitterlehner hatte zum Prozessauftakt Ende 2017 20 Millionen Euro Schadenersatz von Schleckers Frau und den beiden Kindern gefordert.

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