Nur ein PR-Gag? : Greenpeace Energy will Braunkohlerevier kaufen – RWE reagiert

Greenpeace Energy will die Anlagen von 2020 an stufenweise übernehmen.
Greenpeace Energy will die Anlagen von 2020 an stufenweise übernehmen.

Bis zum Jahr 2025 will der Ökostromversorger den Braunkohletagebau samt Kraftwerken von RWE übernehmen und stilllegen.

svz.de von
26. November 2018, 15:09 Uhr

Essen/Hamburg | Der Energielieferant Greenpeace Energy hat nach eigenem Bekunden Interesse an den Braunkohle-Tagebauen und -Kraftwerken des RWE-Konzerns im Rheinischen Revier. Greenpeace wolle die Anlagen von 2020 an stufenweise übernehmen und bis 2025 stilllegen, teilte die Genossenschaft am Montag mit.

Auf den stillgelegten Tagebauflächen sollen Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 8,2 Gigawatt entstehen. Vor drei Jahren hatten die Umweltschützer Interesse an der Vattenfall-Braunkohlesparte in der Lausitz gezeigt. Sie ging unter mehreren Bietern letztlich 2016 an die tschechische EPH-Gruppe.

RWE vermutet gezielte mediale Inszenierung

Der Aufbau des erneuerbaren Kraftwerksparks im Revier würde den Greenpeace-Berechnungen zufolge rund sieben Milliarden Euro kosten. Für das Gelingen seien eine Einigung mit RWE sowie eine staatliche Unterstützung des Strukturwandels wichtig, berichtete Energy-Vorstand Sönke Tangermann. "Was wir vorschlagen, ist eine Riesenchance für das Rheinische Revier – und bringt uns beim Klimaschutz einen großen Schritt voran."

Der Preis allein für die Stilllegung der Tagebaue und Kraftwerksblöcke wird laut einer Greenpeace-Mitteilung mit 384 Millionen Euro angegeben. Dies ergebe sich aus den Gewinnen, die mit den Kraftwerken noch am Strommarkt erzielt werden könnten, bis sie wegen steigender CO2-Preise unrentabel würden.

Der Essener RWE-Konzern verwies das Angebot am Montag ins Reich der Träume. Auf Anfrage unserer Redaktion teilte eine Sprecherin mit: "Das Angebot von Greenpeace kann man kaum ernst nehmen. Letztlich geht es um einen Vorschlag zu Lasten Dritter. Bund, Länder und RWE sollen Ideen finanzieren, die die komplexen Zusammenhänge und genehmigungsrechtlichen Vorgaben des Braunkohlensystems völlig ausblenden", sagte die RWE-Sprecherin. Sie vermutet einen ausgeklügelten PR-Coup hinter dem Angebot. "Insofern auch nicht verwunderlich, dass man zur Veröffentlichung einen Termin gewählt hat, an dem die Strukturwandelkommission tagt", sagte die Sprecherin weiter.

Die Sitzung der Kommission zum Kohleausstieg
Das Gremium berät über seinen weiteren Fahrplan. Die Kohlekommission wollte eigentlich bereits kommenden Mittwoch ein Gesamtpaket mit Details zu Strukturwandel, Abschaltungen von Steinkohle- und Braunkohlekraftwerken bis 2022 und einen Ausstiegsplan inklusive Enddatum vorlegen. Auf Druck vor allem der ostdeutschen Kohleländer soll sich das Gremium aber zunächst vertieft um den Strukturwandel in den betroffenen Regionen wie der Lausitz kümmern, bevor ein Plan für den Kohleausstieg festgezurrt wird.

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