Größter Verlust seit Golfkrieg 1991 : "Schwarzer Montag": Ölpreis-Crash um 30 Prozent – auch Dax bricht ein

An der Börse macht sich die Sorge um die Coronavirus-Epidemie bemerkbar.
An der Börse macht sich die Sorge um die Coronavirus-Epidemie bemerkbar.

Die Coronavirus-Krise beeinflusst die Börsen erheblich: Am Ölmarkt sind die Preise zum Wochenauftakt abgestürzt.

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09. März 2020, 08:53 Uhr

Singapur | Der dramatische Ausverkauf an den Börsen hat sich am Montag beschleunigt. Zu den Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie kommt die Furcht vor einem Ölpreiskrieg. Der Preis für Rohöl brach um 30 Prozent ein. Händler sprachen angesichts des Crashs von einem "schwarzen Montag".

Die Notierungen für Rohöl aus der Nordsee und für US-Öl fielen am Montagmorgen um jeweils etwa 30 Prozent – der stärkste prozentuale Einbruch seit 1991. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 32,83 US-Dollar. Damit lag der Preis 12,44 Dollar niedriger als am Freitag. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte WTI sackte um 12,44 Dollar auf 28,84 Dollar.

Der Dax sackte gleich zum Handelsstart deutlich unter die Marke von 11.000 Punkten. Rund eine Stunde nach Handelsbeginn lag der deutsche Leitindex 6,95 Prozent im Minus bei 10.739,97 Punkten. Die gesamten Gewinne aus dem vergangenen Jahr sind damit weg. Der MDax der mittelgroßen Börsentitel büßte 5,93 Prozent auf 23.280,44 Punkte ein. Der EuroStoxx 50, der Leitindex der Eurozone, sackte um 7,11 Prozent ab. Zuvor waren die Börsen in Asien eingebrochen. Der japanische Leitindex Nikkei verlor gut 5 Prozent.

Gründe für den Einbruch des Ölpreises an der Börse

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hatte sich am Freitag mit ihren Partnern nicht auf eine Drosselung der Fördermengen einigen können, vor allem Russland sperrte sich. Die Ölpreise rutschten danach um 30 Prozent ein und damit so stark ein wie seit fast 30 Jahren nicht mehr.

Außerdem belastet die Sorge vor den wirtschaftlichen Folge der Coronavirus-Krise. Die Ölpreise sind somit auf den tiefsten Stand seit Anfang 2016 zurückgefallen.

Effekt an Tankstellen? Günstigere Spritpreise möglich

Autofahrer können im Zuge des aktuellen Ölpreis-Crashs auf niedrigere Spritpreise hoffen. Der Mineralölwirtschaftsverband wollte zwar keine Prognose abgeben, verwies jedoch auf frühere Entwicklungen. "Wegen der hohen Markttransparenz und der starken Konkurrenz um jeden Autofahrer sind die Preise für Benzin und Diesel seit Jahresbeginn eins zu eins mit den fallenden Einkaufspreisen an den Produktmärkten gesunken", sagte ein Sprecher am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Den aktuellen Ölpreisverfall bezeichnet der Verband als "außergewöhnlich". Die weitere Entwicklung sei nun unter anderem davon abhängig, ob sich das Ölkartell Opec "mit weiteren Ölförderländern in nächster Zeit auf eine Förderbremse einigen kann". Auch Zinssenkungen durch Notenbanken oder Konjunkturprogramme der Regierung könnten die Öl- und Kraftstoffpreise beeinflussen.

"Regelrechtes Blutbad – Anleger fliehen"

Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners sprach von einem "regelrechten Blutbad. Zum Kampf gegen Corona kommt jetzt noch der Ölkrieg dazu", sagte er. "Anleger fliehen aus allem, was Risiko hat." Die Kurse von Bundesanleihen stiegen dagegen deutlich, und auch der Euro legte zu, denn auch er gilt als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten. An der Leitbörse in Tokio stürzte der Nikkei-Index für 225 führende Werte am Montag um mehr als 1000 Punkte unter die Marke von 20.000 Punkten auf den tiefsten Stand seit 14 Monaten. Zum Handelsende notierte das Börsenbarometer einen Abschlag von 1050,99 Punkten oder 5,07 Prozent beim Stand von 19.698,76 Zählern.

Japanische Exporttitel gerieten zudem durch ein Anziehen des Yen gegenüber dem Dollar unter Druck. Auch an anderen Börsenplätzen der Region gaben die Kurs teils deutlich nach. Die Aktienkurse an der Börse in Seoul rutschten um mehr als vier Prozent. Der Leitindex ging um 85,45 Punkte oder 4,2 Prozent auf den Schlussstand von 1954,77 zurück. In China büßte der Shanghai Composite Index deutlich um 3,01 Prozent auf 2943,29 Punkte ein. Der Shenzhen Component Index ging mit einem Verlust von 4,09 Prozent bei 11.108,55 Punkten aus dem Markt.

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