Eher flexibel, umsichtig und teamfähig : Neue Studie aus Schweden: Sind Frauen wirklich die besseren Chefs?

Noch sind weibliche Führungskräfte in der Minderheit.
Noch sind weibliche Führungskräfte in der Minderheit.

Männern fehlten oft sogenannte "soft skills", etwa die Fähigkeit zur Mitarbeitermotivation.

von
28. November 2019, 14:48 Uhr

Stockholm | Eine Führungskraft muss heutzutage kein riesiges Selbstbewusstsein haben – und erst recht keine Ramboallüren im Kampf gegen Konkurrenten und Kollegen. Viel eher gefragt sind Eigenschaften wie Flexibilität, Umsichtigkeit und Teamfähigkeit. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie aus Schweden.

Weiterlesen: Frauen in Top-Positionen: Deutschland ein "klares Entwicklungsland"

Das Sozialforschungsinstitut der Universität Stockholm hatte dazu rund 5500 Mitglieder der schwedischen Gewerkschaft "Ledarna", in der knapp 100.000 Führungskräfte organisiert sind, zu ihren Prioritäten befragt. Dabei wurden Adjektive wie autoritär, selbstsicher und kämpferisch als eher männlich ausgelegt, kompetent, mutig und ergebnisorientiert als neutral, und flexibel, umsichtig und teamfähig als eher weibliche Eigenschaften.

"Frauen sind die besseren Chefs"

Das Resultat der Umfrage: Tendenziell weibliche Eigenschaften machen eine bessere Führungskraft aus. Wichtig waren den Befragten dabei vor allem Kompetenz und Kooperationswilligkeit. Zwar gelte Kompetenz nicht als typisch weiblich oder männlich – dennoch werde die Eigenschaft eher Frauen zugeordnet, ebenso wie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Schwedische Medien titelten deswegen: "Frauen sind die besseren Chefs."

Ich führe lieber mit den Mitarbeitern als über sie hinweg. Jeanet Corvinius, Gebietsleiterin

In Deutschland hatte unter anderem die "Tagesschau" über die Studie berichtet und dabei auch Jeanet Corvinius zitiert, die als Gebietsleiterin einer großen schwedischen Firma auf dem Bau arbeitet. Sie sagt: "Ich mag Wettbewerb und kann auch streng sein, aber nur, wenn es notwendig ist. Ich führe lieber mit den Mitarbeitern als über sie hinweg. Männliche Kollegen, die als Chefs beliebt sind, brauchen auch nicht diese Fassade, dieses 'Immer-Recht-haben'. Auch sie stimmen sich ab und entscheiden gemeinsam."

Studie soll Umdenken beschleunigen

Chefinnen müssten ihr Können immer aufs Neue beweisen, so Corvinius. Bei Männern gehe man davon aus, dass sie etwas vom Job verstehen – aber nicht unbedingt von Menschenführung. Bei den sogenannten "soft skills", der Fähigkeit zur Mitarbeitermotivation und Teamleistung, hätten viele schwedische Männer noch Nachholbedarf – während ihre weiblichen Kollegen nach Ansicht der Führungskräfte-Gewerkschaft dringend bessere Aufstiegschancen bekommen müssen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

Joakim Pettersson, der selbst über langjährige Erfahrung als Führungskraft verfügt, hat die Studie für die Gewerkschaft "Ledarna" betreut. Dem Sender TV4 sagte er, man wolle so helfen, ein Umdenken, das in einigen schwedischen Firmen und Verwaltungen bereits begonnen habe, zu beschleunigen. Führungskräfte sollten vor allem wegen ihrer Kompetenz und Eignung eingestellt werden. Und dabei gebe es noch Aufholbedarf – schließlich bekleideten nach wie vor mehr Männer als Frauen Führungspositionen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen