Bevorzugung des Großkunden : Medienbericht: DHL lässt Pakete zugunsten von Amazon liegen

Bei DHL rumort es im Unternehmen. Um den Großkunden Amazon nicht zu verärgern, werden dessen Pakete nun bevorzugt.
Bei DHL rumort es im Unternehmen. Um den Großkunden Amazon nicht zu verärgern, werden dessen Pakete nun bevorzugt.

Onlinekäufe beim Versandriesen haben Priorität.

von
02. September 2019, 12:50 Uhr

Hamburg | Aktuell kämpft DHL mit hohen Zustellmengen und fehlenden Fahrern. In einigen Regionen Deutschlands kommen Pakete darum verspätet an – Amazon scheint davon nicht betroffen. Nach Informationen der "Welt" haben die Onlinekäufe von Amazon Priorität. DHL wolle den wichtigen Großkunden nicht verärgern.

Bei uns werden immer wieder Rollbehälter voller Sendungen tagelang nur hin und her geschoben, anstatt dass die liegen gebliebenen Pakete gleich am nächsten Tag ausgefahren werden. sagt ein Mitarbeiter einer Zustellbasis der Post einer norddeutschen Stadt gegenüber der "Welt"


Bei diesem Umlagern der Behälter könne es sogar passieren, dass eine Sendung verloren gehe. In einigen Regionen seien die Zustellungen schlichtweg nicht zu bewältigen. Mindestens zehn Fahrer fehlten, meint der Post-Angestellte. Für die anstehende Weihnachtszeit drohen noch dramatischere Engpässe.

Im Unternehmen schwelt ein Streit

Der Onlinehändler hatte zuletzt den Druck erhöht: Amazon hat in einigen Teilen Deutschlands bereits eigene Zusteller beauftragt. DHL hingegen ringt derzeit um Zusteller. Die Fachgewerkschaft DPVKOM (die Kommunikationsgewerkschaft vertritt die Interessen der Beschäftigten bei Post, Postbank, Telekom und Call-Center) plane derweil eine Musterklage gegen den Post-Konzern, damit Berufsjahre bei Fahrern der früheren Billigtochter Delivery nach der Zusammenlegung mit der Post AG angerechnet werden. Aktuell würden viele Zusteller aufgrund fehlerhafter Betriebszugehörigkeit weniger Gehalt bekommen. Der Fehler sei mittlerweile korrigiert, kontert ein Post-Sprecher.

13.000 Delivery-Fahrer müssen integriert werden

Die Post gibt jedoch Probleme zu, die bei der Übernahme der Beschäftigten der früheren Billigtochter Delivery entstanden seien. Viele Delivery-Mitarbeiter seien in den vergangenen Jahren aus einem befristeten Vertrag bei der Post in eine unbefristete, aber schlechter bezahlte Anstellung bei Delivery gewechselt. Bei der Rückkehr in den Konzern machten sie nun erneut negative Erfahrungen. "Es ist richtig, dass leider einige dieser Schreiben fehlerhaft waren und daher zwischenzeitlich korrigiert wurden", sagte ein Post-Sprecher. Das Management ist derzeit damit beschäftigt, die rund 13.000 Delivery-Fahrer in den Konzern zu integrieren.

Gewerkschaftsvertreter widersprechen: "Bei der Einstufung und Entlohnung der Fahrer der früheren Delivery-Gesellschaften ist es zu vielen Unregelmäßigkeiten gekommen", sagte Lars-Uwe Rieck, Landesfachbereichsleiter bei Verdi der Zeitung. Die Post habe Regelungen nicht wie vereinbart angewandt. "Es ist klar, dass es zahlreiche Klagen von Beschäftigten gegen den Arbeitgeber Post geben wird", sagte Rieck.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen