Kampf um flächendeckend schnelles Netz : Lies: Milchkannendebatte um 5G geht am Ziel vorbei

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) ist Vizevorsitzender des Beirats der Bundesnetzagentur. Foto: Hollemann/dpa
Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) ist Vizevorsitzender des Beirats der Bundesnetzagentur. Foto: Hollemann/dpa

Der Streit um die Vergabe der Lizenzen für den Highspeed-Mobilfunkstandard 5G hat aus Sicht von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies einen falschen Eindruck erweckt. Denn auch bei den neuen Frequenzen bleiben seiner Meinung nach weiße Flecken.

svz.de von
26. November 2018, 17:23 Uhr

Berlin/Hannover | Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) hat die Festlegung der Vergaberegeln für den Mobilfunkstandard 5G durch die Bundesnetzagentur am Montag begrüßt. Lies ist Vizevorsitzender des Beirats der Agentur. "Wir sind einen guten Schritt vorangekommen. Allerdings reicht das nicht aus, um eine flächendeckende Versorgung herzustellen", sagte Lies am MIttwochnachmittag unserer Redaktion.

Frequenzen können nicht alle Probleme lösen

Dass es auch mit der aktuellen Versteigerung für den leistungsstarken Standard 5G weiter Funklöcher geben werde, sei klar gewesen, sagt er. "Es wurde im Vorfeld der Eindruck erweckt, die neu zu vergebenden Frequenzen könnten jetzt alle Probleme lösen. Aber das geht rein praktisch gar nicht", erklärt er. Vor der Beiratssitzung am Montag hatte es politischen Streit um die Frage gegeben, ob Deutschland sein Netz auf "5G bis zur letzten Milchkanne" ausbauen müsse oder nicht. "Ein Teil der Debatte hat ausgeblendet, um welche Frequenzen es eigentlich geht. Die nun zu versteigernden Frequenzen in den Bereichen 2 und 3,6 GHz umfassen nur einen Bereich von etwa 800 Metern. Die eigentlichen Flächenfrequenzen wurden bereits vergeben oder kommen erst in den nächsten Jahren", sagte er.

Neue Frequenzen lassen weiße Flecken

Somit sei der Anlass zwar falsch, das Thema aber richtig und drängend. Es genüge nicht, wenn die Telekomunternehmen eine Abdeckung von 99 Prozent der Haushalte versprächen. "Es reicht nicht aus, was wir heute machen", sagte Lies. Bis Mitte kommenden Jahres brauche es ein Konzept, wie der flächenmäßigr Ausbau gelingen könne. Denn mit der 99-Prozent-Zusage würden insbesondere im ländlichen Raum große Flächen ohne Empfang bleiben. "Ich erwarte, dass etwa zehn Prozent der Fläche vorerst weiße Flecken bleiben werden. Dafür müssen wir ab 2019 eine Lösung finden. Ich bin für eine negative Versteigerung, der bei der Bieter mit dem niedrigsten Angebot den Zuschlag bekommt."

Lieber 4G an der Milchkanne als gar kein Netz

Und was wird nun aus dem Versprechen von 5G für jede Milchkanne? Das sei nicht vordringliches Ziel, meint Lies. Zuerst gehe es darum, im ganzen Land Mobilfunk zu haben. Dafür brauche es zunächst Lösungen: "Ich will mit dem Ausbau nicht darauf warten, bis es überall 5G gibt. Wenn wir 4G haben und das später auf 5G nachrüsten, ist das besser als gar kein Netz." 5G brauche man zunächst an den Orten, an denen die entsprechenden Anwendungen entwickelt würden – also beispielsweise der Großraum Wolfsburg-Braunschweig für autonomes Fahren.

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