Keine Zuwendungen mehr : Warum Krombacher Spenden an die Deutsche Umwelthilfe stoppte

Krombacher spendete für Artenschutzprojekte der Deutschen Umwelthilfe.
Krombacher spendete für Artenschutzprojekte der Deutschen Umwelthilfe.

Krombacher unterstützte die Deutsche Umwelthilfe mit Millionen. Nun stellte der Bierbrauer seine Zuwendungen ein.

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27. November 2018, 16:25 Uhr

Kreuztal/Berlin | Umweltschutz liegt ihnen beiden am Herzen, doch zueinander finden die Krombacher-Brauerei und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nicht mehr. Der Bier-Hersteller hat seine finanziellen Zuwendungen in Millionenhöhe eingestellt, eine weitere Zusammenarbeit wird es nicht geben. Das bestätigte nach einem Bericht der "Westfalenpost" eine Sprecherin der Krombacher-Brauerei am Dienstag unser Redaktion.  Inwiefern diese Entscheidung auch in einem Zusammenhang mit Diesel-Fahrverboten und dem dadurch möglicherweise beeinträchtigten Image der Deutschen Umwelthilfe (siehe Infobox "Hintergrund") stehen könnte, hielt man sich bei Krombacher bedeckt. Zu den genauen Gründen, die zur Beendigung der Zusammenarbeit mit der DUH führten, wollte sich die Sprecherin auf Nachfrage nicht weiter äußern. Auch in der offiziellen Mitteilung des Unternehmens fehlte eine Begründung.

Hintergrund: Kritik an der Deutschen Umwelthilfe

Die DUH ist die treibende Kraft hinter Diesel-Fahrverboten in deutschen Städten. Ihr Einsatz für saubere Luft ist allerdings nicht unumstritten.

So wird die Organisation von Unternehmen wie etwa Autoherstellern, die mit Klagen überzogen wurden, als "Abmahnverein" gescholten. Tatsächlich sind Klagen im Sinne des Verbraucherschutzes eine erträgliche Einnahmequelle für die Deutsche Umwelthilfe. Laut ihrem Jahresbericht erzielte die DUH im Jahr 2017 durch "Ökologische Marktüberwachung", wohinter sich die Klagen verbergen, rund 2,5 Millionen Euro an Einnahmen.

In Verruf geriet die DHU dadurch insbesondere bei der CDU und FDP, die dem Verband Lobbyismus und finanzielle Eigeninteressen vorwarfen und ihm Rechte wie etwa den Status der Gemeinnützigkeit aberkennen wollten. Ein zweischneidiges Schwert ist für die DHU dabei auch die finanzielle Forderung durch den Autohersteller Toyota, der selbst nur wenige Dieselmotoren im Angebot hat.

 

Fakt ist: Krombacher war ein wichtiger Geldgeber für die Deutsche Umwelthilfe. In zweieinhalb Jahren kam etwa eine Million Euro zusammen, erklärt DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner auf Nachfrage. Diese Summe entspricht in etwa einem Achtel der gesamten Einnahmen der DUH aus dem vergangenen Jahr.

Als unterstützenswert erachtete Krombacher im Rahmen seines Artenschutz-Projektes, das 2016 startete, auch drei Projekte, an denen die Deutsche Umwelthilfe sowie WWF und Deutscher Naturschutz (Nabu) mitwirkten. Im Zentrum standen die Belange des bedrohten Fischotters, der Eisenente, der Kegelrobbe und des Schreiadlers. "Die geleisteten Spenden sind dabei eindeutig zweckgebunden gewesen ", teilte Krombacher mit. Während der Bierhersteller jedoch die Zusammenarbeit mit der Deutschen Umwelthilfe zum Ende des vergangenen Jahres auslaufen ließ, blieb die Kooperation mit WWF und Nabu bestehen.

Sascha Müller-Kraenner ist Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Foto: obs/Deutsche Umwelthilfe e.V./Steffen Holzmann
Steffen Holzmann
Sascha Müller-Kraenner ist Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Foto: obs/Deutsche Umwelthilfe e.V./Steffen Holzmann

DHU bricht mit der Telekom

Vehement gegen die Annahme, Krombacher könnte die Zusammenarbeit mit der DHU aus Imagegründen eingestellt haben, wehrt sich Müller-Kraenner. Im Gespräch mit unser Redaktion sagt er: "Ich verstehe nicht ganz den Zusammenhang, der nun hergestellt wird. Für uns ist das Projekt seit einem Jahr vorbei, es gibt keinen Zusammenhang mit dem Diesel-Thema oder anderen Dingen dieser Art". Man habe mit Krombacher über eine Unterstützung für künftige Projekte im Bereich Artenschutz gesprochen, doch dagegen habe sich der Bier-Hersteller gesträubt und dies gegenüber der DUH mit "anderen Schwerpunkten im Marketing" begründet.

Krombacher ist nicht der einzige Wirtschaftspartner, der nicht mehr mit der DUH zusammenarbeitet. Auch mit der Telekom konnte sich der Verband nicht auf die Fortführung einer jahrelangen Kooperation verständigen. Es habe "unterschiedliche Auffassungen" gegeben, sagt Müller-Kraenner. So habe die Telekom die finanzielle Förderung der Naturschutzarbeit einstellen wollen, Fachworkshops hätten aber weiter angeboten werden sollen. "Das Aufwands- und Ertragsverhältnis hat nicht mehr gestimmt", sagt Müller-Kraenner. Deshalb habe die DUH die Kooperation vergangenes Jahr aufgekündigt.
 

Mehr private Spenden

Die Telekom bestätigt dieses Vorgehen. In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber unser Redaktion heißt es: "Die Deutsche Telekom hat mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in der Vergangenheit sehr erfolgreich beim Handy-Recycling zusammengearbeitet. Die Kooperation wurde auf Wunsch der Umwelthilfe Ende 2017 beendet. Seitdem bestehen keine Geschäftsbeziehungen mehr."

Geldsorgen kommen bei der DUH dennoch nicht auf. So sollten die von Krombacher unterstützten Projekte trotzdem weitergeführt werden, sagt Müller-Kraenner. Die Millionenverluste durch das Wegbrechen der Kooperationen mit Krombacher und auch der Telekom konnten laut dem DUH-Geschäftsführer durch einen Zuwachs an privaten Spenden "voll kompensiert" werden. Das wachsende Aufkommen von Privatspenden habe sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet. Und da könnte die Diesel-Thematik der DUH geholfen haben. Denn: "Viele Spenden erhielten wir mit Hinweisen zu unserem Einsatz für saubere Luft und sauberem Trinkwasser", sagt Müller-Kraenner.  

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