Chef von Niedersachsenmetall legt nach : Interview zu E-Mobilität löst heftige Debatte aus

Niedersachsen-Metall-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt hat mit einem Interview mit unserer Redaktion eine heftige Debatte losgetreten. Foto: Niedersachsenmetall
Niedersachsen-Metall-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt hat mit einem Interview mit unserer Redaktion eine heftige Debatte losgetreten. Foto: Niedersachsenmetall

Vor drei Wochen haben wir den Chef des Arbeitgeberverbandes Niedersachsenmetall, Volker Schmidt, zur E-Mobilität interviewt. Seitdem ist bei dem Verband die Hölle los.

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21. Januar 2019, 16:55 Uhr

Hannover | Zehntausende Klicks auf unserer Internetseite, heftige Debatten auf Facebook und Twitter. Auch drei Wochen, nachdem Niedersachsenmetall-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt unserer Redaktion sagte, dass er derzeit „E-Mobilität für die klimaschädlichste Antriebsart“ hält, schlägt das Gespräch weiter Wellen und gehört zu den meistgelesenen Artikeln des noch jungen Jahres auf unserer Internetseite.

Selbst der als scharfzüngig geltende Schmidt ist verwundert über die Reaktionen: „Wir waren schon etwas überrascht, was für einen Einschlag das Interview ausgelöst hat. Wir haben Zuschriften und Reaktionen aus der ganzen Republik bekommen“, sagt er. Offenbar habe man einen Nerv getroffen. „Wir haben Fragen aufgeworfen, die gestellt werden müssen. Dass diese zum Teil heftige Reaktionen ausgelöst haben, war bemerkenswert.“

Autoarbeiter in Angst

Tatsächlich gab es wahlweise großes Lob und heftige Kritik für das Gespräch, in dem Schmidt vor einem übereilten Abschied vom Diesel und einem zu schnellen Umstieg auf die Elektromobilität warnte. Dazwischen fand sich wenig. Auf der Pro-Seite finden sich zahlreiche Politiker von CDU, FDP und AfD wie die Düsseldorfer CDU-Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel. Mit den Worten „Wir dürfen unsere Dieseltechnologie nicht ohne eine echte Alternative gefährden! “ teilte sie das Interview auf Facebook. Allein Pantels Facebookeintrag wurde von weiteren 541 Personen geteilt.

Lob kassierte Schmidt nicht nur für die Verteidigung des Diesels, sondern auch in der Kritik an den „Hysterien und Angstpsychosen“ der bundesdeutschen Gesellschaft und die Frage, wie viele Arbeitsplätze „durch diesen Feldzug gegen das Automobil auf der Kippe stehen“. Niedersachsenmetall berichtet von besonders zahlreichen Zuschriften von Automobilmitarbeitern, die um ihren Arbeitsplatz bangten.

Kritiker geißeln postfaktisches Interview

So deutlich wie das Lob fällt auch die Kritik aus: „Die professionelle PR-und Lobbyarbeit der deutschen Autoindustrie zum Thema Elektroauto funktioniert wie ein ölgeschmiertes Getriebe“, heißt es in einem Beitrag, der auf einen Beitrag des Elektrotechnik-Studenten Robin Engelhardt auf einer Internetseite für E-Mobilität hinweist. Dort widerspricht Engelhardt ausführlich allen Aussagen Schmidts in dem aus Sicht des Studenten „postfaktischem“ Interview.

Zentraler Vorwurf der Schmidt-Kritiker: Bei der Berechnung der aus Sicht des Arbeitgebervertreters schlechten Ökobilanz von E-Autos ziehe der Arbeitgebervertreter eine falsche Studie heran. Auch bei anderen Vergleichen und Hochrechnungen, insbesondere zum Aufwachs erneuerbarer Energien im Land, sei Schmidt nicht auf der Höhe der Zeit.

Lithium-Ionen-Batterie nur Brückentechnologie?

Schmidt sieht sich weiterhin im Recht, denn insbesondere die aktuelle Batterietechnik sei problematisch: „Wir sind nicht gegen die Elektromobilität grundsätzlich. Sie wird ein fester Bestandteil der Zukunft des Individualverkehrs sein. Wogegen wir uns wehren, ist das Greenwashing gerade der Lithium-Ionen-Technologie“, sagt er. Deutschland dürfe bei der Frage der Elektromobilität nicht blauäugig sein, warnt er. Führende Automanager sähen die Lithium-Ionen-Batterie als Brückentechnologie. Schmidts Fazit: „Sie ist teuer, klimapolitisch umstritten und ihre Reichweite ist technologisch begrenzt“.

Schmidt attackiert Deutsche Umwelthilfe

Die Aufregung um das Interview sieht Schmidt positiv: „Wenn durch unsere Aussagen die Debatte wieder neuer Schwung bekommt, ist das sehr erfreulich. Es ist doch nur recht und billig, wenn in der öffentlichen Diskussion auch die Frage gestellt wird, ob die Heftigkeit der Erregung überhaupt gerechtfertigt ist“, sagt er – um sich umgehend mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) anzulegen: „Auf der einen Seite steht die DUH mit ihrem Feldzug gegen den Individualverkehr und ihren Aussagen über die angeblich so verpestete Luft in Deutschland. Auf der anderen Seite stehen allenfalls marginale Grenzwertüberschreitungen bei Stickoxiden, nicht nur in Niedersachsen, und namhafte Toxikologen und Lungenfachärzte, die jegliche Gesundheitsgefährdung durch diese Emissionen komplett ausschließen, und die Zahlen des Umweltbundesamtes, die ganz klar besagen: die Luft in Deutschland war noch nie so sauber wie heute. Dass die DUH einen „ideologiegeladenen Feldzug“ führe, zeige doch, wenn sich ihr Geschäftsführer Jürgen Resch „ernsthaft das Recht, in den USA Waffen zu tragen, vergleicht mit dem Recht, in Deutschland die Autobahn zu benutzen.“ Es sieht nicht so aus, als ob Schmidt der heftigen Debatte überdrüssig ist.

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