Schulden in Millionenhöhe : "Gorch Fock"-Werft will Insolvenz beantragen – Steuerzahler-Bund empört

Die 'Gorch Fock' in besseren Zeiten: hier bei der Kieler Woche im Jahr 2015.
Die "Gorch Fock" in besseren Zeiten: hier bei der Kieler Woche im Jahr 2015.

Die Sanierungskosten für das Segelschulschiff "Gorch Fock" sind explodiert. Nun steht die Elsflether Werft vor dem Aus.

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20. Februar 2019, 06:06 Uhr

Berlin | Die durch die Sanierung der "Gorch Fock" in die Schlagzeilen geratene niedersächsische Elsflether Werft AG will einen Insolvenzantrag stellen. Ziel sei ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, sagte der neue Vorstandschef Axel Birk am Mittwoch bei der Abfahrt von der Werft zum Amtsgericht Nordenham. "Wir werden es versuchen." Zuvor war die Belegschaft über die Lage informiert worden.

Die Kosten für die Sanierung des Dreimast-Seglers sind über die Jahre in die Höhe geschnellt. Ursprünglich waren zehn Millionen Euro vorgesehen, dann wurde auf 75 Millionen Euro erhöht, inzwischen ist der Kostenansatz auf bis zu 135 Millionen Euro gestiegen. Bis zum 2. Januar 2019 seien rund 69 Millionen Euro ausgegeben worden, schreibt die Bundesregierung. Offen ist zunächst, welche Auswirkungen das Insolvenzverfahren für die "Gorch Fock" haben wird.

Arbeiten am Segelschulschiff 'Gorch Fock'  in der Elsflether Werft. Foto: imago/Wombati
Foto: imago/Wombati
Arbeiten am Segelschulschiff "Gorch Fock" in der Elsflether Werft. Foto: imago/Wombati

Unternehmen, die gute Aussichten auf eine Fortführung des Geschäftsbetriebs sehen, können bei Gericht ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragen. Das ist eine Variante des Insolvenzrechts, die statt einer Abwicklung auf die Sanierung eines Unternehmens zielt.

Wichtigster Unterschied: Die Geschäftsleitung bleibt dann im Amt, ihr wird allerdings ein sogenannter Sachwalter von außen zur Seite gestellt. Die alte Geschäftsführung behält damit große Teile der Verfügungsgewalt über das Unternehmen. Zugleich ist die Firma aber vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen von Gläubigern geschützt.

Die Werft in der Wesermarsch macht rund 80 Prozent ihres Umsatzes mit Aufträgen von der Marine. Der "Gorch Fock"-Sanierung ist derzeit der wichtigste Auftrag. Allein in der über 100 Jahre alten Traditionswerft geht es um rund 130 Arbeitsplätze.

Staatsanwaltschaften in Hamburg und Osnabrück ermitteln

Zwei Staatsanwaltschaften – Hamburg und Osnabrück – sind mit Ermittlungen beschäftigt. Es geht um den Verdacht der Untreue gegen einen Ex-Vorstand, um den sich die Ermittler in Hamburg kümmern, zudem um einen Korruptionsverdacht, der in die Zuständigkeit von Osnabrück fällt. Ende Januar wurde der alte Werft-Vorstand ab- und ein neuer eingesetzt. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Werft ist der Hamburger Manager Pieter Wasmuth, neuer Werft-Vorstandschef Birk.

Planungsfehler der Marine, Kritik des Rechnungshofs, der Korruptionsverdacht und die Absetzung der Werftleitung machen die Sanierung der "Gorch Fock" zu einem Problem für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie sagte kürzlich bei einem Besuch der Werft, die neue Leitung brauche Zeit zur Einarbeitung, um dann Zahlen und Fakten auf den Tisch zu legen.

Das Thema "Gorch Fock" sollte an diesem Mittwoch auch auf der Tagesordnung der Bundestagsausschüsse für Haushalt und Verteidigung stehen.

FDP und Grüne beantragen Einfrieren der Arbeiten

Das Thema "Gorch Fock" sollte an diesem Mittwoch auch auf der Tagesordnung der Bundestagsausschüsse für Haushalt und Verteidigung stehen. FDP und Grüne im Bundestag wollen, dass die Sanierung der "Gorch Fock" zunächst auf Eis gelegt wird. Die Arbeiten an dem Schiff seien bis "zur Klärung aller offenen Fragen sofort einzustellen", hieß es am Mittwoch in einem für die Sitzung des Haushaltsauschusses vorbereiteten Antrag. Die Bundesregierung solle zudem bis zum 15. März berichten, welche finanziellen und zeitlichen Auswirkungen die Insolvenz auf die Fertigstellung der "Gorch Fock" habe.

Steuerzahlerbund: Reparatur der "Gorch Fock" sofort stoppen

Auch der Bund der Steuerzahler fordert im Gespräch mit unserer Redaktion einen sofortigen Sanierungsstopp des "Pleiten-Pech-und-Pannen-Schiffs". Nach Ansicht des Verbandes muss der Steuerzahler dafür herhalten, dass die Marine die "Gorch Fock" alleine aus Prestigegründen erhalten will. Das Schiff abzuwracken und sich ein neues Schiff zu suchen, wäre für den Steuerzahler günstiger, meint der Verbands-Geschäftsführer.

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