Gespräch mit Unternehmenschef : Flixbus verliert erstmals Fahrgäste – was der Betreiber jetzt plant

Flixbus ist in 29 europäischen Ländern sowie den USA unterwegs.
Flixbus ist in 29 europäischen Ländern sowie den USA unterwegs.

Wer in Deutschland Fernbus fährt, steigt meistens in einen Flixbus. Das Unternehmen hat derweil ein zweites Standbein.

von
02. Februar 2020, 08:34 Uhr

Nach Fahrgastverlusten bei Flixbus setzen die Betreiber stärker auf Züge. "Unser Geschäft in Deutschland wird sich definitiv in Richtung Schiene verschieben", sagte Flixmobility-Geschäftsführer André Schwämmlein der Deutschen Presse-Agentur. Sein Unternehmen betreibt neben Fernbussen auch Fernzüge unter der Marke Flixtrain. "Wir gehen davon aus, dass wir uns mit dem Busgeschäft gegen die massive Subventionierung der Deutschen Bahn sehr schwer tun werden", erklärte Schwämmlein.

Sieben Jahre nach seiner Gründung und nach jahrelangem Wachstum verliert der Fernbusmarktführer Fahrgäste in Deutschland. Das Geschäft stehe extrem unter Druck, sagte Schwämmlein.

Lesen Sie auch: Flixbus will sein Angebot kürzen – vor allem ländlicher Raum betroffen

Insgesamt hätten Flixbus und Flixtrain 2019 zusammen zwar 22 Millionen Fahrgäste in Deutschland befördert, rund 700.000 mehr als im Vorjahr. Es wachse aber nur das Geschäft bei Flixtrain. Bei Flixbus gebe es weniger Fahrgäste als im Vorjahr. Getrennte Zahlen nannte das Unternehmen nicht.

"Wir werden im Bus weniger Fahrgäste haben"

Schwämmlein sprach die wachsende staatliche Unterstützung für die Deutsche Bahn an: "Jetzt fließt kontinuierlich mehr Geld in den DB Konzern und keiner kann wirklich sicherstellen, dass diese Mittel in die Infrastruktur fließen und damit allen Nutzern zugutekommen", kritisierte er. "Das verzerrt den Wettbewerb und macht es uns als privatwirtschaftlichem Unternehmen unmöglich, unser Geschäft in Deutschland im selben Maße wie bisher zu betreiben."

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen


In diesem Jahr werde das Geschäft mit den grünen Bussen und Zügen vermutlich ähnlich laufen wie 2019. "Wir werden im Bus weniger Fahrgäste haben, im Zug mehr und eventuell insgesamt ein kleines Wachstum hinbekommen", kündigte Schwämmlein an. "Aber ich würde jetzt keine großen Wetten darauf eingehen." Profitabel zu bleiben, werde schwerer.

Neben staatlichen Kapitalspritzen für die bundeseigene Deutsche Bahn kritisiert Flixbus, dass zwar die Mehrwertsteuer für Zugfahrten ab 50 Kilometern von 19 auf 7 Prozent gesenkt wurde, nicht aber für Busfahrten. Man sei darüber enttäuscht und schockiert. Flixbus hat rechtlichen Widerstand angekündigt sowie ab 2021 Streckenstreichungen. Schwämmlein nannte es "unglaublich naiv", sich bei der Verkehrswende allein auf die Deutsche Bahn zu verlassen.

Von der Steuersenkung profitiert jedoch auch Flixtrain. Flixmobility war vor zwei Jahren in das Zuggeschäft eingestiegen. Inzwischen sind sieben Züge auf drei Strecken unterwegs, Stuttgart-Berlin, Hamburg-Köln und Leipzig/Berlin-Köln/Aachen. 2018 waren 750 000 Fahrkarten verkauft worden, 2019 waren es nach den neuen Zahlen mindestens doppelt so viele. Im Frühjahr kommt die Strecke Hamburg-Stuttgart hinzu. Weitere Linien sind in Planung. "Es wird jetzt langsam ein wirkliches Netz", sagte Schwämmlein.

Schweden erster Flixtrain-Auslandsmarkt

"Wir haben bisher gute Erfahrungen gemacht, das Produkt wird angenommen, die Auslastung liegt im Schnitt bei 70 Prozent." Die Fernzüge der Deutschen Bahn erreichten 2018 rund 56 Prozent. Als ersten Auslandsmarkt hat Flixtrain Schweden ins Visier genommen.

Flixbus ist in 29 europäischen Ländern sowie den USA unterwegs und zählte 2019 mehr als 60 Millionen Fahrgäste. Deutschland ist der wichtigste Markt. Zu Berichten, dass Flixbus sich häufig verspäte, sagte Schwämmlein, 2019 sei das pünktlichste Jahr gewesen. 75 Prozent der Busse erreichten nach Unternehmensangaben ihren Halt innerhalb von 15 Minuten nach der Fahrplanzeit.

In diesem Jahr werde die Quote steigen. "Wir sind sehr viel vorsichtiger, sehr viel konservativer bei der Berechnung der Fahrzeiten", erklärte Schwämmlein. "Wir haben sehr, sehr viel gelernt über Verspätungen, Anfälligkeiten, Linien und so weiter." Staus aber könne man nicht beeinflussen. Eine monatliche Verspätungsstatistik wie bei der Deutsche Bahn ist nicht geplant.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 65.000 Schüler und Lehrer allein in unserem Verbreitungsgebiet erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
Was bewegt die Schüler ab Klasse 5 bis hinauf in die Gymnasien und Berufsschulen unseres Landes? Was passiert in ihrem Umfeld, in Deutschland und der Welt? Wie können seriöse Nachrichten von Fake News unterschieden werden?
Die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten bieten den Schülern die aktuellsten Berichte, liefern in einem speziellen Dossierbereich "Diskussionsstoff" für den Unterricht und möchten mit ihnen in Austausch kommen.
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen