Rettung von 426 Tieren : Erstmals seit 17 Jahren: Vor Island werden keine Wale gejagt

Der kommerzielle Walfang auf Island wurde 2006 wieder gestartet.
Der kommerzielle Walfang auf Island wurde 2006 wieder gestartet.

Erstmals seit 2002 werden in diesem Sommer vor Island keine Wale gejagt – doch es gibt einen Haken.

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28. Juni 2019, 16:24 Uhr

Reykjavik | Erstmals seit 17 Jahren werden in diesem Sommer vor Island keine Wale gejagt. Das berichtet der isländische Rundfunksenders Rúv. Demnach will das Unternehmen IP Utgerd, das ansonsten Zwergwale für den Verzehr auf Island fange, die Jagd in diesem Sommer aussetzen. Das Unternehmen hatte zunächst in Erwägung gezogen, nur mit einem Boot Walfang zu betreiben. Am Donnerstag dann erklärte die Firma, die Sommersaison vollständig auszusetzen.

Seegurken statt Wale

Wegen der Ausweitung einer Fangverbotszone vor der Küste "hätten die Boote weit aufs Meer hinausfahren müssen, um Zwergwale zu jagen", sagte Geschäftsführer Gunnar Bergmann Jónsson der Nachrichtenagentur AFP. Die Firma wolle sich stattdessen auf Seegurken konzentrieren.

Das auf die Jagd von Finnwalen spezialisierte Unternehmen Hvalur hatte bereits Anfang Juni angekündigt, die diesjährige Saison wegen der knappen Zeit für die Vorbereitung ihrer Flotte auszusetzen. Örtlichen Medienberichten zufolge kamen die von der Regierung ausgestellten Fang-Genehmigungen in diesem Jahr spät. Hvalur verwies isländischen Medien zufolge zudem auf Absatzschwierigkeiten auf dem japanischen Markt.

Finnwale stehen auf Roter Liste

Die Tierschutzorganisation Pro Wildlife bezeichnete das als "äußerst gute Nachrichten". Bis zu 209 Finn- und 217 Zwergwalen bleibe so der qualvolle Tod durch Explosivharpunen erspart. So viele Wale hat das isländische Meeresforschungsinstitut als jährliches Maximum für die Jagd empfohlen. Es ist das erste Mal seit 2002, dass vor Island keine Wale gefangen werden.

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte das diesjährige Aussetzen des Walfangs in Island. Die Entscheidung lasse hoffen, "dass Island verstanden hat, wie unwirtschaftlich das Töten von Walen" sei. Wale seien durch die industrielle Fischerei, durch Plastikmüll, die Öl- und Gasindustrie und die Folgen der Klimakrise stark bedroht. Die Organisation forderte die isländische Regierung auf, sich für einen starken internationalen Hochseeschutzvertrag auf UN-Ebene einzusetzen.

Finnwale stehen auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN und gelten als gefährdet – es bestehe demnach ein "hohes Risiko des Aussterbens" in der Natur in unmittelbarer Zukunft.

2020 soll der Walfang weitergehen

Laut dem Rundfunksender wurde die Waljagd in isländischen Gewässern nach einer mehrjährigen Unterbrechung im Jahr 2003 zu wissenschaftlichen Zwecken wieder aufgenommen. Der kommerzielle Walfang wurde demnach 2006 wieder gestartet. Und damit soll es 2020 auch weitergehen, wie Gunnar Bergmann Jónsson, CEO von IP Utgerd gegenüber der Zeitung "Reykjavik Grapevine" erklärte.

Japan will wieder Wale jagen

Island trotzt ebenso wie Norwegen offen dem seit 1986 geltenden Fangverbot der Internationalen Walfangkommission (IWC). Auch Japan fängt weiterhin Wale. Bisher berief es sich dabei aber auf eine Ausnahmeregelung, wonach der Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt ist. Im Dezember jedoch kündigte das Land an, sich ganz aus der IWC zurückzuziehen und ab Juli den kommerziellen Walfang wieder aufzunehmen.

Weiterlesen: Kanada verbietet Haltung und Zucht von Walen und Delfinen

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