Attraktivität der Küste soll steigen – Staatliches Programm : Dänen investieren in Nordsee-Tourismus

Dänische Küste an der Jammerbucht: Hotels sollen dort neue Besucher anziehen. Foto: Burkhard Ewert
Dänische Küste an der Jammerbucht: Hotels sollen dort neue Besucher anziehen. Foto: Burkhard Ewert

Dänemark, Urlaub, Ferienhaus: Diese Begriffe gehören für viele Deutsche zusammen. Inzwischen aber entstehen an der Nordseeküste des Nachbarlandes mehr und mehr Hotels. Die Regierung fördert Investitionen, um Zielgruppen abseits von Familien anzusprechen - und um aufzufangen, dass viele Dänen ihre inzwischen oftmals teuer hochgerüsteten Zweitwohnsitze nicht mehr vermieten wollen.

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19. September 2019, 05:06 Uhr

Blokus | Jahrelang wurden die Dänen von steigenden Touristenzahlen verwöhnt, ohne dass sie dafür etwas tun mussten. Die Krisen und Konflikte im Mittelmeerraum sowie die Preisentwicklung in Spanien ließen die deutschen Urlauber nach Alternativen suchen. Der Hygge-Trend und die zuletzt schönen Sommer taten ein übriges. Das ist vorbei. Jetzt sind es die Urlaubsregionen, die sich auf die Suche gemacht haben, und zwar nach den Gründen für stagnierende Zahlen und nach Wegen, um auf den Wachstumspfad zurückzukehren.

Stranderlebnis mit Rollator

Im Trend sind inzwischen neben Ferienhausurlaub und Campingplatz sowie den bereits länger etablierten Feriencentern auch Hotels. Beispiel Jammerbucht, im Norden Jütlands: In Sletterstrand, wo noch ein paar der alten Fischkutter am Stand liegen, haben sich Badehotels wie Sanden Berggaard auf Senioren spezialisiert und bieten Wochenendtrips zum Sparpreis an. Dank eines befestigten Wegs auf dem Stand lässt sich die sandige Weite auch mit Rollator oder Rollstuhl ein Stück weit erkunden. Ein anderes Hotel, Klitrosen, wirbt mit dem Rundumpaket für Hochzeiten, von Unterkunft und Feier im Festsaal bis zum Fototermin im idyllischen Fosdalen, wo eine Heilquelle seit dem Mittelalter Linderung von Leiden verspricht.

Hotel statt Ferienhaus: An der dänischen Küste sollen solche Häuser Rentner, Kurzurlauber und Luxusfreunde ansprechen. Foto: Burkhard Ewert
Hotel statt Ferienhaus: An der dänischen Küste sollen solche Häuser Rentner, Kurzurlauber und Luxusfreunde ansprechen. Foto: Burkhard Ewert


Einen Hauch von Städtereise bringt das Strandhotellet ins nördliche Jütland, edel möbliert und inspiriert von der Erfolgsserie „Baedehotelet“, das mitten im beliebten Örtchen Blokhus liegt. Der für seine weißen Badehäuschen auf dem Strand mitsamt öffentlicher Nordsee-Sauna bekannt ist. Alle gemeinsam haben das Ziel, dass Reisende Dänemark nicht nur für zwei Wochen im Sommer in den Sinn kommt, sondern auch das ganze Jahr über für den Kurzurlaub.

Tourismusklassiker im Norden: der Leuchtturm Rudberg Knude Fyr. Foto: Burkhard Ewert
Tourismusklassiker im Norden: der Leuchtturm Rudberg Knude Fyr. Foto: Burkhard Ewert


In Skallerup, am nördlichen Ende der Jammerbucht, hat sich das „Seaside Ressort“ zu einer Luxusdestination für Familien und Kleingruppen gemausert. Im Zweiten Weltkrieg ein Lager für deutsche Flüchtlinge aus den Ostgebieten, übernahmen später mehrere industrielle Unternehmen die Anlage. Sie bauten sie zu Vorläufern heutiger Sommerhäuser um, wo die Arbeiter günstig Erholung suchen konnten. Heute findet sich hier einer der schicksten Spa-Bereiche der Westküste und ein Luxus-Restaurant, wo ein Abend schon mal so viel kosten kann wie andernorts das Ferienhaus für eine ganze Woche. Erkennbare Zielgruppe: Kleine Trupps wohlhabender Frauen, die sich ein paar Wellnesstage an der See gönnen.

Parallel hält das Resort, teils gegen Aufpreis, die traditionelle Feriencenterattraktionen für Familien vor: eine große Badelandschaft, Federball, Fitnessraum, Supermarkt, Bowling-Bahn, Tischtennis, eine riesige Innenspielhalle für Kinder - und natürlich den direkten Zugang zum Strand, ohne dass wie andernorts dazu ein Auto nötig wäre. Der Trend zum Hotel liegt auch darin begründet, dass diese auch außerhalb der kurzen Sommersaison einen angenehmen und unaufwändigen Urlaub ermöglichen.

Gehobene, regional zubereitete und angerichtete Küche gibt es inzwischen auch in mehr und mehr Westküstenorten. Foto: Burkhard Ewert
Gehobene, regional zubereitete und angerichtete Küche gibt es inzwischen auch in mehr und mehr Westküstenorten. Foto: Burkhard Ewert


Auf Dauer noch relevanter ist allerdings, dass immer weniger Dänen ihre Ferienhäuser überhaupt noch nebenher zur Vermietung freigeben. In der Hochsaison genügt das Angebot lange nicht mehr. Jetzt sorgen sich die Dänen, mit den Jahren zu Wohlstand gekommen und auf Zusatzeinnahmen weniger angewiesen, zunehmend um ihre Designermöbel und bieten die inzwischen auch technisch aufgerüsteten Häuser seltener Fremden an, während die noch recht verbliebenen, einfachen 80er-Jahre-Häuser wiederum auf geringere Nachfrage einer anspruchsvoller gewordenen Kundschaft treffen.

Steuerliche Förderung

Auch hier setzt die Regierung an: Sie hat jüngst Steuersenkungen auf Mieteinnahmen beschlossen, damit das Angebot nicht weiter ausdünnt und die Ferienhaussiedlungen tendenziell veröden. Die neue Regierung hält daran fest. Die für eine übergreifende Zusammenarbeit bisher nicht eben bekannten Westküstenregionen haben zudem ein küstenweites Entwicklungs- und Investitionsprogramm mit ehrgeizigem Ziel beschlossen: Die Nordseeregion soll bis 2025 zu einem europäischen „Spitzenurlaubsziel“ gemacht werden.

Fischerboote in Sletterstrand. Foto: Burkhard Ewert
Fischerboote in Sletterstrand. Foto: Burkhard Ewert


Beteiligt sind elf Kommunen von Tondern im Süden bis Frederikshavn an der jütländischen Nordspitze. Investiert wird in 18 Orte, im Süden zählen Hoyer und Römö dazu, im Norden auch die Jammerbucht. Verbessert werden sollen insbesondere die Ortsbilder, die kulturellen Angebote und die Zugänglichkeit der Naturlandschaften mit Wattenmeer, Dünengebieten und Binnengewässern.

Als Ziel hat die Region ausgegeben, die Zahl der Urlauberübernachtungen von aktuell 17,5 Millionen um rund ein Drittel bis zum Jahr 2025 zu erhöhen – auch in direkter Konkurrenz zu den Nordsee-Regionen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Holland. Ohne Angebote für die Nebensaison kann das nicht gelingen, weshalb neben jüngeren Paaren auch Senioren und kurzurlaubende, luxusorientierte Freundeskreise verstärkt zu den Zielgruppen gehören und Dänemarks Ruf vom klassischen Familienziel erweitern sollen.

Uriges Gasthaus statt Ferienhausküche: Wer nur kurz kommt, geht gerne auch essen. Restaurants sind ein Wachstumssegment. Foto: Burkhard Ewert
Uriges Gasthaus statt Ferienhausküche: Wer nur kurz kommt, geht gerne auch essen. Restaurants sind ein Wachstumssegment. Foto: Burkhard Ewert


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