Corona-Krise in Deutschland : DIW erwartet Rezession in Deutschland – Arbeitsplätze in Gefahr

Ein Börsenhändler greift sich an den Kopf. Die Aktienmärkte waren am Montag eingebrochen.
Ein Börsenhändler greift sich an den Kopf. Die Aktienmärkte waren am Montag eingebrochen.

Das Coronavirus hat die Wirtschaft infiziert. Konjunkturexperten des DIW erwarten Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

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10. März 2020, 07:41 Uhr

Berlin | Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet, dass Deutschland in diesem Jahr infolge der Coronavirus-Krise in eine Rezession abgleitet. Das Coronavirus scheine die deutsche Wirtschaft nach den vorliegenden Zahlen "recht kräftig zu erfassen", sagte der Leiter der DIW-Abteilung für Konjunkturpolitik, Claus Michelsen, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstagsausgaben). Vor allem die Industrie dürfte nach seiner Einschätzung betroffen sein, aber auch Dienstleistungen wie das Gastronomiegewerbe und die Reisebranche.

Coronavirus bedroht Arbeitsplätze

Michelsen machte deutlich, dass er auch Auswirkungen auf die Beschäftigungslage erwartet. Wahrscheinlich werde in der Industrie zwar die Stammbelegschaft gehalten werden können, aber kaum mehr Zeitarbeit nachgefragt werden. "Im Bereich der Dienstleistungen ist auch ein Stellenabbau denkbar", sagte der Experte.

Kurz erklärt: Was ist eine Rezession?

Konjunktur: Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung. Grafik: dpa
picture-alliance/ dpa-infografik
Konjunktur: Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung. Grafik: dpa

Zu den von der Großen Koalition beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus merkte Michelsen an, die in Aussicht gestellten Liquiditätshilfen für Unternehmen und Ausweitung des Kurzarbeitergeldes hätten sich in der Finanzkrise durchaus bewährt. Die Spitzen der Großen Koalition hatten sich in der Nacht zum Montag auf Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld und eine Verstärkung der Investitionen um 12,4 Milliarden Euro bis 2024 geeinigt. Zudem will die Bundesregierung noch Vorschläge für Liquiditätshilfen für Unternehmen unterbreiten, die besonders von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen sind.

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"Höhepunkt noch nicht erreicht"

Der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, kritisierte die von den Regierungspartnern anvisierten Maßnahmen jedoch als unzureichend. Angesichts der Risikolage sei die Koalition "zu kurz gesprungen", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Gegenwärtig ist der Höhepunkt der ökonomischen Corona-Effekte bei Weitem noch nicht erreicht", warnte Hüther. Den weltweiten Einbruch der Börsenkurse am Montag sieht der IW-Chef gleichwohl nicht als "Indiz für eine heraufziehende Weltwirtschaftskrise". Die Nervosität an den Finanzmärkten spiegele eher wider, dass es keine einfache Antwort auf die Corona-Krise gebe.

Mehr Unterstützung gefordert

Auch Ifo-Chef Clemens Fuest forderte die Bundesregierung auf, ihre Hilfen für die Wirtschaft zu verstärken. Die bisherigen Maßnahmen gingen in die richtige Richtung, doch müsse "mehr getan werden", sagte Fuest der "Augsburger Allgemeinen". Die betroffenen Branchen bräuchten erhebliche Liquiditätshilfen, damit die Krise nicht Unternehmen in die Insolvenz treibe, deren Geschäftsmodell eigentlich gesund sei.

Laut Fuest "spricht einiges dafür, dass eine Rezession bevorsteht". Dies hänge sehr davon ab, wie sich die Epidemie weiter entwickle. Leider sagten viele Virologen voraus, dass die Epidemie "vielleicht im Sommer abflaut, im Herbst aber zurückkommt". In diesem Fall wäre nach Einschätzung des Ifo-Chefs "eine Rezession nicht zu vermeiden".

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