Millionen plötzlich ohne Job : Explodierende Arbeitslosenzahlen: Wie die Corona-Krise die US-Wirtschaft trifft

Hialeah, USA: Ein Arbeiter mit Mundschutz verteilt Arbeitslosenanträge.
Hialeah, USA: Ein Arbeiter mit Mundschutz verteilt Arbeitslosenanträge.

Jede Woche kommen neue schwindelerregende Arbeitslosenzahlen, Ökonomen warnen vor einer langen und tiefen Rezession.

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10. April 2020, 14:30 Uhr

Washington | Die Coronavirus-Krise macht der US-Wirtschaft zunehmend zu schaffen: Wegen der Zuspitzung der Pandemie haben in den Vereinigten Staaten in der dritten Woche in Folge Millionen Menschen einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt. In der Woche bis zum 4. April wurden 6,6 Millionen solcher Anträge registriert, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. Die US-Notenbank Fed will der Wirtschaft noch stärker helfen. Sie kündigte am Donnerstag an, über verschiedene Kreditprogramme insgesamt bis zu 2,3 Billionen Dollar (2,1 Billionen Euro) in die Wirtschaft zu pumpen.

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe hatte in den USA in den beiden Vorwochen jeweils neue Höchststände erreicht: zuerst 3,3 und dann 6,65 Millionen Anträge. Innerhalb von drei Wochen verloren damit landesweit mehr als 16 Millionen Menschen ihre Jobs.

Die Erstanträge gelten als Indikator für die kurzfristige Entwicklung des Arbeitsmarkts in der größten Volkswirtschaft der Welt. Sie deuten inzwischen auf einen dramatischen Wirtschaftseinbruch infolge der Corona-Krise hin. Bis vor wenigen Wochen hatte die Zahl der Erstanträge noch regelmäßig unter 100.000 pro Woche gelegen.

Ausgangsbeschränkungen für Mehrheit der Amerikaner

Die rasante Ausbreitung des Coronavirus hat das öffentliche Leben in weiten Teilen der USA zum Erliegen gebracht. Die Mehrheit der rund 330 Millionen Amerikaner unterliegt Ausgangsbeschränkungen. Viele Geschäfte und Betriebe sind geschlossen, Restaurants und Hotels bleiben leer, Flüge sind massenhaft gestrichen, Veranstaltungen abgesagt. Viele Mitarbeiter geschlossener Unternehmen müssen daher Arbeitslosenhilfe beantragen. Entlassungen sind in den USA in der Regel weit einfacher möglich als etwa in Deutschland.

Im Video: Trump stellt WHO in Corona-Krise an den Pranger und droht:

Die US-Regierung und der Kongress hatten angesichts der Krise ein gewaltiges Konjunkturpaket auf den Weg gebracht, um rund zwei Billionen Dollar in die leidende Wirtschaft zu pumpen. Die Lage am US-Arbeitsmarkt verschlechtert sich dennoch weiter. Im US-Kongress laufen bereits Gespräche über eine Aufstockung der Hilfen. Republikaner und Demokraten streiten aber noch über Details.

Die Arbeitslosenquote in den USA ist infolge der Corona-Krise bereits deutlich nach oben gegangen: Sie stieg von 3,5 Prozent im Vormonat auf 4,4 Prozent im März. Aufgrund einer verzögerten Erhebung der Statistik ist die jüngste Zuspitzung am Arbeitsmarkt davon aber nur begrenzt wiedergegeben. Experten gehen inzwischen bereits von einer zweistelligen Arbeitslosenquote aus.

Das gesamte Ausmaß der wirtschaftlichen Verwerfungen der Pandemie ist noch nicht absehbar. Viele Analysten befürchten aber einen dramatischen Einbruch im zweiten Quartal und eine Rezession aufs ganze Jahr betrachtet.

Deutliche Kursgewinne an US-Aktienmärkten

Die US-Notenbank stemmt sich mit ihrem Notprogramm mit aller Macht gegen einen Konjunkturabsturz. Damit sollen unter anderem kleinere und mittlere Unternehmen sowie Kommunen und Städte gestützt werden. Bei Anlegern kamen die Krisenhilfen der Notenbank gut an - die US-Aktienmärkte reagierten mit deutlichen Kursgewinnen.

Die Fed hatte bereits mit drastischen Zinssenkungen und etlichen anderen Maßnahmen auf die Corona-Pandemie reagiert. Erst am Mittwoch signalisierte die Notenbank eine länger andauernde Nullzinspolitik. Notenbankchef Jerome Powell sagte am Donnerstag, es gebe allen Grund zu der Annahme, dass auf die Krise eine robuste wirtschaftliche Erholung folgen werde - angesichts der starken Wirtschaftslage vor der Pandemie. Bis Anfang Februar hatte die US-Konjunktur noch gebrummt, an der Börse wurden Höchststände gemeldet und Experten rechneten mit einem Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent. Doch die rasante Ausbreitung des Coronavirus seit Anfang März machte die guten Konjunkturaussichten zunichte.

Bis Freitagmorgen (Ortszeit) gab es in den USA nach Angaben von Forschern der Universität Johns Hopkins mehr als 460.000 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus - und mehr als 16.000 Tote infolge der Pandemie. Die Ausbreitung des Coronavirus plagt die Wirtschaft weltweit. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte vor dramatischen Auswirkungen: IWF-Direktorin Kristalina Georgieva sagte am Donnerstag in Washington, erwartet werde die schlimmste wirtschaftliche Entwicklung seit der Weltwirtschaftskrise in den 20er und 30er Jahren.

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