Trotz Branchenboom : "Mafiöse Strukturen"? Löhne von Paketzustellern sinken seit Jahren

Das Gehalt von Paketzustellern ist seit 2007 gesunken.
Das Gehalt von Paketzustellern ist seit 2007 gesunken.

Ein steigende Paket-Nachfrage führt nicht zu steigenden Branchenlöhnen. Schuld sind laut Kritikern "mafiöse Strukturen".

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08. April 2019, 11:30 Uhr

Berlin | Die deutschen Paketzusteller profitieren nicht vom gewaltigen Boom ihrer Branche: Ihre Löhne sinken trotz wachsender Nachfrage immer weiter. Laut eines Berichts der "Rheinischen Post" fiel das mittlere Bruttomonatsgehalt in der Branche seit 2007 bis 2017 von 2859 auf 2478 Euro – eine Abnahme um 13 Prozent. Das teilte die Bundesregierung demnach auf eine Anfrage der Linken mit.

Verstöße bei Mindestlohn und Sozialabgaben

Die Beschäftigen-Anzahl in der Paketbranche ist im gleichen Zeitraum gewachsen: Von 102.000 auf 155.000. Jedoch bekommen nur Vollzeitbeschäftigte in tarifgebundenen Betrieben ein Einkommensplus, sie verdienen mittlerweile 662 Euro brutto mehr als ihre Kollegen ohne Tarifbindung.

„Die Bundesregierung muss dringend gegen die Schmutzkonkurrenz vorgehen, die die Löhne in dieser Branche immer mehr unter Druck setzt“. Linken-Gewerkschaftsexperte Pascal Meiser

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Meiser forderte, die Paketzustellung müsse an eine Lizenz geknüpft und diese bei Verstoß entzogen werden. Nötig seien verstärkte Kontrollen. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte angekündigt, eine Nachunternehmerhaftung einführen zu wollen, danach müssten die große Zustelldienste bei Verstößen gegen Mindestlohn- und Sozialabgabenregelungen für ihre Subunternehmer haften.

Nach langem Streit mit der Gewerkschaft Verdi hatte sich zuletzt die Deutsche Post darauf verständigt, ihre Paketzusteller künftig wieder nach den gleichen Tarifregeln zu bezahlen. Die umstrittenen 46 Töchter werden aufgelöst. Für deren rund 13.000 Mitarbeiter gilt vom 1. Juli an der Haustarifvertrag. Die Löhne für Zusteller bei der Deutschen Post liegen noch höher als bei den Konkurrenten Hermes, DPD und GLS.

"Mafiöse Strukturen"

Verdi-Chef Frank Bsirske bezeichnete die Strukturen in der Branche wegen des Umgangs mit Mindestlöhnen und Sozialabgaben unlängst als "mafiös". Nachteilig für die Beschäftigten wirke sich das System der zahlreichen Subunternehmen aus. Demnach würden Paketdienste Firmen engagieren, die wiederum andere Firmen beauftragen, die dann Menschen aus der Ukraine, aus Moldawien oder aus Weißrussland anheuerten. Die Stundenlöhne liegen teils gerade mal bei 4,50 Euro bis sechs Euro pro Tag und das bei Arbeitszeiten von 12 oder sogar 16 Stunden pro Tag.

Weiterlesen: Gewinneinbruch bei der Post: Steigen jetzt die Preise für die Kunden?

Mit dpa

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