ADAC-Bilanz : 4801 Kilometer Stau in einem Jahr in MV

Deutsche Autofahrer mussten im vergangenen Jahr länger und öfter im Stau stehen.
Deutsche Autofahrer mussten im vergangenen Jahr länger und öfter im Stau stehen.

Die Gesamtlänge der Staus auf Autobahnen in MV ist im vergangenen Jahr einer Bilanz des ADAC zufolge um rund ein Fünftel auf 4801 Kilometer gestiegen.

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23. Januar 2018, 21:00 Uhr

Mit 2731 Kilometern entfielen mehr als die Hälfte davon auf die Autobahn 19, teilte der Automobilclub in Hamburg mit. Dies liege vor allem an der Dauer-Baustelle Petersdorfer Brücke. Allein die Staus in diesem Bereich summierten sich auf mehr als 2500 Kilometer. Auf die teilweise im Moor versinkende A 20 entfielen  knapp 1300 Kilometer Stau. Im bundesweiten Vergleich ist der Nordosten aber weiterhin das Land mit den wenigsten Staukilometern.

Nach der gestern veröffentlichten Stau-Bilanz des Automobilclubs ADAC gab es 2017 deutschlandweit rund 723 000 Staus, was einem Zuwachs von vier Prozent gegenüber dem Jahr 2016 entsprach.

Auch die Länge der Staus und die Zeit, die Autofahrer darin verbringen mussten, erhöhte sich im Vergleich zu den Vorjahren. Die Gesamtlänge aller Staus summierte sich nach Angaben des ADAC auf rund 1,45 Millionen Kilometer, was ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr war. Zudem verbrachten die Autofahrer 457 000 Stunden im Stau. Das waren neun Prozent mehr als 2016.

Ursache für die Zunahme war demnach, dass auf Deutschlands Straßen immer mehr Autos unterwegs sind. Aber auch die „anhaltend rege Bautätigkeit“ verschärfte die Lage.

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Der ADAC forderte, die Zahl der Fahrstreifen an Baustellen möglichst beizubehalten, um Staus zu vermeiden. Auch die Bauzeit biete „Potenzial zur Stauvermeidung“. Alternativen zu den Baustellen sah der Verband aber nicht. Der Druck, Engpässe im deutschen Autobahnnetz zu beseitigen, sei „immer noch groß“.

Auf die drei großen bevölkerungsreichen Bundesländer Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg entfielen 2017 etwa zwei Drittel der Staus. Gemessen an der Länge ihrer Autobahnen, waren die Stadtstaaten Hamburg und Berlin „erwartungsgemäß Stau-Spitzenreiter“, erklärte der ADAC in München. Von den bedeutenden Fernstraßen war die Autobahn 3 die schlimmste Staustrecke. Sie verbindet Nordrhein-Westfalen mit Bayern und passiert unter anderem das Ruhrgebiet und Frankfurt am Main.

Am größten waren die Behinderungen dabei auf dem Abschnitt zwischen dem bayerischen Passau und Linz auf österreichischer Seite. Schuld waren demnach die Grenzkontrollen, die zu Rückstaus auf der deutschen Seite führen. Auch im Bereich Oberhausen-Köln gab es viele Staus. Insgesamt war der Donnerstag laut Zählung des Automobilclubs der im Durchschnitt stauträchtigste Wochentag, wobei der Unterschied zu Mittwoch und Freitag nur gering war.

Die längsten Staus bildeten sich im Juni und September mit rund 147 300 beziehungsweise 143 500 Kilometern. Die wenigsten Staus gab es im Januar und Februar sowie im Dezember. In dieser Zeit wird auf den Straßen generell weniger gebaut.

Die gemeldeten Staukilometer summierten sich in Hamburg über das Jahr auf 31 630. Das waren 3823 Kilometer oder knapp 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch in Schleswig-Holstein wuchs die Blechlawine, und zwar um 1854 Kilometer oder rund 6 Prozent auf eine Gesamtlänge von 34 694 Kilometern.

Ursache der wachsenden Behinderungen um Hamburg sei zum einen der zunehmende Verkehr in der wachsenden Metropole. Zum Teil hätten Autofahrer auch versucht, innerstädtische Baustellen über die Autobahnen zu umgehen, erklärte ein ADAC-Sprecher. Ein weiterer Grund sei die gestiegene Attraktivität deutscher Urlaubsziele. An die Küsten von Nord- und Ostsee reisen viele Menschen mit dem Auto.

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Die Rekordzahl von 1,45 Millionen Staukilometern entspricht etwa 1868-mal der Strecke von Hamburg nach München – man müsste also fünf Jahre lang jeden Tag einmal längs durch die Republik fahren. Diese Zahlen betreffen wohlgemerkt nur die Fernstraßen, der tägliche Stauwahnsinn in den Städten ist nicht erfasst.

Die Gründe sind laut ADAC viele Baustellen und immer mehr Verkehr. An den vielen Baustellen können wir nichts ändern, sie sind sogar gut. In Zeiten prall gefüllter öffentlicher Kassen wird damit einiges an Sanierungsstau aufgeholt – endlich. Weiter so.

Bei der Verkehrsfülle aber, da möge sich jeder selbst prüfen. Sind alle Fahrten notwendig, tut es nicht auch mal die Bahn oder der Fernbus? Ein weiterer Aspekt ist wichtig: Weil immer mehr Menschen online bestellen, fahren immer mehr Lastwagen und Sprinter durchs Land. Der Kunde, der online gekauft hat, steht dann fluchend neben ihnen im Stau. Da ist der Weg zum örtlichen Einzelhandel klar die bessere Wahl.

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