Prozessbeginn : 450.000 Euro ergaunert: Die fiesen Tricks der Pfand-Betrüger

In Köln müssen sich zwei Männer wegen schweren Betrugs mit Pfandflaschen verantworten.
In Köln müssen sich zwei Männer wegen schweren Betrugs mit Pfandflaschen verantworten.

Bei den Betrügereien geht es um Summen in Millionenhöhe. Doch wie kann das funktionieren?

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10. April 2019, 17:18 Uhr

Köln | Gerade an Wochenenden sind lange Schlangen an den Pfandautomaten keine Seltenheit – und mindestens einer der Automaten scheint immer kaputt oder voll zu sein. Wie viel einfacher ist es da, seine Pfandflaschen bei dem Personal eines Getränkemarktes abzugeben und anderen die zeitraubende Arbeit zu überlassen? Vor dem Kölner Landgericht müssen sich seit Mittwoch zwei Männer wegen besonders schweren Betrugs verantworten.

Die beiden 44 und 54 Jahre alten Geschäftsführer eines Getränkemarktes sollen zwei Rücknahmeautomaten so umgebaut haben, dass ein Schaden von rund 450.000 Euro entstand. Laut Anklage manipulierten die Angeklagten die zertifizierten Rücknahmeautomaten derart, dass die Pfandflaschen und -dosen nicht wie sonst üblich zusammengepresst wurden. Stattdessen konnte das Pfandgut "unbeschädigt entnommen und erneut in den Automaten eingelegt" werden. Und das geschah demnach viele, viele Male.

Nicht die ersten Pfand-Betrüger, die vor Gericht landen

Die Kunden in dem Getränkehandel auf dem Kölner Großmarkt steckten die Flaschen nicht selbst in den Automaten, sondern gaben sie beim Personal ab. Die Mitarbeiter sollen das Leergut dann auf Anweisung der beiden Geschäftsführer jeweils mehrfach in die Automaten eingegeben haben.

Mutmaßliche Betrügereien mit Pfandflaschen haben schon öfter Gerichte beschäftigt. Erst kürzlich hat das Düsseldorfer Landgericht den Geschäftsführer eines Getränkemarktes freigesprochen. Die Anklage hatte ihm vorgeworfen, durch Manipulation eines Automaten 1,8 Millionen Euro ergaunert zu haben. Letztlich kam das Gericht jedoch zu dem Schluss, dass der Angeklagte nichts von dem Betrug gewusst habe. Das Bochumer Landgericht stellte im vergangenen Jahr ein Verfahren um einen Millionenbetrug gegen den Ex-Chef einer Getränkefirma ein. Das Kölner Amtsgericht verurteilte 2016 einen Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe, der mit nur einer einzigen Pfandflasche 44.000 Euro erbeutet hatte. Laut Urteil hatte der Mann den Automaten umgebaut und dieselbe Flasche rund 180.000 Mal einlesen lassen.

Doch neben manipulierten Automaten, gibt es noch viele weitere Tricks, mit denen Betrüger mehr aus jeder Pfandflasche herausholen. Experten gehen davon aus, dass der Schaden in die Millionenhöhe geht. Gegenüber "Chip" erzählten Mitarbeiter der zwei Discounter Aldi und Lidl von bekannten Methoden, durch die das System ausgetrickst wird.

Die fiesen Tricks der Pfand-Betrüger

  • Das Leergut mit einer Schnur versehen und nach dem Scannen wieder herausziehen: Allerdings wird inzwischen gegen diesen Trick vorgegangen und viele Automaten reagieren, wenn eine Flasche wieder aus dem Schacht gezogen wird.
  • Das Pfand-Logo kopieren und auf Flaschen ohne Pfand kleben: Auch in diesem Fall haben viele Supermärkte aufgerüstet und lassen die Automaten zusätzlich einen Code scannen.
  • Manipulation der Automaten, so dass eine Flasche nicht zerstört wird: Die beiden Angeklagten aus Köln sind nicht die ersten, die sich mit diesem System versucht haben, zu bereichern. Doch ein solch aufwändiger Betrug ist meist nur möglich, wenn die Geschäftsleitung eingeweiht ist.
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