Arbeitsmarkt : 400 Euro mehr für Krankenversicherung?

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Gewerkschaften fordern die Rückkehr zu gleichen Beiträgen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

svz.de von
12. Mai 2017, 20:45 Uhr

Die Gewerkschaften warnen vor steigenden Zusatzbeiträgen in der gesetzlichen Krankenversicherung und fordern die Rückkehr zu gleichen Beiträgen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. „Seit Wegfall der paritätischen Finanzierung steigen die einseitigen Belastungen der abhängig Beschäftigten immer weiter an“, erklärte DGB-Vorstand Annelie Buntenbach gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. „Aktuell beträgt die finanzielle Mehrbelastung des einzelnen Arbeitnehmers im Durchschnitt 400 Euro im Jahr. Bleibt es bei dieser Verteilung, wird im Jahr 2021 der durchschnittliche Arbeitnehmer 946 Euro pro Jahr mehr zahlen.“

Hintergrund der Äußerungen ist die Forderung von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, die Unternehmen bei den Gesundheitskosten stärker zur Kasse zu bitten. Bun-tenbach sagte, die Arbeitgeber hätten mit Lohnstillstand gedroht. „So nicht, lieber Sozialpartner: Die Idee der Sozialversicherung beruht nicht auf Erpressung, sondern einer sauberen 50:50-Finanzierung“, sagte Buntenbach. Die Bedeutung der paritätischen Beitragsfinanzierung der gesetzlichen Krankenkassen für Löhne und Beschäftigung sei im Übrigen gering. Eine Erhöhung des Arbeitgeberanteils an den Beiträgen von 7,3 auf 7,85 Prozentpunkte würde nach DGB-Angaben die Gesamtkosten einer Handwerkerstunde lediglich um 0,14 Prozent steigern, „ein für die Nachfrage nach Handwerkerleistungen unerheblicher Effekt“. Auch die Behauptung, die Sozialversicherungsabgaben wären in Deutschland im internationalen Vergleich zu hoch, sei nicht richtig. „Sowohl bei den Sozialversicherungsabgaben der Arbeitgeber als auch bei den Lohnnebenkosten insgesamt liegt Deutschland laut OECD unter dem Durchschnitt der Europäischen Union“, sagte Buntenbach.

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