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Familienbetriebe im Osten : 40 Jahre DDR haben Spuren hinterlassen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Unternehmensstruktur ist im Osten „völlig anders“

Globalisierung, die Suche nach dem passenden Nachfolger, Finanzierungsprobleme - die Liste der Sorgen familiengeführter Betriebe ist lang. Gerade im Osten haben Unternehmen noch aufzuholen. Dort sei die Situation „völlig anders“ als im Westen Deutschlands, sagt Lutz Goebel, Präsident des Verbands „Die Familienunternehmer“, im Gespräch mit Christiane Raatz.

Braucht die Wirtschaft Familienunternehmen?
Raatz: Selbstverständlich. Familienunternehmen machen etwa 52 Prozent der gesamtdeutschen Umsätze, wir stellen 60 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze. Familienunternehmer sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

Was unterscheidet Familienunternehmen von Konzernen?
Wir handeln langfristig. Ziel des Familienunternehmens ist es, den Betrieb an die nächste Generation weiterzugeben. Wir denken nicht in Quartalen oder Legislaturperioden, sondern weit darüber hinaus. Die meisten Unternehmer kennen all ihre Mitarbeiter persönlich.

Apropos Nachfolge – wie schwer ist die Weitergabe an die nächste Generation?
Das ist ein großes Thema. Das liegt daran, dass die Kinder der Unternehmer oft auch andere Möglichkeiten haben und sich vielleicht davor scheuen, Verantwortung zu übernehmen. Finanziell schwierig wird eine Übergabe, wenn der Staat durch die Erbschaftsteuer auf Betriebsvermögen zwischen die Generationen grätscht. Da sagen viele Nachfolger „Nein, danke.“

Was für eine Rolle spielen Familienunternehmen im Osten Deutschlands?
Da haben wir eine völlig andere Situation als in Westdeutschland. Von den 4  445 größten Familienunternehmen haben nur 300 ihren Sitz in Ostdeutschland. Der Großteil beschäftigt weniger als 20 Mitarbeiter. Die Struktur ist also sehr kleinteilig. Manche haben den Betrieb nach der Wende übernommen, weil er früher in Familienbesitz war. Die meisten sind in den 90er-Jahren neu aufgebaut worden. Viele Betriebe stehen daher erst vor dem Übergang auf die zweite Generation.

Welche strukturellen Besonderheiten gibt es im Osten?
In ostdeutschen Bundesländern lassen sich 40 Jahre DDR und damit auch Enteignung von Unternehmen nicht so leicht ungeschehen machen. Der unternehmerische Geist ist bei vielen verloren gegangen. Es fehlt die langjährige marktwirtschaftliche Tradition. Zudem haben ehemals große ostdeutsche Unternehmen nach der Reprivatisierung ihre alte Größe noch nicht wieder erreicht.

Die größte Herausforderung für Familienunternehmen?
Die Familie zusammenzuhalten und einen Nachfolger innerhalb der eigenen Reihen finden. Ansonsten ist das wie bei Konzernen auch: Globalisierung, Digitalisierung und Facharbeitermangel. Damit haben alle zu tun.

Die größten Familienbetriebe im Osten

Von den größten Familienunternehmen in Deutschland hat es gerade einmal eine Handvoll aus dem Osten auf die Liste der Top 500 des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZWE) geschafft. Und dennoch gibt es fünf Betriebe, die zwischen 2006 und 2012 zusammen immerhin mehr als 10 Prozent Beschäftigungswachstum hingelegt haben und Umsatzsteigerungen von 22 Prozent verbucht haben – von 456 Millionen Euro auf insgesamt 560 Millionen Euro.

Unter die Top 500 haben es geschafft:

  • Gegenbauer Holding aus Birkenwerder/Brandenburg: der bundesweit tätige Dienstleister hat rund 10 000 Mitarbeiter.
  • Schmidt Gruppe Entertainment GmbH Zossen/Brandenburg: Die Unternehmensgruppe beschäftigt mehr als 1500 Mitarbeiter.
  • P-D Management Industries-Technologies Wilsdruff/Sachsen: Der Fiberglas-Spezialist Preiss-Daimler zählt 2400 Mitarbeiter.
  • Bauerfeind AG Zeulenroda/Thüringen: Der Hersteller unter anderem von Bandagen für Sportler zählt rund 2000 Mitarbeiter.
  • Meyer Neptun GmbH Rostock/Mecklenburg-Vorpommern: Die Werft listet rund 3500 Beschäftigte.
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