Zerstörtes Haus : Vier Tote nach Explosion in Itzehoe

Auch in der Nacht ging die Suche weiter.
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Auch in der Nacht ging die Suche weiter.

Stundenlang suchten Helfer in den Trümmern des explodierten Hauses in Itzehoe nach verschütteten Opfern. Auch der letzte Vermisste konnte nur noch tot geborgen werden.

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10. März 2014, 09:53 Uhr

Itzehoe | Rund 16 Stunden nach der schweren Explosion in einem Mehrfamilienhaus im schleswig-holsteinischen Itzehoe haben Rettungskräfte die letzte vermisste Person nur noch tot aus den Trümmern bergen können. Es handelt sich bei dem vierten Todesopfer um einen 45-jährigen Hausbewohner, wie die Polizei in der Nacht zu Dienstag mitteilte. Bei der Explosion wurden nach Polizeiangaben zudem 15 Menschen verletzt - zwei von ihnen schweben in Lebensgefahr, zwei weitere kamen mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus.

Die Explosion hatte das Haus am Montagmorgen vollständig zerstört. Ihre Druckwelle beschädigte auch etliche angrenzende Gebäude. Rund 100 Menschen durften daher nicht in ihre Wohnungen zurück, Statiker sollten die Häuser zunächst begutachten.

Bis spät in die Nacht hatten Spürhunde und Rettungskräfte unter den Trümmern nach dem letzten Vermissten gesucht. Die Suche gestaltete sich schwierig, die Helfer mussten den Schutt teils mit bloßen Händen abtragen. Rund 365 Rettungskräfte waren im Einsatz. Polizisten sichern weiterhin die Unglücksstelle.

Die Kriminalpolizei hatte bereits am Montag Ermittlungen zur Unglücksursache aufgenommen. Auf der Straße vor dem Mehrfamilienhaus gab es Sanierungsarbeiten - anfangs war daher vermutet worden, ein Bagger habe eine Gasleitung beschädigt. Die Polizei betonte jedoch, es gebe noch keine Hinweise auf die Ursache der Explosion. Dennoch wurde nach Polizeiangaben in den Straßen rund um die Unglücksstelle das Gas abgestellt.

In dem Wohnhaus waren den Angaben zufolge elf Menschen gemeldet. Ein Toter - ein 36-Jähriger, den die Einsatzkräfte am Montagvormittag geborgen hatten - und vier Verletzte hatten in dem Haus gewohnt. Der zweite Tote, ein 58-Jähriger, war Bauarbeiter. Bei dem dritten Toten handelt es sich um einen bisher nicht identifizierten Mann, bei dem vierten um den in der Nacht geborgenen 45-jährigen Hausbewohner.

Elf Personen waren in dem zerstörten Haus in der Schützenstraße gemeldet, betroffen sind jedoch weit mehr – denn auch viele der umliegenden Gebäude in der Schützenstraße sind unbewohnbar, und in den angrenzenden Straßen bot sich ebenfalls ein Bild der Verwüstung.

Am Montag wurde neben der kompletten Schützenstraße auch die Moltkestraße westlich der Kaiserstraße bis zur Mühlenstraße sowie die Mühlenstraße zwischen Kasernen- und Moltkestraße evakuiert.

Am Abend durften sie unter Aufsicht das Notdürftigste aus ihren Wohnungen herausholen. An eine Rückkehr dorthin ist aber noch lange nicht zu denken. „Die Wohnungen sind zum Teil verheerend zerstört“, sagte Bürgermeister Andreas Koeppen, der sich selbst ein Bild davon gemacht hatte. „Sie sind nicht mehr bewohnbar, teilweise sind ganze Wände eingestürzt.“

Bis Montagnachmittag gab es bei der Stadt bereits 30 Anfragen von Betroffenen, die in Notunterkünfte gebracht werden mussten. Koeppen rechnete mit weiteren, wenn alle nach der Rückkehr von der Arbeitsstelle das Ausmaß der Zerstörung gesehen haben.

Für sie alle wurde eine Notunterkunft in einem ehemaligen Internat in Kellinghusen eingerichtet. „Dort können sie auch mehrere Tage bleiben“, so Koeppen. „Das Gebäude steht leer, ist aber in Schuss und kann auch beheizt werden.“ In Itzehoe hätten lediglich 20 Hotelzimmer zur Verfügung gestanden – und das auch nur bis Mittwoch. Betroffene können sich auch weiterhin beim Ordnungsamt Itzheoe unter 04821-603248 melden. Indes wurden bereits erste private Spenden-Aktionen initiiert.

Den Verlauf des Einsatzes können Sie im shz.de-Ticker nachlesen:

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