Explosion : Vier Tote in zerstörtem Haus in Itzehoe

Diese Aufnahme zeigt das Ausmaß der Katastrophe aus der Luft.
Foto:
1 von 8
Diese Aufnahme zeigt das Ausmaß der Katastrophe aus der Luft.

Eine Explosion erschüttert Itzehoe. Ein Mehrfamilienhaus wird zum Trümmerhaufen. Vier Menschen werden tot geborgen, zwei sind in Lebensgefahr.

svz.de von
10. März 2014, 09:53 Uhr

Itzehoe | Eine gewaltige Explosion hat ein Mehrfamilienhaus in Itzehoe komplett zerstört und vier Tote gefordert. 15 Menschen wurden laut Polizei verletzt – zwei von ihnen schweben in Lebensgefahr, zwei weitere kamen mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Auch Stunden nach dem Knall suchten Spürhunde und Rettungskräfte unter den Trümmern nach einem vermissten Hausbewohner. Gegen 1 Uhr bargen sie ihn tot. Bürgermeister Andreas Koeppen sprach von einer „Katastrophe“.

Das Haus stürzte am Montagmorgen gegen 9 Uhr völlig in sich zusammen – warum, ist bislang unklar. Zunächst hatte die Polizei von einer Gasexplosion gesprochen, diese Vermutung aber später nicht mehr aufrecht erhalten. Angrenzende Gebäude wurden ebenfalls stark beschädigt, rund 100 Menschen dürfen vorerst nicht in ihre Wohnungen zurück. „Die ganze Straße ist voller Splitter“, sagte eine Polizeisprecherin.

Ein Großaufgebot von Polizei und Feuerwehr eilte zur Unglücksstelle, Rettungshubschrauber wurden angefordert. Rund 365 Rettungskräfte waren im Einsatz. Auch viele Schaulustige versammelten sich rund um den Ort der Explosion.

Der Sprecher der Rettungsdienstkooperation, Christian Mandel, sagte: „Die Rettungskräfte sind mit Hochdruck dabei, das Trümmerfeld zu räumen.“ Teils werde der Schutt mit bloßen Händen abgetragen. Auch mit Baggern wurden Trümmerteile weggeräumt. Die Einsatzkräfte wurden bei ihrer Arbeit durch herabstürzende Teile gefährdet.

Bei der Suche nach den Vermissten schlug nach Mandels Angaben am Mittag ein Spürhund an – die Helfer konnten dort jedoch niemanden entdecken. „Die Rettungsmaßnahmen hier werden so lange fortgeführt, bis Gewissheit besteht, was mit diesen drei Personen ist“, kündigte der Sprecher an. Bis zum Abend wurden zwei der drei Vermissten tot geborgen. Bei ihnen handelte es sich laut Polizei um einen 58 Jahre alten Bauarbeiter und ein noch nicht identifizierter Mann.

In dem Wohnhaus waren den Angaben zufolge elf Menschen gemeldet. Wie viele von ihnen zum Zeitpunkt der Explosion in ihren Wohnungen waren, war zunächst unklar. Der bereits am Vormittag entdeckte Tote – ein 36-Jähriger – und vier Verletzte seien Hausbewohner, erklärte die Sprecherin. Bei den anderen Verletzten handelte es sich nach ersten Erkenntnissen um Mieter umliegender Wohnungen, möglicherweise auch um Passanten.

Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen zur Unglücksursache aufgenommen. Auf der Straße vor dem Mehrfamilienhaus gab es Sanierungsarbeiten. Nach der Explosion war anfangs vermutet worden, ein Bagger habe eine Gasleitung beschädigt. Die Polizei bestätigte dies jedoch nicht: „Es gibt noch keine Hinweise auf eine mögliche Ursache der folgenschweren Explosion.“ Dennoch wurde das Gas in den Straßen rund um die Unglücksstelle abgestellt, wie die Sprecherin berichtete. Die Druckwelle der Explosion beschädigte etliche Häuser. „In einige Wohnungen kann man hineingucken“, sagte die Polizeisprecherin.

Die Einsatzkräfte räumten mehrere Straßenzüge, Statiker sollten die Gebäude begutachten. Die rund 100 Anwohner kamen in einem ehemaligen Internat in Kellinghusen sowie in Pensionen, Hotels und bei Freunden unter. Sie sollten auch psychologische Hilfe bekommen. Am Abend gedachten rund 100 Menschen mit einem Trauermarsch der Opfer.

Den Verlauf des Einsatzes können Sie im shz.de-Ticker nachlesen:

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen