Terror in Manchester : Tote bei Ariana Grande-Konzert, IS bekennt sich

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Der Applaus ist gerade verklungen, da explodiert die Bombe. Tausende Fans des Popstars Ariana Grande rennen um ihr Leben. Es ist das blutigste Attentat in Großbritannien seit über zehn Jahren.

svz.de von
23. Mai 2017, 06:10 Uhr

Bei der blutigsten Terrorattacke in Großbritannien seit fast zwölf Jahren sind mindestens 22 Menschen und der Attentäter gestorben. Der Anschlag in Manchester traf vor allem Kinder und Jugendliche. Mehrere Besucher des Popkonzerts von Teenie-Star Ariana Grande, an dessen Ende ein mutmaßlich islamistischer Selbstmordattentäter am späten Montagabend eine Bombe gezündet hatte, wurden am Dienstag noch vermisst.

Am Abend nannte die Polizei den 22 Jahre alten Salman Abedi als Hauptverdächtigen. Medienberichten zufolge ist er in Manchester aufgewachsen. Die Terrormiliz IS behauptete, für den Anschlag verantwortlich zu sein.

Bei der Attacke starb auch ein achtjähriges Mädchen. Die Identität eines ebenfalls getöteten 18 Jahre alten Mädchens sowie eines erwachsenen Mannes (28) wurden am Dienstag ebenfalls offiziell bekannt. Mindestens 59 Verletzte kamen in Krankenhäuser, einige schwebten noch in Lebensgefahr. Etwa 60 weitere Opfer wurden rund um den Anschlagsort von Helfern versorgt, meldete die Zeitung „Manchester Evening News“ unter Berufung auf Rettungskräfte. Die Polizei bestätigte die Gesamtverletztenzahl 120 allerdings nicht.

Zu dem mutmaßlichen Attentäter gab Ermittler Ian Hopkins vorerst keine weiteren Details bekannt. Es werde geprüft, ob dieser allein gehandelt habe oder Teil eines Netzwerks gewesen sei, hieß es. Nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA kam der Hinweis auf den Mann aus den USA. Die Zeitung „Telegraph“ berichtete, Abedi sei 1994 in Manchester geboren worden. Seine Eltern, die noch zwei Söhne und eine Tochter haben, sollen Flüchtlinge aus Libyen sein.

Premierministerin Theresa May nannte die Tat besonders „abstoßend und abscheulich“. In gut zwei Wochen wählen die Briten ein neues Parlament. Der Wahlkampf wurde unterbrochen. Für Dienstagabend war eine zweite Sitzung des Sicherheitskabinetts in London geplant.

Der Attentäter habe am Ende des Konzerts einen selbstgebauten Sprengsatz hochgehen lassen, sagte May nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts in London: „Er hat Zeit und Ort absichtlich so gewählt, um das größtmögliche Blutbad anzurichten.“ Den Rettungskräften zufolge waren unter den Verletzten zwölf Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren.

Laut IS konnte ein „Soldat“ der Terrormiliz eine Bombe platzieren, Anhänger feierten dies in sozialen Netzwerken. US-Präsident Donald Trump verurteilte die Tat: „So viele junge Menschen sind von bösartigen Verlierern ermordet worden.“ Im Zusammenhang mit dem Anschlag in der „Manchester Arena“ hatte es am Nachmittag weitere Polizeieinsätze in der nordenglischen Stadt gegeben - darunter eine „kontrollierte Explosion“, die nach Informationen der Agentur PA am Haus des Verdächtigen stattfand.

Einen 23-Jährigen nahmen die Ermittler fest. Welche Verbindung er zum Attentäter hat, war am Abend noch unklar.

„Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Bevölkerung Manchesters und dieses Landes Opfer eines eiskalten terroristischen Angriffs geworden ist“, sagte May, die nachmittags mit Innenministerin Amber Rudd in Manchester ankam. Die Explosion hatte sich im Foyer der Konzerthalle ereignet, die bis zu 21 000 Besucher fasst. Zeugen berichteten von einem Knall im Eingangsbereich zwischen Halle und Victoria-Bahnhof gegen 22.30 Uhr Ortszeit (23.30 Uhr MEZ).

Augenzeugen-Berichten zufolge spielten sich anschließend dramatische Szenen ab. Besucher flüchteten in Panik, Opfer lagen blutüberströmt am Boden. „Ich sah ein kleines Mädchen (...), sie hatte keine Beine mehr“, sagte ein Zeuge dem Sender Sky News.

Im Juli 2005 hatten vier Muslime mit britischem Pass in der Londoner U-Bahn und in einem Bus Sprengsätze gezündet. 56 Menschen starben, 700 wurden verletzt. Erst vor zwei Monaten traf eine Attacke die Hauptstadt erneut, als ein Mann ein Auto absichtlich in Fußgänger auf einer Brücke steuerte und danach einen Polizisten erstach. Auch andere europäische Länder wurden immer wieder Ziel des Terrors.

In Paris erschoss im April ein Islamist einen Polizisten, im November 2015 hatte es dort eine koordinierte Anschlagsserie mit 130 Toten gegeben. Tödliche Lkw-Attentate trafen Berlin, Stockholm und Nizza.

Popstar Grande war angesichts der Ereignisse „am Boden zerstört“. „Aus tiefstem Herzen: Es tut mir so leid. Mir fehlen die Worte“, schrieb die 23-Jährige auf Twitter.

In Manchester boten Anwohner den Betroffenen Unterschlupf an; bei Twitter gab es dafür den Hashtag #roominmanchester. Im Etihad-Stadion - der Heimat des Fußballclubs Manchester City - wurde ein Notfallzentrum eingerichtet. In London und weiteren Städten wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

Queen Elizabeth II. erklärte, die ganze Nation stehe unter Schock.

Auch die Prinzen William und Harry drückten ihr Mitgefühl aus. Der Anschlag löste weltweit Betroffenheit aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich entsetzt: „Es ist unbegreiflich, dass jemand ein fröhliches Popkonzert ausnutzt, um so vielen Menschen den Tod zu bringen oder ihnen schwere Verletzungen zuzufügen.“ Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer sagten eine Wahlkampf-Veranstaltung ab.

Trotz des Brexits müssten die EU und Großbritannien Partner bleiben, meinte die Kanzlerin mit Blick auf den Anschlag: „Gerade an einem solchen Tag wie heute, an dem wir der Opfer von Manchester gedenken, wird uns das noch einmal deutlich, wie eng wir miteinander verbunden sind.“ Der britische Botschafter in Berlin, Sebastian Wood, erklärte: „Wir alle stehen jetzt den Bürgern von Manchester bei. Eine ähnliche Solidarität und Anteilnahme habe ich auch hier erfahren. Dafür bin ich unseren deutschen Freunden und Partnern von Herzen dankbar.“ Der IS reklamierte bereits mehrere Anschläge in Europa für sich. Sie sind eine Reaktion auf den militärischen Druck, unter dem die Extremisten im Irak und in Syrien stehen. Dort rief der IS 2014 ein „Kalifat“ aus, verlor mittlerweile aber große Gebiete.

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