Hintergrund : So können Sie Flüchtlingen helfen

Über Spielsachen freuen sich Flüchtlingskinder auch.    

Über Spielsachen freuen sich Flüchtlingskinder auch.    

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18. August 2015, 21:00 Uhr

Wenn Flüchtlinge nach Deutschland kommen, haben sie oft alles verloren. Sie sind dringend auf Hilfe angewiesen. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, etwas zu tun. Auf dieser und der gegenüberliegenden Seite finden Sie Anregungen, wie jeder helfen kann, und Beispiele für private Initiativen.

Arbeit

Nach dreimonatigem Arbeitsverbot steht Flüchtlingen der Weg zur Arbeit prinzipiell offen, erläutert Pro Asyl. Dann brauchen sie allerdings noch eine Genehmigung der Ausländerbehörde.

Ausnahme: Bestimmte Tätigkeiten wie Praktika und eine Berufsausbildung sind für Asylbewerber und Geduldete zustimmungsfrei, erklärt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Wer einen Flüchtling bei sich einstellen möchte, muss allerdings beachten, dass dieser in der Regel einen „nachrangigen“ Zugang zum Arbeitsmarkt hat. Das Arbeitsamt prüft, ob für die Stelle ein passender Bewerber aus Deutschland oder der EU infrage kommt. Über den Flüchtlingsrat kann aber jeder, der eine Stelle anbieten möchte, nach Ansprechpartnern fragen. Die Online-Plattform workeer.de hilft bei der Arbeitsvermittlung von Flüchtlingen.

Behördengänge

Der Weg zu Behörden ist für Flüchtlinge oft ein großes Hindernis – auch dabei können Ehrenamtliche helfen. Diese sollten zwar Erfahrung im Umgang mit Behörden mitbringen, brauchen aber selbst kaum Kenntnisse in Asyl- und Aufenthaltsrecht, sagt Bernd Mesovic von Pro Asyl. Vielmehr sind die Ehrenamtlichen oft eine wichtige Schnittstelle zwischen professionellen Beratern und Flüchtlingen. Gibt es beispielsweise aufenthaltsrechtliche Probleme, sollten die Helfer den Flüchtling zu einer Beratungsstelle begleiten.

Sachspenden

Ob Kleidung und Spielzeug gebraucht werden, ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Meistens sind solche Sachspenden aber sehr willkommen. Oft nehmen Caritas, Diakonie oder andere Wohlfahrtsverbände die Spenden an und vermitteln sie weiter.

Unterkunft

Um Flüchtlinge bei sich aufzunehmen oder eine Wohnung zur Verfügung zu stellen, gibt es zwei Wege: Zum einen kann man bei der zuständigen Behörde – meist das örtliche Sozialamt – den Wohnraum anbieten. Dann schließen Vermieter und Behörde einen Mietvertrag ab. Die Behörde entscheidet, welche Flüchtlinge einziehen und übernimmt die Kosten.

Der zweite Weg: Wer beispielsweise eine Flüchtlingsfamilie kennt, die er aufnehmen möchte, kann direkt mit ihr einen Mietvertrag abschließen. Dafür muss sich der Flüchtling selbst bei der Behörde melden und einen Antrag für den Umzug stellen. Diese muss zustimmen, dass derjenige am gewünschten Ort und  in einer privaten Unterkunft wohnen darf. Unter www.proasyl.de  listet der Verein Pro Asyl weitere Informationen hierzu auf.

Sprache

In etlichen Städten haben sich Initiativen gegründet, über die Ehrenamtliche Flüchtlingen Deutsch beibringen. Oft sind das laut Pro Asyl beispielsweise pensionierte Lehrer. Die Lehrer müssen nicht unbedingt die Muttersprache der Flüchtlinge können – ideal ist aber, wenn andere Flüchtlinge dabei sind, die schon etwas Deutsch sprechen und die bei der Verständigung helfen.

Im Internet oder über den Flüchtlingsrat lässt sich herausfinden, ob es bereits solche Initiativen im eigenen Umfeld gibt. Falls nicht, raten die Experten von Pro Asyl dazu, Kontakt zu einer Initiative in der Region herzustellen. Sie kann beim Aufbau eines eigenen Projektes helfen.

Vormundschaft

Kommt ein Kind ohne seine Eltern nach Deutschland, braucht es einen Vormund. Oft sind das Amtsvormünder, da sich viel zu wenige passende Privatpersonen finden. Ein Vormund trägt eine riesige Verantwortung – für ein möglicherweise traumatisiertes Kind:  Der junge Flüchtling braucht eine Unterkunft, eine Schule, und der Vormund sollte ihn während seines Asylverfahrens begleiten.

Zugleich sei man als Vormund Anlaufstelle bei allen persönlichen Sorgen und Problemen, erklärt der Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge auf seiner Website. Beispielsweise das Projekt „Do it!“ der Diakonie Wuppertal will ehrenamtliche Vormünder gewinnen und schulen.

Medizinische Versorgung

Ärzte, Zahnärzte und Pflegepersonal können mit ihrem Wissen helfen. Die Gesundheitsversorgung der Flüchtlinge ist kompliziert, daher können kostenlose Sprechstunden in Flüchtlingsunterkünften sehr hilfreich sein. Ärzte, die so etwas anbieten möchten, sollten das vorher mit den zuständigen kommunalen Behörden abklären.

Freizeit und Sport

„Freizeitangebote sind besonders für Kinder wichtig, damit sie aus den oft tristen Unterkünften herauskommen“, sagt Bernd Mesovic. Aber auch Erwachsenen hilft es, aktiv zu sein und dabei andere Menschen zu treffen. So gibt es in verschiedenen Sportvereinen bereits Angebote – wer helfen möchte, kann sich bei örtlichen Vereinen melden, ob es schon Projekte für Flüchtlinge gibt.

Wer beispielsweise als Fußballtrainer aktiv ist und Flüchtlingen das Mitspielen ermöglichen will, kann sich beispielsweise an die Ansprechpartner des Bundesprogramms Integration durch Sport wenden.

Internet

Hunderte Flüchtlinge  bekommen von Hilfsinitiativen einen kostenfreien Internetzugang gestellt. Die Initiative „Freifunk Dortmund“ etwa hat WLAN-Router für mehr als 400 Flüchtlinge installiert. „Die neue Sprache lernen, sich in der Stadt orientieren, Behördengänge vorbereiten – da hilft das Internet sehr“, sagte Sven Borchert von den Freifunkern. Laut dem Blog „Netzpolitik.org“  stellen nur etwa 15 Prozent der Unterkünfte Flüchtlingen einen Internetzugang.

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