Neo Magazin Royale : #Reichspark: Jan Böhmermann inszeniert NS-Freizeitpark

Satiriker und Journalist Jan Böhmermann (rechts im Bild) hat mit seinem Team vom Neo Magazin Royale die NS-Doku inszeniert.

Satiriker und Journalist Jan Böhmermann (rechts im Bild) hat mit seinem Team vom Neo Magazin Royale die NS-Doku inszeniert.

Geschichtsvermittlung und Gesellschaftskritik: Nicht alles an der ZDF-Dokumentation ist ein Fake.

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17. November 2017, 19:00 Uhr

Jan Böhmermann ist bekannt für große Mediencoups. Jetzt hat er sich einmal mehr selbst übertroffen: In der jüngsten Ausgabe des „Neo Magazin Royale“ hat der Satiriker im Stil einer Dokumentation die Planungen für einen NS-Themenpark inszeniert. Aber nicht alles in seiner Doku über den vermeintlichen „Reichspark“ ist ein Fake. Wie Böhmermann Geschichtsvermittlung und Gesellschaftskritik verbindet:

Regelmäßig knöpft Böhmermann sich in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ öffentliche Persönlichkeiten vor. Zuletzt war Carsten Maschmeyer dran - in einem 17-minütigen Beitrag zerlegte er den Finanzunternehmer fein säuberlich mit früheren Videos und Beiträgen. Donnerstagabend ist die Sendung aus ihrem üblichen Show-Format ausgebrochen. Stattdessen flimmerte online und beim Spartensender ZDF Neo ein Beitrag unter dem Titel „Unternehmen Reichspark“. Ein Film über die Planungen des „Reichsparks“, ein Freizeitpark, der die NS-Geschichte erlebbar machen soll. Samt Zeppelin-Flug, Erlebnis-Knast, Reichskristallnacht und KZ-Bereich.

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Jan Böhmermann und Ralf Kabelka, Böhmermanns Co-Moderator, durchleuchten darin die Machenschaften des Unternehmers „Raphael Gamper“. Sie interviewen ihn zu seinem Vorhaben, begleiten ihn auf eine Freizeitparkmesse und knacken sogar sein E-Mailkonto. Der interessierte Zuschauer findet online eine Webseite seines Unternehmens HG Businessconsult - das Team vom Neo Magazin hat an alles gedacht. Denn während die Aufdeckungen über Maschmeyer und Co. fein säuberlich recherchiert sind, ist der Reichspark ein gut inszenierter Fake. Mockumentary werden solche fiktiven Dokumentationen auch genannt. Kurz nachdem die Doku am Donnerstag online gegangen ist, kursieren bei Twitter unter dem Hashtag Reichspark Fotos von Piet Fuchs. Der Schauspieler ist bekannt aus Filmen wie „Er ist wieder da“ und „Fraktus“. Und nun spielt er den wahnsinnigen Projektentwickler und Unternehmer „Raphael Gamper“.

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In ihrer Doku spannen Böhmermann und Kabelka den Bogen von ihren Groß- und Urgroßvätern, die selbst Teil als Teil der Waffen-SS und Wehrmacht im Nationalsozialismus aktiv waren, auf. Außerdem - und das ist der wahre Teil der Doku - besuchen sie ein Foltergefängnis in Lettland, in dem Gäste die Flucht aus der UdSSR nacherleben sollen. Sie sprechen mit einem italienischen Entwicklerteam, dass mit einem 360 Grad-Video das Konzentrationslager Auschwitz originalgetreu nachempfunden hat und Zuschauern mit Hilfe von VR-Brillen ermöglichen möchte, sich in die Position früherer KZ-Häftlinge hineinzuversetzen. Sie besuchen den Ort Pickering in Großbritannien, wo einmal im Jahr das Wartime Weekend zelebriert wird und die Teilnehmenden sich als britische Soldaten und Mitglieder der Waffen-SS verkleiden.

Und sie unterfüttern ihren Film mit Videos von AfD-Politikern. In einem davon sagt Alexander Gauland zum Beispiel Mitte September 2017:„Man muss uns diese zwölf Jahre jetzt nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr“, und bezieht sich damit auf das Dritte Reich. Und von Alice Weidel heißt es: „Wir haben eine stolze Geschichte, auf die wir zurückblicken können.“ Böhmermann lässt dazu den (ebenfalls echten) Historiker Prof. Dr. Constantin Goschler von der Ruhr-Universität zu Wort kommen. Der ordnet den Wunsch nach dem Ende der Erinnerungskultur ein und sagt: Die Auseinandersetzung damit sei unangenehm. „Es ist so etwas wie eine narzisstische Kränkung, das hier ständig an etwas erinnert wird, was das Selbstwertgefühl beschädigt.“

Mit all diesen echten Beiträgen scheint der Reichspark gar nicht so abwegig zu sein. Und das ist das erschütternde an dem Film. Böhmermann ist damit einmal mehr der Hofnarr der Bundesrepublik und hält ihr - nach dem Bundestags-Einzug der AfD mit 12,6 Prozent im September - den Spiegel vors Gesicht. 

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