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Wunderkind Kleine Miss Mozart

Von Jochen Wittmann | 22.11.2015, 09:00 Uhr

Alma Deutscher ist ein Wunderkind aus England. Die zehnjährige Britin hat schon zwei Opern komponiert.

Die meisten Kinder in ihrem Alter hätten Schwierigkeiten, während einer Oper still sitzen zu bleiben. Alma Deutscher dagegen hat schon eine komponiert, nein: zwei Opern sind es mittlerweile. Die zehnjährige Britin kann darüber hinaus ein gutes Dutzend weiterer klassischer Kompositionen vorweisen, u.a. Klaviersonaten, Geigenkonzerte und Kammermusik. Zur Zeit arbeitet sie an ihrer ersten Sinfonie und einem Pianokonzert. Das Wunderkind aus Dorking in der Grafschaft Surrey lebt für die Musik. Kein Wunder, dass man sie „kleine Miss Mozart“ nennt.

Ihren Eltern fiel die erstaunliche Begabung ihrer Tochter auf, als Alma erst zwei Jahre alt war. „Da begann sie mit dem Klavierspiel", sagt Guy Deutscher, der selbst Amateurflötist ist, „und uns wurde klar, dass sie ein absolutes Gehör hat.“ Zu ihrem dritten Geburtstag bekam Alma eine Violine und verliebte sich sofort in das Instrument. Innerhalb eines Jahres konnte sie Händel-Sonaten spielen. Mittlerweile, im Alter von fast elf Jahren ist sowohl ihr Geigen- wie ihr Klavierspiel auf Musikhochschulniveau. Sie bestreitet regelmäßig Konzerte, aber nicht zu oft, wie ihr Vater unterstreicht, denn zum Stress soll das Auftreten nicht ausarten. Ende November wird Alma Deutscher erstmals in Deutschland beim Verbiers Festival auf Schloss Elmau auftreten.

Die Fachwelt ist erstaunt. Junge oder auch sehr junge Klavier- und Geigenspieler von Konzertreife sind nicht selten, aber Kinder, die darüber hinaus komponieren können, schon. Als Alma im Alter von sieben Jahren ihre erste Oper „Der Traumfeger“ schrieb, reichte sie das Stück anonym bei einem Wettbewerb der „English National Opera“ ein. Es erhielt eine besondere Erwähnung. Ihre jüngste Oper „Cinderella“ wurde im Juli in Israel uraufgeführt. Sie hat eine CD mit ihrem bisherigen Werk herausgebracht – „The Music of Alma Deutscher“, und es gibt auch einen eigenen YouTube-Kanal, auf dem sie ihre jüngsten Werke postet. Wie die „Times“ wusste, ist Sir Simon Rattle, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, auf Alma Deutscher aufmerksam geworden und würde sie gern kennenlernen.

Von ihrem großen Talent abgesehen, ist Alma ein ziemlich normales Mädchen, das schöne Kleider mag, mit ihrer jüngeren Schwester ins Baumhaus steigt und dort gern vor sich hin träumt. Da kämen ihr die besten Ideen, sagt sie. Sie habe ein Fantasie-Land namens Transsylvanien, „und da leben eine Menge Komponisten, die alle in verschiedenen Stilen komponieren – einige romantisch wie Schubert, andere mehr klassisch wie Mozart. Ich höre mir ihre Melodien an, spiele sie auf dem Klavier nach und denke mir: Das ist schön, das stehle ich.“