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Wochenend-Interview Ludwig Trepte Ein starker Typ

Von Redaktion svz.de | 27.11.2015, 10:38 Uhr

Schauspieler Ludwig Trepte über seinen Vater, seine Tochter und seine Rolle als Soldat in „Deutschland 83“

1,68 Meter: Ludwig Trepte ist ein ziemlich kleiner Mann – aber auf dem besten Weg, ein ganz großer Schauspieler zu werden. Mit zwölf stand er zum ersten Mal vor der Kamera, mit 27 hat er bereits zwei Grimme-Preise, eine Goldene Kamera und etliche weitere Trophäen gesammelt. Seit 26. November ist er in der aufsehenerregenden achtteiligen RTL-Serie „Deutschland 83“ zu sehen.

Was hat er gemacht?
Erst mal hat er versucht, eine Kneipe zu eröffnen – das „Versteck 13“ in einem Hinterhof. Die wurde aber aus bürokratischen Gründen nicht genehmigt. Dann hatte er in Dresden und Görlitz Musical Engagements – wie zum Beispiel die Rocky Horror Picture Show, das lief eine Zeit lang ganz gut, dazu tourte er noch mit seinen Bands – das hielt ihn erst mal über Wasser.

Welche seiner Anekdoten haben Sie geliebt?
Die vom Tourleben. Er war ja jemand, der sehr jung eine steile Karriere machte und mit Anfang 20 viel mehr verdiente als andere Staatsbürger der DDR. Dadurch ist er irgendwann auch dem Größenwahn verfallen. Diese Anekdoten waren für einen jungen Kerl wie mich natürlich spannend – das war ein Leben, das sich vielleicht jeder insgeheim mal wünscht, aber auch nicht traut, weil es vielleicht moralisch nicht ganz richtig ist. Aber eben spannend.

Sie drehen heute viele geschichtsträchtige Stoffe – „Unsere Mütter, unsere Väter“, „Bornholmer Straße“ und jetzt „Deutschland 83“. Das Drehbuch zu „Unsere Mütter, unsere Väter“ haben Sie im KZ Sachsenhausen gelesen – wieso das?
Als Schauspieler sucht man immer nach Futter, um einer Figur näher zu kommen, die anfangs ja nicht mehr ist als ein Skelett. Ich muss also sehen, was diese Figur für mich lebendig und greifbar macht. Deshalb habe ich versucht, dort eine Atmosphäre zu erschaffen, um diesem Menschen näher zu kommen. Ich glaube nicht, dass ich wirklich nachvollziehen kann, was damals mit den Juden geschehen ist, aber ich wollte mein Bestes dafür geben und diesem Leid gerecht werden. Alles andere wäre vorgeplänkelte Scheiße, das wäre nicht fair. Ich habe versucht, die Schreie der Menschen zu rekonstruieren, mir vorzustellen, wie sie da gelebt haben. Das ist wahnsinnig bedrückend.

Gab es für „Deutschland 83“ eine ähnliche Vorbereitung?
Nicht so speziell. Da hatten wir Nato-Experten und Militärberater während der Leseproben am Set. Ansonsten habe ich versucht, mich in die Historie hineinzugraben und die damaligen Umstände zu verstehen: Was ist damals passiert, wie ist es passiert? Nicht nur eine Seite beleuchten, sondern auch die andere.

Wofür war es gut, dass am Set Militär- und Nato-Experten anwesend waren?
Während der Leseproben gab es natürlich viele Fragen speziell von uns jungen Schauspielern, die diese Zeit ja nicht bewusst mitbekommen haben und eigentlich nur aus dem Schulunterricht kennen, wo es relativ schnell abgefertigt wurde. Außerdem waren etliche von uns ja nicht bei der Bundeswehr und mussten jetzt wissen, wie man ein Gewehr hält, wie man militärisch grüßt und so weiter. Es muss tatsächlich so aussehen, als wäre ich der Sohn eines Bundeswehr-Generals, und das lässt sich nicht einfach dadurch herstellen, dass ich ans Set gehe und Uniform trage.

„Deutschland 83“ ist ja nicht gerade typisch RTL – haben Sie sich gewundert, dass der Stoff nicht für einen öffentlich-rechtlichen Sender umgesetzt wird?
Ja, natürlich. Das war erst mal verwunderlich für mich, damit hatte ich nicht gerechnet. Aber dann habe ich erfahren, dass sich RTL komplett neu aufbaut und umstrukturiert. Und das machen die sehr gut, mit spannenden Themen und Projekten. RTL ist sehr mutig geworden, auch was die Besetzungen angeht.

Spätestens seit „Unsere Mütter, unsere Väter“ sind Sie so etwas wie ein Filmstar. Werden Sie auf der Straße erkannt?
Ja, das passiert schon mal. Manche gucken nur, andere kommen direkt zu mir und fragen, ob ich es wirklich bin, manche bleiben lange stehen, drehen sich immer wieder um und tuscheln, manche zwinkern mir im Vorbeigehen zu. Das hat auch immer mit dem Ort zu tun, wo ich gerade bin. Hier in Berlin ist es relativ egal, hier sieht man ständig jemanden, den man irgendwoher kennt. In kleineren Städten oder auf dem Land ist es akuter, da wird dann auch mal gleich gefacebookt.

Müssen Sie viele Selfies mit Fans machen?
Manchmal. Mit mir kann man sich nicht so rühmen wie mit anderen Kollegen, ich bin nicht so der Teenager-Star. Aber natürlich gibt es das, ich finde das auch okay, nur eben nicht in jeder Situation. Manche Menschen sind da etwas taktlos. Wenn ich beispielsweise mit meiner Tochter unterwegs bin, will ich auch meine Privatsphäre.