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Komödie „Jagdsaison“ ab nächster Woche im Kino Almila Bagriacik hat für neue Rolle zehn Kilo abgenommen

Von Joachim Schmitz | 11.08.2022, 14:05 Uhr

Almila Bagriacik musste schon vor dem Beginn der Dreharbeiten für ihren neuen Film einiges leisten. Vom Spielen hat sie aber nicht genug: Sie will noch lange weiter machen - auch beim Tatort.

Die Schauspielerin Almila Bagriacik, 32, ist von ihrer Rolle in der Kinokomödie „Jagdsaison” schon vor den Dreharbeiten „komplett beansprucht” worden: „Es war ein ‚all in’, ich musste alles geben,” sagte sie unserer Zeitung. „Ich habe angefangen, mit meiner Personal Trainerin Dany zu arbeiten, habe in anderthalb Monaten zehn Kilo abgenommen und mir Muskelmasse erarbeitet, parallel habe ich ein Waffentraining gehabt und musste auch noch zu Maniküre und Pediküre - mein Terminkalender sah ziemlich witzig aus.”

Lachanfall schwer zu spielen

Komödie müsse man als Schauspieler auf jeden Fall sehr ernst nehmen, sagte Bagriacik weiter: „Es macht sehr viel Spaß, aber man muss die Komödie auch nicht immer mitspielen. Ich finde, je ehrlicher man spielt, desto absurder und witziger wird es. Bei Komödie geht es sehr viel um Rhythmus. Den muss man für die Szenen einhalten, damit die Pointe funktioniert. Menschen zum Weinen zu bringen ist ein  bisschen einfacher als sie zum Lachen zu bringen. Und noch viel schwieriger ist es, einen Lachanfall zu spielen. vor allem, wenn man schon 15 Takes gemacht hat.”

„Jagdsaison” kommt am kommenden Donnerstag in die Kinos. Bagriacik spielt darin Bella, eine Frau, die immer versucht habe, die Beste zu sein und sich ganz viel Mühe zu geben: „Man kann schnell dazu neigen, sie als Frau aus Stahl darzustellen.” Regisseur Aron Lehmann habe dann zu ihr gesagt: „Almila, privat bist Du doch auch manchmal ein bisschen ungeschickt. Schenk das doch mal der Bella, sonst wird sie unsympathisch. “ Dann habe ich mich immer mehr getraut, auch einen Teil von mir in Bella einfließen zu lassen, die aber ummantelt ist von dieser Perfektion.

So lange beim Tatort bleiben, wie es geht

Die 32-Jährige äußerte im Interview auch den Wunsch, möglichst lange Teil des Kieler Tatort-Teams bleiben: „Ich möchte gerne mit dem Tatort alt werden. Ich finde es schön, eine Rolle über sehr lange Zeit zu entwickeln und später die Leute sagen zu hören: Die Sahin, das war mal eine richtig coole Sau,” sagte sie unserer Zeitung. Im Tatort aus Kiel spielt Bagriacik an der Seite von Axel Milberg die Ermittlerin Mila Sahin.

Ihr sei es wichtig, „dabeizubleiben und ein großes Publikum zu erreichen, weil wir wichtige Themen behandeln,” fügte die 32-Jährige hinzu. „Deshalb komme ich gerne auch mit den Zuschauern in eine Kommunikation und führe das nach der Ausstrahlung über Instagram auch weiter. Da gehe ich dann live, die Zuschauer können Fragen stellen und da hole ich mir auch gerne die Kritik ab, sei es positiv oder  negativ. Wenn es konstruktiv ist, versuche ich auch immer, es in der  nächsten Folge zu berücksichtigen.”

Schauspielern hilft gegen Vorurteile

In ihrer Berliner Schrebergartensiedlung seien viele Nachbarn Tatort-Fans, erzählte Bagriacik weiter. Deshalb habe sie schon überlegt, „ob ich nicht eine Tatort-Flagge hochziehe und wir gemeinsam ein Public Screening machen. Bei uns wohnen auch ehemalige LKA-Beamte, die jetzt Rentner sind und den Tatort auf seine Glaubwürdigkeit überprüfen. Sie lieben Axel Milberg und finden es deshalb auch toll, dass ich ausgerechnet im Kieler Tatort mitspiele”.

Sie schätze den Tatort aber auch, „weil ich damit bei einem Zehn-Millionen-Publikum vermutlich auch Menschen erreiche, die Angst vor dem Fremden haben. Und ich möchte sie erreichen und ihnen diese Angst nehmen”.

„Früher fühlte ich mich davon angegriffen, wenn mich jemand fragte, wo ich herkomme.“
Almila Bagriacik
Schauspielerin

Insgesamt glaube sie nicht, das Deutschland in den letzten Jahren fremdenfeindlicher geworden sei, sagte die im Alter von fünf Jahren mit ihren Eltern aus der Türkei nach Berlin übergesiedelte Schauspielerin: „Es hat sich meiner Meinung nach in alle Richtungen intensiviert. Auf der einen Seite wächst viel Liebe, Offenheit und Interesse an Unterschiedlichkeit und auf der anderen Seite kommen Angst, Unsicherheit und Frustration auf. Ich versuche, dieses Thema nicht mehr so emotional zu betrachten, weil ich merke, dass es viel mit mir macht. Es hilft mir, nicht alles zu generalisieren, sondern zu versuchen, das Herz der Menschen zu sehen und zu hören. Früher fühlte ich mich davon angegriffen, wenn mich jemand fragte, wo ich herkomme. Aber ich möchte aus dieser Haltung raus und will nicht, dass alles gleich einen rassistischen Ton bekommt, wenn es aus positivem Interesse entsteht, weil es nicht dem eigentlich Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit dient.”

Das Interview in voller Länge gibt es hier.

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