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Terror in London : Polizei gibt Namen von Attentäter bekannt

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Im Zentrum von London rast ein Autofahrer in Fußgänger, attackiert einen Polizisten mit einem Messer. Fünf Menschen werden getötet und 40 verletzt, darunter ein Deutscher. Der Attentäter soll laut Scotland Yard vom „internationalen Terrorismus inspiriert“ gewesen sein.

svz.de von
erstellt am 22.Mär.2017 | 15:57 Uhr

Bei dem Attentäter von London handelt es sich um einen 52-jährigen Mann namens Khalid Masood aus Mittelengland. Das teilte Scotland Yard am Donnerstag mit. Er sei der Polizei bereits aufgrund von Gewaltdelikten und unerlaubtem Waffenbesitz bekannt gewesen, hieß es in einer Mitteilung weiter. Eine Verurteilung wegen terroristischer Aktivitäten habe es nicht gegeben.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Terroranschlag für sich beansprucht. Ein „Soldat“ des IS habe die Operation ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amak am Donnerstag über das Internet unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise der Extremisten. Der Angreifer sei damit Aufrufen gefolgt, Bewohner von Staaten der internationalen Koalition anzugreifen. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht überprüfen. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle verbreitet. Auf diesem Weg hatten sich die Extremisten auch zu anderen Attentaten in Europa bekannt.

Bei dem Anschlag am Mittwoch waren vier Menschen getötet worden, darunter auch der Attentäter. Der Täter hatte zunächst Menschen auf der Westminster-Brücke nahe dem Parlament mit einem Auto umgefahren. Anschließend verletzte er einen Polizisten mit einem Messer tödlich, bevor er selbst erschossen wurde.Etwa 40 Menschen wurden von ihm verletzt. Darunter waren laut Premierministerin Theresa May auch ein Deutscher sowie drei Schüler aus Frankreich. Der Angreifer sei in Großbritannien geboren worden.

Nach dem Terroranschlag in London hat die Polizei bei mehreren Razzien im Land acht Personen festgenommen. In London, Birmingham und anderen Orten seien Wohnungen durchsucht worden, teilte ein Sprecher von Scotland Yard am Donnerstag mit. In welcher Beziehung die Festgenommenen zu dem Täter stehen, sagte er nicht. „Wir gehen immer noch davon aus, dass der Angreifer ein Einzeltäter war“, sagte der Polizeisprecher.

Anteilnahme auch aus Deutschland

Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonierte am späten Abend mit der britischen Premierministerin Theresa May und sprach ihr und allen Briten ihre Anteilnahme aus, wie Regierungssprecher Steffen Seibert per Twitter mitteilte. Gleich nach dem Anschlag hatte Merkel erklärt, dass Deutschland im Kampf gegen jede Form von Terrorismus „fest und entschlossen an der Seite Großbritanniens“ stehe. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte: „In diesen Stunden sind wir Deutsche dem britischen Volk in besonderer Weise verbunden.“

May kündigte an, dass die Terrorwarnstufe trotz des Anschlags nicht erhöht wird. Den Anschlag bezeichnete sie als „krank und verkommen“. Das Leben werde wie gewohnt weitergehen.„Morgen früh wird das Parlament zusammentreten wie immer.“ Nach der aktuellen Warnstufe in Großbritannien gilt ein Anschlag bereits als „sehr wahrscheinlich“.

Fotos, Videos und Zeugen gesucht

Die Polizei rief Zeugen auf, Filmaufnahmen und Fotos an die Ermittler zu senden. Zugleich bat sie Augenzeugen um Zurückhaltung. Sie sollten keine Bilder und Videos von Verletzten in Umlauf bringen.

Kommentar „Europa im Fadenkreuz“ von Tobias Schmidt

Wieder erschüttern Anschläge Europa. Wieder gibt es Verletzte und Tote. Erst vor wenigen Tagen war ein größerer Anschlag am Pariser Flughafen Orly verhindert worden. Und am Tag, an dem Unbekannte in London zuschlugen, gedachten die Menschen in Brüssel der 35 Toten des Doppel-Anschlags vor genau einem Jahr. Europa ist schon lange im Fadenkreuz des islamistischen Terrors. Die Attacke auf den Berliner Weihnachtsmarkt liegt gerade erst drei Monate zurück.

Wer gehofft hatte, die Zurückdrängung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in Syrien und dem Irak führe dazu, die Terrorgefahr einzudämmen, wird eines besseren belehrt: Der gewalttätige Islamismus breitet sich weiter aus. Es rächt sich, dass die Staatengemeinschaft tatenlos zugesehen hat, wie der IS jahrelang im Mittleren Osten Kraft sammeln, Menschen in Europa in seinen Bann ziehen und zu Terroristen ausbilden konnte.

Die Meldungen aus dem Londoner Regierungsviertel – einem der bestbewachten Orte Europas, seit die Stadt vor zwölf Jahren zum Ziel von Anschlägen geworden war – machen aufs Neue bewusst, dass der Terror überall zuschlagen kann. Sich dennoch nicht verunsichern zu lassen, lautet das Gebot der Stunde.

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