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Satiremagazin Charlie Hebdo : Zwölf Tote bei Schießerei - weltweiter Schock

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Bei einem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ sind zwölf Menschen getötet worden. In Paris herrscht höchste Terrorwarnstufe. Die Täter gingen äußerst brutal vor.

svz.de von
erstellt am 07.Jan.2015 | 12:30 Uhr

Bei einem Anschlag auf das religionskritische französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris sind am Mittwoch mindestens zwölf Menschen getötet worden. Die beiden Täter schossen unter anderem mit einer Kalaschnikow in den Redaktionsräumen um sich. Präsident François Hollande eilte sofort zum Tatort.

Neben den zwölf Toten habe es vier Schwerverletzte gegeben, sagte Hollande. Unter den Opfern soll mindestens ein Polizist sein; auf Fernsehbildern war ein Polizeiwagen mit Einschusslöchern zu sehen. Die beiden bewaffneten Täter konnten anscheinend fliehen.

Absolut grausam das Vorgehen der Attentäter: Ein im Web kursierendes Video zum Anschlag (liegt uns vor, wir veröffentlichen es aus Pietätsgründen aber NICHT) zeigt Szenen des Überfalls sowie die regelrechte Hinrichtung eines Menschen auf offener Straße.

Überaus makaber angesichts des fast zeitgleichen Terroranschlags in Paris erscheint derweil im Nachhinein der letzte, um 11:28 Uhr von Charlie Hebdo abgesetzte Tweet:

Die Karikatur mit den sinngemäß übersetzten Worten “Beste Wünsche übrigens.” lässt den abgebildeten IS-Anführers Abu Bakr al-Baghdadi sagen: “Und vor allem Gesundheit!”

Angesichts des „Terroraktes“ rief Hollande die Nation zur Einheit auf. Diese „Barbarei“ sei ein „Schock für Frankreich“, sagte der Sozialist. Er berief eine Krisensitzung des Kabinetts ein. Für den Großraum Paris wurde sofort die höchste Sicherheitsstufe ausgerufen.

Viele Kolleginnen und Kollegen twittern aktuell vom Geschehen rund um die Redaktion von Charlie Hebdo. Eine von ihnen, Kim Willsher, zitiert Polizeisprecher mit den Worten: "Ein Blutbad wie dieses haben wir seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gesehen."

Erst am Mittwoch war die aktuelle Ausgabe des Wochenmagazins erschienen. Auf dem Titelbild ist der Schriftsteller Michel Houellebecq, der derzeit mit dem Roman „Soumission“ (Unterwerfung) über Frankreich unter einem islamischen Präsidenten für Furore sorgt.

„Charlie Hebdo“ war mehrfach wegen Mohammed-Karikaturen in die Kritik geraten. Bereits im November 2011 waren nach der Veröffentlichung einer „Scharia“-Sonderausgabe mit einem „Chefredakteur Mohammed“ die Redaktionsräume in Flammen aufgegangen. Die Internetseite war zudem mehrfach von Hackern angegriffen worden.

Der Terroranschlag löste international Betroffenheit aus. „Diese abscheuliche Tat“ sei ein Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sprach von einem abscheulichen Angriff auf die Pressefreiheit. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker verurteilte die Tat als „Barbarei“, der britische Premier David Cameron nannte sie „ekelerregend“.

Trauer und Bestürzung im Netz nach Terroranschlag: „Je Suis Charlie“

Kurz nach dem Terroranschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris haben im Netz Hunderttausende Nutzer ihre Trauer und Bestürzung zum Ausdruck gebracht. Die offizielle Facebook-Seite des religionskritischen Magazins verzeichnete am Mittwoch einen sprunghaften Anstieg von „Gefällt mir“-Bekundungen.

Zehntausende Twitterer bekundeten auf dem Kurznachrichtendienst ihre Solidarität mit den Opfern etwa unter dem Stichwort (Hashtag) #CharlieHebdo oder #Hebdo. Manche teilten lediglich drei Worte in großen Lettern: „Je Suis Charlie“ (Ich bin Charlie).

Auch eine Reaktion des Cartoonisten Robert Mankoff vom amerikanischen Magazin „The New Yorker“ wurde vielfach geteilt. Über einem komplett leeren Feld heißt es in zwei Zeilen übersetzt „Bitte genießen Sie diesen kulturell, ethisch, religiös und politisch korrekten Cartoon verantwortungsvoll“. Manche Twitterer diskutierten auch darüber, ob nicht jene Karikatur jetzt erst recht verbreitet werden sollte, welche die Terroristen wohl zum Anlass des verheerenden Anschlags mit mindestens 12 Toten genommen haben. Ein anderer Twitter-Nutzer wendet ein, er würde so etwas - in die Rolle eines Chefredakteurs versetzt - verantwortungslos finden.

Auch viele Muslime zeigten sich bestürzt. „Als Muslim finde ich den Mord an unschuldigen Menschen verabscheuungswürdiger als jeden Cartoon, den ich jemals gesehen habe“, schreibt etwa Zainab Akhtar auf Twitter. Eine andere Frau namens Farran Nehme schrieb: „Meine Familie ist französisch. Meine Familie ist muslimisch. Ich bin Journalistin. Wir sind betrübt.“

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