Weltflüchtlingstag : „Zwei Menschen pro Atemzug“

Flüchtling im Aufnahmelager Idomeni (Griechenland) am Zaun an der griechisch-mazedonischen Grenze
Flüchtling im Aufnahmelager Idomeni (Griechenland) am Zaun an der griechisch-mazedonischen Grenze

Blutige Konflikte vertreiben immer mehr Menschen. Die UN beklagen einen neuen traurigen Rekord

svz.de von
20. Juni 2016, 17:00 Uhr

Mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht: Blutige Konflikte und brutale Verfolgung in etlichen Ländern haben mehr Kinder, Frauen und Männer als je zuvor aus ihren Heimatorten vertrieben. Jeder 113. Erdenbewohner sei davon inzwischen direkt betroffen, beklagt der Weltbericht 2015 des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR). Damit habe die Gesamtzahl der Flüchtlinge, Binnenvertriebenen und Asylsuchenden „ein trauriges Rekordniveau“ erreicht, heißt es in der zum gestrigen Weltflüchtlingstag vorgelegten Studie.

„Während im Jahr 2005 durchschnittlich sechs Menschen pro Minute entwurzelt wurden, sind es heute 24 pro Minute – das sind statistisch zwei Menschen pro Atemzug“, heißt es in dem UN-Bericht.

Infografik: Über 65 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht | Statista
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Zugleich hätten sich die Gefahren auf den Fluchtrouten vervielfacht, erklärte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi. „Auf dem Meer verlieren erschreckend viele Menschen ihr Leben, der Landweg ist durch geschlossene Grenzen zunehmend blockiert, und in manchen Ländern wird gegen Asyl politisch Stimmung gemacht.“

Zudem sinke die Bereitschaft von Staaten, sich der Flüchtlingskrise zu stellen und „im gemeinsamen Interesse der Menschlichkeit“ für deren Bewältigung zusammenzuarbeiten, bedauerte Grandi. „Dabei ist es genau dieser einende Geist, der so dringend gebraucht wird.“

Zum ersten Mal seit Bestehen des UNHCR sei durch den Anstieg der Flüchtlingszahlen auf insgesamt 65,3 Millionen Menschen bis Ende 2015 die „60-Millionen-Marke“ überschritten worden. „Insgesamt ist die globale Zahl der Menschen auf der Flucht in etwa so groß wie die Einwohnerzahlen von Großbritannien, Frankreich oder Italien.“

Laut UNHCR ist etwa die Hälfte der Flüchtlinge jünger als 18 Jahre. Besonders beunruhigend sei die hohe Zahl an Kindern, die allein reisten oder von ihren Eltern getrennt waren. 98 400 Asylanträge seien von unbegleiteten Kindern gestellt worden. Die Bearbeitung von Asylanträgen sei aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen stark verzögert. Dabei wurden allein in Deutschland 441 900 Asylanträge und damit mehr als in jedem anderen Land der Welt gestellt.

Das weltweit größte Aufnahmeland ist weiterhin die Türkei mit derzeit 2,5 Millionen Flüchtlingen. Insgesamt halten sich die weitaus meisten Flüchtlinge in Ländern außerhalb Europas auf.

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