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Bundestagswahl 2017 : Zwei Kandidaten, die ihr Letztes geben

vom
Aus der Onlineredaktion

Merkel und Schulz unter Druck: Die eine wegen des Gebrülls der Rechten, der andere wegen schlechter Prognosen

Angela Merkel und Martin Schulz geben ihr Letztes: Es ist eben nicht alles gelaufen bei dieser Bundestagswahl. Die Spitzenkandidatin der CDU ist vom Gebrüll im Osten („Merkel muss weg“) aus dem viel zitierten „Schlafwagen zur Macht“ gerissen worden – wenn sie denn jemals darin saß. Und ihr SPD-Herausforderer? Der muss so tun, als sei noch nichts verloren. Welch eine Last – für beide.

Schulz kämpft längst nicht mehr gegen die Amtsinhaberin. Er ringt um seine Würde und die seiner Partei. Und ja, auch deshalb will er den Machterhalt in einer erneuten Großen Koalition. Das aber darf der 61-Jährige sich nicht anmerken lassen: Es wäre ein Hieb gegen die wahlkämpfenden Genossen. Die tragen schwer daran, dass das „Schulz-Wunder“ keines ist. Der als „Gottkanzler“ Gepriesene kann nicht über das Wasser laufen.

Der SPD-Chef ist dünnhäutig geworden. Die Wendung „Wenn ich Kanzler bin“ kommt von ihm nur noch selten. Er weiß offenbar um die Gefahr, großspurig zu wirken. Dem SPD-Chef war schon seit Anfang August klar, dass der Trend kein Genosse ist. Da hatte der Mehrheitsverlust auch der rot-grünen Landesregierung in Niedersachsen dem SPD-Kanzlerkandidaten nach drei verlorenen Landtagswahlen einen weiteren herben Schlag versetzt.

Schon kursieren Nach-Schulz-Szenarien in der SPD: Kommt er auf weniger als 23 Prozent – diesen Tiefstand erreichte 2009 der damalige SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier –, ist es wohl das „Aus“ für Schulz. Erreicht er über 25,7 Prozent – die errang 2013 Peer Steinbrück – , kann er sicher SPD-Chef bleiben und das Außenamt übernehmen, sofern es zur Großen Koalition kommt. Andernfalls bleibt der Fraktionsvorsitz im Bundestag.

Weitermachen, irgendwie. Das ist auch das Credo der Kanzlerin. Nahezu alle ihre Veranstaltungen im Osten werden derzeit von Wutbürgern gestört. Verabredungen im Internet, die Ausgabe von Trillerpfeifen, gezielter Bustransport: Nach Einschätzung der Union sind die Störer zu weiten Teilen Rechtsextreme „unter dem Banner der AfD“. Merkels Versuche, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, scheitern am Lärm. Eine echte Prüfung für die erfolgsverwöhnte 63-Jährige. Bisher hatte sie das Problem, nicht allzu zu siegessicher oder sogar überheblich zu erscheinen.

Langweilig? Dieser Wahlkampf soll langweilig sein und sie selbst auch? Die CDU-Chefin tut bei ihrer traditionellen Sommer-Pressekonferenz Ende August so, als hätte sie diese Frage eines Journalisten nicht verstanden. Doch jetzt kommen viele, die ihr mit „Volksverräter“-Rufen demonstrieren, wie wenig sie von dieser Kanzlerin und deren Flüchtlingspolitik halten. Das erschüttert die Selbstsicherheit.

In diesem Wahlkampf zeigt die Kanzlerin Emotionen – anders als bisher. Offenbar hat sie gelernt. Die CDU-Chefin zeigt, dass sie durchaus nahbar ist. Die Kanzlerin wiegt sich zur Jazzmusik auf einem Wahlkampftermin in Berlin-Mitte. Ein bisschen jedenfalls. Gut, der frühere US-Präsident Barack Obama hatte mehr Soul. Aber für Merkels Verhältnisse war das schon ziemlich ausgelassen, als sie beim Auftritt der Jazz-Sängerin Uschi Brüning, einer DDR-Ikone, swingt.

Journalisten lädt sie in diesem Wahlkampf nicht zu ihrer Begleitung ein. Busfahren mit Merkel? Nein, so viel Nähe ist nicht vorgesehen.

Beate Tenfelde

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