USA : Zu wenig Gift – wieder Erschießungen?

Hinrichtungskammer im Gefängnis von Draper im US-Bundesstaat Utah, wo am 18. Juni 2010 der Mörder Ronnie Lee Gardner in diesem Stuhl erschossen wurde.
Hinrichtungskammer im Gefängnis von Draper im US-Bundesstaat Utah, wo am 18. Juni 2010 der Mörder Ronnie Lee Gardner in diesem Stuhl erschossen wurde.

Wegen eines Boykotts europäischer Pharmakonzerne sucht USA nach Alternativen zur Giftspritze

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17. März 2015, 20:30 Uhr

Kurz nach Mitternacht, 18. Juni 2010: Im Gefängnis in Draper (Utah) zielen fünf Schützen auf ein kleines Stück weißen Stoff. Es ist über dem Herzen von Ronnie Lee Gardner befestigt. Der Todeskandidat sitzt. Arme, Beine und Kopf sind mit Riemen festgezurrt. Ein Wachmann zieht eine schwarze Kapuze über den Kopf des verurteilten Mörders. Nervenaufreibendes Warten. Dann folgen die Schüsse, alle gleichzeitig. Gardners Hand ballt sich zur Faust, erschlafft wieder. Zwei Minuten später ist er tot.

So hat ein anwesender Reporter die Hinrichtung durch ein Erschießungskommando beschrieben. „Ronnie wusste, wie unmenschlich das sein würde“, sagt Gardners Bruder Randy.

Ronnie Gardners Tod sollte die letzte Hinrichtung durch Erschießen in der Geschichte der USA sein. Aber da den US-Behörden die Chemikalien für ihre Giftspritzen ausgehen, könnten sich solche Szenen bald wiederholen: Der Senat in Utah stimmte vor kurzem für einen Gesetzentwurf, der die Wiedereinführung von Hinrichtungen durch Erschießen vorsieht, falls es bei Substanzen für die Giftspritze Engpässe geben sollte. Ob Gouverneur Gary Herbert das Gesetz tatsächlich in Kraft treten lässt, ist noch offen.

In den 32 US-Staaten mit Todesstrafe wird hauptsächlich eine Giftspritze eingesetzt. Doch die EU beschränkt die Ausfuhr von Substanzen für diese Giftcocktails. Auch viele Hersteller haben Bedenken. Dies betrifft vor allem Natrium-Thiopental, ein Betäubungsmittel. Als Ersatz verwenden die Behörden mancher Bundesstaaten Pentobarbital. Doch der dänische Hersteller weigert sich, es für Hinrichtungen in die USA zu liefern. Bei einem möglichen Ersatz, dem Narkosemittel Propofol, gab es ebenfalls Widerstand von dem deutschen Hersteller Fresenius.

Den Behörden in Utah fehlen inzwischen diese Mittel, in Texas wurde kürzlich die vorletzte Dosis verwendet. Um weitere Hinrichtungen zu vollstrecken, improvisierten sie mit anderen Giftcocktails – mit schlimmen Folgen. In mehreren Fällen starben Todeskandidaten qualvoll. Bei einem Mann in Arizona dauerte der Todeskampf fast zwei Stunden.  

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