Politik : Zu teure Geschenke?

Rentenniveau soll wegen Mütterrente und Rente ab 63 deutlich absinken / Max-Planck-Institut warnt

svz.de von
30. Dezember 2013, 00:33 Uhr

Kontraproduktive Geschenke? Die Umsetzung der schwarz-roten Rentenversprechen wird mehrere Milliarden Euro kosten, die Beitragszahler werden es bereits ab 1. Januar 2014 bemerken: Die Senkung des Rentenbeitragssatzes um 0,6 Prozentpunkte fällt aus. Doch auch für viele heutige und zukünftige Rentner könnte es teurer werden als gedacht: Das Rentenniveau im Jahr 2030 dürfte vor allem wegen der Kosten für die verbesserte Mütterrente und die abschlagsfreie Rente mit 63 um bis zu 2,5 Prozent niedriger ausfallen als erwartet, schätzt Professor Axel Börsch-Supan. Der Direktor des Münchner „Center for the Economics of Aging“ am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik, warnt: „Dabei könnte es sogar unter die gesetzlich vorgeschriebene Mindestmarke von 43 Prozent des Einkommens vor Steuern rutschen.“

Die von Schwarz-Rot geplante verbesserte Anrechnung der Erziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder wird rund 6,5 Milliarden Euro jährlich kosten, die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren zwischen 800 Millionen und vier Milliarden Euro jährlich. Ein Verzicht auf Beitragssatzsenkung und ein schnellerer Abbau der Rentenreserven sollen in den ersten Jahren die Aufwendungen finanzieren. Solche kostspieligen Eingriffe in den genau austarierten Mechanismus der Rentenanpassungsformel haben ihren Preis: So wirkt der Verzicht auf die Absenkung des Rentenniveaus um 0,6 Prozentpunkte ab Januar nicht nur bei Beschäftigten, denen eine Entlastung entgeht. Auch der Staat muss mehr zahlen.

Aber auch die Rentner zahlen: Die höheren Kosten für die zusätzlichen Maßnahmen werden laut Rentenformel zwischen Beschäftigten und Rentnern verteilt, so dass die Älteren selbst einen Teil der Kosten schultern müssen: Die Rentenerhöhung zum 1. Juli 2015 wird daher voraussichtlich um 0,8 Prozentpunkte geringer ausfallen als ohne zusätzliche Maßnahmen. Der langfristige Negativeffekt für die Rentner der Zukunft dürfte gravierend sein, weil die Kosten für die Maßnahmen das Rentenniveau weiter drücken. Für die künftigen Rentner wird es schwieriger: Einerseits wird das Rentenniveau ohnehin sinken, andererseits steigt der Anteil der Rente, der versteuert werden muss. Wer 2014 in Rente geht, muss auf 68 Prozent seiner Rente Steuern zahlen. Ab 2040 wird die komplette Rente für Neurentner steuerpflichtig sein.

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