Reaktionen zu Ramelow : Zitterwahl in Erfurt als Prolog für Berlin?

dpa_148b0a00acad3a75

Jubel und Erleichterung über die Zitterwahl Ramelows, Entsetzen, Wut und Fassungslosigkeit bei den anderen.

svz.de von
05. Dezember 2014, 22:11 Uhr

Rot-Rot-Grün – ein Modell auch für den Bund 2017? Sektkorken knallen gestern um 10.49 Uhr in den Büros der Linksfraktion im Bundestag, Jubel und Erleichterung über die Zitterwahl Ramelows, Entsetzen, Wut und Fassungslosigkeit bei den anderen. Mit Spannung hatten Bundestagsabgeordnete vor den Fernsehern den Wahlkrimi verfolgt. Die Überraschung, der „Bodo-Mord“, bleibt in Erfurt aus.

Die SPD mache die Linkspartei salonfähig, stärke die SED-Nachfolgerin. Für CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer ist es „ein Tag der Schande für das wiedervereinigte Deutschland“, twittert er. Mit Ramelow sei nun „ein Top-Agent einer Ex-Stasi-Connection der Linkspartei“ in Regierungsverantwortung gekommen.

Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder macht seinem Ärger mächtig Luft. Die Wahl des linken Ministerpräsidenten in Thüringen werde er der SPD „nicht so schnell vergessen“.

Plötzlich geht das rot-rot-grüne Schreckgespenst in der Union um. Die SPD als Partnerin in der Großen Koalition gilt nicht mehr als sichere Verbündete. Den Versicherungen von Gabriel & Co., Rot-Rot-Grün und ein Bündnis mit den Linken sei 2017 im Bund keine Option, schenkt in den Reihen von CDU und CSU kaum noch jemand Glauben.


Gysi: „Dass ich das
noch erlebe!“


Droht Angela Merkel bei der nächsten Bundestagswahl ein ähnliches Schicksal wie ihrer Parteifreundin Christine Lieberknecht zuletzt in Thüringen? Wird die Union womöglich stärkste Kraft, kann aber mangels Koalitionspartner nicht mehr regieren? Und wählen Grüne und Linke dann SPD-Chef Sigmar Gabriel zum Kanzler?

Den Vorwurf, dass SPD und Grüne als „Steigbügelhalter“ für die Machtübernahme der Linken agierten, weist Grünen-Fraktionschefin Katrin Göhring-Eckardt zurück. Der Wechsel gehöre zur Demokratie. Sie sei 1989 nicht auf die Straße gegangen, um immer nur von einer Partei regiert zu werden, die noch dazu in der DDR Blockpartei gewesen sei, so die frühere Bürgerrechtlerin.

Und Linksfraktionschef Gregor Gysi ließ seiner Freude freien Lauf: „Dass ich das noch erlebe!“



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen