Was Zollbeamte finden : Zigaretten, Drogen, Böller

 Collage: Dens
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Zoll zog rund120 Millionen Glimmstängel und viele andere illegale Waren aus dem Verkehr

svz.de von
07. April 2017, 05:00 Uhr

Eine Tonne Pyrotechnik in einem Mehrfamilienhaus, Ecstasy-Pillen in einer Eisenrohr-Lieferung, als Kaminuhren deklariertes Elfenbein: Der Zoll beschlagnahmte 2016 viele illegale Waren und hat dazu Bilanz gezogen. Für Verbraucher hätten die zwielichtigen Waren auch gravierende Folgen haben können:

Waffen und Pyrotechnik

Bei ihren Kontrollen stießen die Zollbeamten auf rund 8193 Waffen. Erstaunlich: Gegen Kunden eines einzigen Internetshops laufen alleine rund 1400 Ermittlungsverfahren.

Im Keller eines Mehrfamilienhauses in Berlin stießen die Fahnder auf rund eine Tonne nicht zugelassener Pyrotechnik mit einer „Netto-Explosiv-Masse“ von rund 300 Kilogramm. „Wenn das hochgeht, ist das Haus weg“, sagt Oliver Pampel-Jabrane vom Zollfahndungsamt Berlin. Dem Pyro-Sammler kam man über die Kundenkartei einer ausländischen Website auf die Schliche. Generell nennt der Zoll die Entwicklung beim Schmuggel und Handel mit Pyrotechnik „besorgniserregend“. In dem Bereich setze man eine hohe Priorität.

Bargeld

Weniger explosiv aber ebenso floriend laufen die kriminellen Geschäfte mit Geld. Im vergangenen Jahr spürten die Zollbeamten nicht deklariertes Bargeld in Höhe von 8,2 Millionen Euro auf. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will deshalb mit deutlich mehr Personal den Kampf gegen Geldwäsche und Terror-Finanzierung verstärken. Die sogenannte Financial Intelligence Unit (FIU) werde von 25 Beamten bis 2018 auf 165 aufgestockt, sagte er am Dienstag in Köln. „Die Meldungen, wo der Verdacht der Geldwäsche gegeben sein könnte, nehmen immer stärker zu. Deswegen müssen wir die Behörde auch sehr viel mehr ausbauen.“ Die Einheit soll zum 1. Juli vom Bundeskriminalamt (BKA) zum Zoll umziehen. Schäuble begründete das damit, dass die Arbeit wegen der dortigen Expertise noch effizienter erledigt werden könne. Zugleich mahnte er an, dass vor allem auf Ebene der Länderverwaltungen die Kompetenz und die Qualität der Kräfte zur Bekämpfung der Geldwäsche verbessert werden müssten. Die FIU soll die Verdachtsmeldungen filtern und bei entsprechender Bewertung an die Strafverfolgungsbehörden weiterleiten - und diese damit entlasten.

Tabak und Drogen

Gut neun Tonnen Marihuana, Kokain und Aufputschmittel hat der Zoll 2016 entdeckt und beschlagnahmt. Den Fahndern sind vor allem deutliche Steigerungsraten bei den synthetischen Drogen aufgefallen. Beliebtes Schmuggelgut sind aber nach wie vor auch Zigaretten. Rund 120 Millionen illegale Glimmstängel wurden vom Zoll vergangenes Jahr aus dem Verkehr gezogen. Dazu kommen zehntausende Flaschen mit gepanschtem Schnaps.

Exotische Materialien

Bei zwei zusammenhängenden Aufgriffen stellte der Zoll 2016 mehr als eine Tonne Elfenbein sicher. Auslöser war eine erste Lieferung, die vom Flughafen Schönefeld aus nach Vietnam gehen sollte – angemeldet als Kaminuhren aus Marmor.

Wo der Zoll so überall fündig wird:

Geheimlager mit Stolperdraht

Das Schmugglerlager im brandenburgischen Beelitz war bestens abgesichert: Die Kriminellen hatten auf dem Gartengrundstück in Kniehöhe  einen transparenten Stolperdraht  gespannt und einen Bewegungsmelder installiert. An den  Türen zum Versteck hingen schwere Schlösser. Der geheime Unterschlupf in Beelitz  war eine von mehreren Lagerstätten, die Zollfahnder  im Januar 2016 im Zuge einer groß angelegten Razzia aushoben. Bei elf Durchsuchungen von Wohnungen und Geschäftsräumen in Berlin, Potsdam, Beelitz und Brück beschlagnahmten  die Beamten rund 135 000 Euro unversteuerte Zigaretten  und sechs Kilogramm Wasserpfeifentabak.   Die Fahnder entdeckten außerdem ein Butterflymesser, einen Schlagring und  ein Luftdruckgewehr.  Die vier tatverdächtigen Männer im Alter zwischen 34 und 37 Jahren  sollen den Ermittlungen zufolge mindestens seit 2013 einen regen Tabakschmuggel betreiben und dadurch Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben.

Bärenkrallen-Kette

Der Zoll am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main ermittelt in zahlreichen Fällen auch wegen  Verstößen gegen den Artenschutz. Die Schmuggler trauen sich immer mehr: 383 Fälle mit insgesamt fast 16 900 artengeschützten Exemplaren registrierten die rund 700 Mitarbeiter des Zolls im vergangenen Jahr auf dem Rhein-Main-Airport. Mehr als 2300 lebende Tiere und Pflanzen gehörten dazu. Darunter waren auch: zwei giftige Königkobras für ein heimisches Terrarium, 13 bunte Pfirsichkopf-Papageien aus China und vier Schildkröten aus Algerien.  Eine Buddha-Figur aus Elfenbein in einer Handtasche aus Waran-Leder entdeckte der Zoll - als Reiskocher getarnt - in der Post. In einer Sendung aus den USA fand sich eine Bärenkrallen-Kette.

Nicht nur in der Post und bei Reisenden, sondern auch in der Fracht fanden die Zollbeamten allerlei Verbotenes. 68 Kilo Schildpatt aus Haiti beispielsweise - Schildpanzerteile geschützter Meeresschildkröten.

„Die Bandbreite der Verstöße gegen den Artenschutz ist sehr groß“, sagte  der Leiter des Hauptzollamts Frankfurt, Albrecht Vieth. „Oft bekommen gerade junge Menschen bei Fernreisen alles Mögliche erzählt.“  Für Verstöße gegen das Washingtoner Artenschutzübereinkommen könnten aber Geldbußen bis zu 50 000 Euro oder Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren verhängt werden.

Säckeweise bunte Pillen

Der Zoll hat im vergangenen Jahr rund zehnmal so viele Ecstasy-Pillen sichergestellt wie 2015. „Ecstasy feiert nach unseren Feststellungen gerade ein großes Comeback im Schmuggel“, sagte der Präsident der Generalzolldirektion, Uwe Schröder, bei der Vorstellung der Jahresbilanz am vergangenen Mittwoch . Demnach zogen die Kontrolleure insgesamt knapp zwei Millionen Tabletten aus dem Verkehr. Allein 640 000 Pillen wurden im Juli in einer Eisenrohr-Lieferung entdeckt. Wer Ecstasy für ein Phänomen der 90er Jahre hält, wird auch bei einem Blick in das Kölner Flughafen-Terminal eines Besseren belehrt. Säckeweise liegen die bunten Pillen dort, sichergestellt vom Zoll. „Wir haben deutliche Steigerungszahlen bei den synthetischen Drogen“, sagt der Chef des Zollkriminalamts, Norbert Drude. Und als Faustregel könne gelten: „Wenn wir mehr aufgreifen, wird auch mehr konsumiert.“ Gefährlich ist dabei, dass nach Angaben des Zolls der Wirkstoffgehalt der Pillen zunimmt.

Auch beim Kokain zeichne sich ein deutlicher Anstieg ab, sagte Präsident Uwe Schröder. Bereits in den ersten Monaten 2017 habe man „erschreckenderweise“ die Größenordnung von 2016 erreicht. Die Droge werde in immer größeren Mengen und mit immer ausgefeilteren Methoden geschmuggelt.

Tabakversteck im Laster

Pomellen Es war eine aufwendige Lkw-Kontrolle – die sich am Ende aber lohnte. Die Zollbeamten beförderten 60 000 versteckte Zigaretten ans Tageslicht. Eine Röntgenaufnahme hatte den Beamten  den ersten Verdacht geliefert, dass mit dem Laster aus Polen etwas nicht  stimmt. Die Zöllner hatten den mit Fenstern beladenen Laster im Oktober 2016 am Grenzübergang  in eine Kontrolle gelotst.  Bei der Überprüfung des Sattelaufliegers in der zolleigenen Röntgenanlage entdeckten die Beamten auf dem Monitor Anzeichen für einen manipulierten Unterbau. Die Fenster wurden ausgeladen und ein Tabakspürhund in den Laderaum geschickt. Seine feine Nase führte ihn auch sofort zu dem verdächtigen Unterboden. Schmuggelgut hatten die Zollbeamten aber auch nach dem Hundeeinsatz noch nicht ausfindig gemacht. Die Kontrolleure  setzen ihr drittes Ass ein: sie schoben eine an einem flexiblen Schlauch montierte Kamera in den Unterbau. Die sogenannte Hohlraumsonde  lieferte dann den endgültigen Beweis, dass der Lkw  als Schmuggeltransporter diente. In 24 Kastenprofilen entdeckten die Zöllner 60 0000 Zigaretten und verhinderten somit  einen Steuerschaden von 9600 Euro. Gegen den Fahrer wurde ein Verfahren wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung eingeleitet.      Die Ermittlungen nach den Hintermännern übernahm die Zollfahndung.

 
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