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AFD in der Krise : Zerbricht jetzt die Bundes-AfD?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Chaos, Intrigen, Machtkämpfe: Nach der Spaltung der Fraktion in Baden-Württemberg eskaliert der Führungsstreit in der Partei

Heftiger Streit, erbitterter Kampf und gegenseitige Schuldzuweisungen – der Antisemitismus-Streit und der Bruch der AfD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg haben zu einer offenen Machtprobe zwischen den beiden Bundesvorsitzenden der Partei geführt. AfD-Chefin Frauke Petry und ihr Co-Vorsitzender Jörg Meuthen lieferten sich gestern im Stuttgarter Landtag harte Auseinandersetzungen vor laufenden Kameras. Zerreißt es nach dem Bruch der Landtagsfraktion im Südwesten auch die Bundes-AfD?

Seit Monaten ringen Petry um Meuthen darum, wer die Nummer Eins bei den Rechtspopulisten ist und welchen Kurs die Partei einschlagen soll. Beide lieferten sich einen regelrechten Kleinkrieg, heißt es aus ihrem Umfeld. Von Putschversuchen ist da die Rede, von Zermürbung und Intrigen. Der Zerfall der AfD-Landtagsfraktion sorgt jetzt für eine Eskalation. Kabale und Hiebe bei den Rechtspopulisten.

Knapp vier Monate nach dem Erfolg bei den Landtagswahlen im „Ländle“ mit 15,2 Prozent hat sich die AfD-Fraktion gespalten. Am Dienstag war der Abgeordnete Wolfgang Gedeon aus der Fraktion ausgetreten, der wegen antisemitischer Äußerungen auch in den eigenen Reihen in der Kritik steht. Parteichef Meuthen, der auch Fraktionschef im Landtag ist, will jetzt mit zwölf Anhängern eine eigene Fraktion „Alternative für Baden-Württemberg“ bilden.

Gestern kam es erneut zu einem Eklat zwischen den beiden Bundesvorsitzenden. Parteichefin Frauke Petry war am Vorabend nach Stuttgart gereist, um sich in den Streit der AfD-Landtagsfraktion einzuschalten, wurde dafür heftig von Meuthen und Parteivizechef Alexander Gauland kritisiert. Meuthen beklagte eine Einmischung in die Angelegenheiten der AfD Baden-Württemberg, hatte sogar versucht, ein Hausverbot für Petry im Landtag zu erwirken. Vor einem Vier-Augen-Gespräch der beiden hatte er ein Pressestatement seiner Co-Vorsitzenden unterbrochen.

Anders als Meuthen setzt Petry darauf, die Fraktion wieder zu einen. Meuthen dagegen will nach der Neugründung der Fraktion erreichen, dass einige der Anhänger Gedeons sich ihm anschließen. „Wir sind die AfD“, erklärte er. „Die Spaltung muss jetzt beendet werden“, forderte dagegen Petry und verwies auf ihre Verantwortung als Bundeschefin für die gesamte Partei. Dies sei sie den Wählern schuldig. „Ich würde mich freuen, wenn Jörg Meuthen erneut Teil der AfD-Fraktion wird“, sagte sie. Scheitert Meuthen mit seinem Plan, säße er am Ende womöglich als fraktionsloser Abgeordneter im Landtag und hätte im Machtkampf mit Petry eine schwere Niederlage erlitten. Die AfD-Chefin wäre ihrem Ziel einer alleinigen Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl 2017 womöglich einen Schritt näher gekommen.

Der AfD-Chef hatte für seinen Abspaltungskurs die Unterstützung des Bundesvorstandes der Partei erhalten. Petry dagegen, die sich seit langem einen Machtkampf mit Meuthen liefert, war unangemeldet nach Stuttgart gereist.

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