„Wunderwuzzis“ Karriere in Österreich: Außenminister mit 27

In Wien auch „Wunderwuzzi“ genannt: Außenminister  Sebastian Kurz.
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In Wien auch „Wunderwuzzi“ genannt: Außenminister Sebastian Kurz.

svz.de von
14. Dezember 2013, 00:37 Uhr

Das Gesicht Österreichs im Ausland ist künftig ein 27-jähriger Wiener. Sebastian Kurz, bisher Integrationsstaatssekretär, ist der jüngste Außenminister, den die Alpenrepublik je hatte. Einst belächelter Jungspund der konservativen Volkspartei ÖVP, ist Kurz nun parteiintern ein Hoffnungsträger. Wie er das gewichtige Amt schultern wird, bleibt abzuwarten. In diplomatischen Kreisen in Wien nennt man ihn wegen seines Alters den „Abiturienten“. Im Parlament sitzt er erst seit wenigen Wochen.

Trotzdem bekam er bei der Wahl Ende September mehr Erststimmen als die Parteichefs. Kurz wirkt souverän, spricht druckreif, ist stets freundlich und auf Twitter und Facebook aktiv. Auf Society-Veranstaltungen ist der 27-Jährige ein gern gesehener Gast, achtet auf gute Manieren und perfekte Kleidung. Seine nach hinten gegelten Haare wurden zu seinem Markenzeichen.

Sein jugendliches Auftreten könnte ihm auf dem internationalen Parkett aber auch Probleme bereiten. Unter den Außenministern der EU-Staaten ist er der Jüngste. Kritiker meinen, Kurz sei noch nicht reif, Österreich in der Welt zu repräsentieren. Seine Fremdsprachenkenntnisse sind begrenzt: Sein Englisch sei gut, sein Französisch eher eingerostet. Politikberater Thomas Hofer sieht in der Bestellung von Kurz kein Risiko für Österreich. „Das Positive ist, dass die österreichische Außenpolitik ohnehin nicht dominant aufgestellt war“, so Hofer. Vizekanzler Michael Spindelegger, der bisher das Amt vertrat, habe keine allzu große Fallhöhe hinterlassen.

Kurz ist Sohn einer Lehrerin und eines Technikers. Nach dem Abitur 2004 war er beim Militär. Noch während seines Jura-Studiums wurde er Chef der Jungen ÖVP. Mit nur 24 Jahren gelang Kurz sein bislang größter Karrieresprung: Begleitet von hämischen Kommentaren wurde er zum Integrationsstaatssekretär ernannt. Damit wurde er zum jüngsten Regierungsmitglied der Geschichte. Viele Skeptiker konnte er bald überzeugen. Er versachlichte die in Österreich oft sehr harsche und von der rechten FPÖ diktierte Ausländerdebatte, so der einhellige Tenor. Kurz propagierte das Motto: „Integration durch Leistung“.

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